Garmisch, Mittwoch (Brief): KAH in München?

d. 21. Okt. 31.
Mein liebster, bester Karl!
O wärst du nur hier, es ist hier so schön. Und immer wenn ich schönes erlebe, möchte ich es mit Dir zusammen haben, dann ist es erst das vollkommene. Doch vielleicht kommst Du noch!? Was machen Deine Arbeiten? Überanstrenge Dich nur nicht zu sehr, denn, wenn jetzt Deine Konzerte angehen, wirst Du so viel Aufregungen und Arbeit haben, daß Du nicht schon im voraus halb kaputt sein darfst. Und außerdem brauche ich Dich auch noch für später. Ohne Dich hätte mein Leben ja gar keinen Zweck, wie es vorher auch keinen hatte. Du weißt, wie ich damals immer gedacht habe. Für deine Karte herzl. Dank, mit Sehnsucht erwarte ich immer Deine Post. Gestern waren wir am Eibsee und mußten 6 Stunden tüchtig marschieren. Heute in aller früh regnete es stark, doch jetzt hellt es sich schon wieder auf. Die Ruhe tut hier außerordentlich wohl, endlich einmal kein Gezank mitanhören [zu] müssen. Auch Papa schlägt es gut an. Wir kommen auf jeden Fall am Freitag heim, ich weiß aber noch nicht mit welchem Zug. Jedenfalls so, daß Mama nicht an die Bahn kommen kann. Ich schreibe dir das noch genauer. Mein lieber Karl, bitte sei vorsichtig, Du weißt nicht, welche Angst ich immer um Dich ausstehe. Auch traue bitte keinem Menschen zu sehr, Du kannst ja doch nicht in sie hineinschauen. Vergiß mich nicht und auf ein frohes Wiedersehen freut sich
Deine treue Elisabeth.
Bitte grüße auch Mutter u. Brüder recht herzlich von mir. Was ist mit Adolf u. Mama los?

Garmisch, Mittwoch (Brief): KAH in München?

d. 21. Okt. 31.
Mein liebster, bester Karl!
O wärst du nur hier, es ist hier so schön. Und immer wenn ich schönes erlebe, möchte ich es mit Dir zusammen haben, dann ist es erst das vollkommene. Doch vielleicht kommst Du noch!? Was machen Deine Arbeiten? Überanstrenge Dich nur nicht zu sehr, denn, wenn jetzt Deine Konzerte angehen, wirst Du so viel Aufregungen und Arbeit haben, daß Du nicht schon im voraus halb kaputt sein darfst. Und außerdem brauche ich Dich auch noch für später. Ohne Dich hätte mein Leben ja gar keinen Zweck, wie es vorher auch keinen hatte. Du weißt, wie ich damals immer gedacht habe. Für deine Karte herzl. Dank, mit Sehnsucht erwarte ich immer Deine Post. Gestern waren wir am Eibsee und mußten 6 Stunden tüchtig marschieren. Heute in aller früh regnete es stark, doch jetzt hellt es sich schon wieder auf. Die Ruhe tut hier außerordentlich wohl, endlich einmal kein Gezank mitanhören [zu] müssen. Auch Papa schlägt es gut an. Wir kommen auf jeden Fall am Freitag heim, ich weiß aber noch nicht mit welchem Zug. Jedenfalls so, daß Mama nicht an die Bahn kommen kann. Ich schreibe dir das noch genauer. Mein lieber Karl, bitte sei vorsichtig, Du weißt nicht, welche Angst ich immer um Dich ausstehe. Auch traue bitte keinem Menschen zu sehr, Du kannst ja doch nicht in sie hineinschauen. Vergiß mich nicht und auf ein frohes Wiedersehen freut sich
Deine treue Elisabeth.
Bitte grüße auch Mutter u. Brüder recht herzlich von mir. Was ist mit Adolf u. Mama los?

Garmisch (Brief): KAH in München?

Mein heißgeliebter Karl!
Jetzt sitze ich abends auf meinem Zimmer und – denke an Dich, wie es ja immer tue. Je weiter Du von mir entfernt bist, desto stärker fühle ich, wie sehr wir miteinander verbunden sind und meine Sehnsucht zu Dir geht dann ins unermeßliche. Dürften wir doch endlich einmal beisammen sein, alles zusammen ausführen und beraten. Doch die Hoffnung auf die Zukunft ist auch schon schön. Wie werden wir glücklich sein. Wie muß ich dankbar sein Dich, einen Mann von solchem Verständnis und von solcher Größe gefunden zu haben. Du machst mich so stark, den Kampf, den ich gegen die Menschen, die uns unser Glück nicht gönnen wollen zu führen haben, aushalten kann. Was wäre ich ohne Dich. Für heute sage ich Dir gute Nacht und küsse Dich innigst. Mit dem Gedanken an Dich schlafe ich ein u. wache damit täglich auf.
Guten Morgen!
Mein lieber Karl, ich weiß nicht ob ich Dir raten soll hierher zu kommen. Einesteils wäre es ja herrlich, andernteils weiß ich nicht, ob Papa nicht sagen würde, es ist hinausgeworfenes Geld wegen einem Tag hierher zu fahren und ob er nicht etwas Angst vor Mama hätte. Ich überlasse es jetzt ganz Dir, wie Du es am besten hältst. Es ist wirklich gemein daß wir immer noch auf andere Leute Rücksicht zu nehmen haben, doch da muß jetzt bald Schluß werden. Gestern, gleich als wir ankamen, gingen wir noch durch die Partnachklamm. Heute scheinen wir schönes Wetter zu bekommen. Adolf soll nur Mama anrufen u. schreibe mir dann bitte, was damit herauskam. Wir kommen Freitag Nachmittag heim und wenn Du auch kommst, erwarte ich Dich dort am Zug. Ich schreibe das noch näher. Für heute sage ich Dir adieu, und bin mit tausend Küssen Deine Dich innig liebende Elisabeth.

Garmisch (Brief): KAH in München?

Mein heißgeliebter Karl!
Jetzt sitze ich abends auf meinem Zimmer und – denke an Dich, wie es ja immer tue. Je weiter Du von mir entfernt bist, desto stärker fühle ich, wie sehr wir miteinander verbunden sind und meine Sehnsucht zu Dir geht dann ins unermeßliche. Dürften wir doch endlich einmal beisammen sein, alles zusammen ausführen und beraten. Doch die Hoffnung auf die Zukunft ist auch schon schön. Wie werden wir glücklich sein. Wie muß ich dankbar sein Dich, einen Mann von solchem Verständnis und von solcher Größe gefunden zu haben. Du machst mich so stark, den Kampf, den ich gegen die Menschen, die uns unser Glück nicht gönnen wollen zu führen haben, aushalten kann. Was wäre ich ohne Dich. Für heute sage ich Dir gute Nacht und küsse Dich innigst. Mit dem Gedanken an Dich schlafe ich ein u. wache damit täglich auf.
Guten Morgen!
Mein lieber Karl, ich weiß nicht ob ich Dir raten soll hierher zu kommen. Einesteils wäre es ja herrlich, andernteils weiß ich nicht, ob Papa nicht sagen würde, es ist hinausgeworfenes Geld wegen einem Tag hierher zu fahren und ob er nicht etwas Angst vor Mama hätte. Ich überlasse es jetzt ganz Dir, wie Du es am besten hältst. Es ist wirklich gemein daß wir immer noch auf andere Leute Rücksicht zu nehmen haben, doch da muß jetzt bald Schluß werden. Gestern, gleich als wir ankamen, gingen wir noch durch die Partnachklamm. Heute scheinen wir schönes Wetter zu bekommen. Adolf soll nur Mama anrufen u. schreibe mir dann bitte, was damit herauskam. Wir kommen Freitag Nachmittag heim und wenn Du auch kommst, erwarte ich Dich dort am Zug. Ich schreibe das noch näher. Für heute sage ich Dir adieu, und bin mit tausend Küssen Deine Dich innig liebende Elisabeth.

  • Year
  • um den 20. 0ktober 1931

(P: Genève), Montag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Samstag Sonntag
Winterthur – Heute regnet es und ich will nach Genf. Um 11 h fahre ich nach Zürich. Um 1 h nach Genf. Einstweilen alles Liebe Dein Karl.
Nun bin ich in Zürich (immer regen und kalt.) Hermann ist Albers in größter Potenz. Er hat sich so ziemlich losgesagt von neuer Kunst. –
Jetzt bin ich schon in Genf – niemand traf ich – Ansermet verreist. Chartier (Radio – Wochenend –) de Blonay nicht zuhaus. Ich probiere morgen früh noch – rufe alle an. Gute Nacht stets Dein Karl. –
Eben habe ich Madame Ansermet angerufen, sie erwartet mich um 3 h bei sich. de Blonay habe ich auch angerufen, erwartet mich morgen morgen früh. Dein Karl. –
Bei Madame Ansermet war ich, sie war sehr lieb – sie hat viel Kummer das erzähle ich Dir. Ich werde aber doch bei ihm meine Angelegenheit durchdrücken. Heute abend war ich im neuen Garbo-Film: „Waleska“! Sie ist eine schöne Frau. Mir der liebste Garbo-Film. Besonders der Darsteller des Napoleon ist ausgezeichnet. Nun gehe ich ins Bett. Gute Nacht, mein Lieb. Ich bin immer in Gedanken bei Dir mein Elisabeth Dein Karl.

(P: Genève), Montag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Samstag Sonntag
Winterthur – Heute regnet es und ich will nach Genf. Um 11 h fahre ich nach Zürich. Um 1 h nach Genf. Einstweilen alles Liebe Dein Karl.
Nun bin ich in Zürich (immer regen und kalt.) Hermann ist Albers in größter Potenz. Er hat sich so ziemlich losgesagt von neuer Kunst. –
Jetzt bin ich schon in Genf – niemand traf ich – Ansermet verreist. Chartier (Radio – Wochenend –) de Blonay nicht zuhaus. Ich probiere morgen früh noch – rufe alle an. Gute Nacht stets Dein Karl. –
Eben habe ich Madame Ansermet angerufen, sie erwartet mich um 3 h bei sich. de Blonay habe ich auch angerufen, erwartet mich morgen morgen früh. Dein Karl. –
Bei Madame Ansermet war ich, sie war sehr lieb – sie hat viel Kummer das erzähle ich Dir. Ich werde aber doch bei ihm meine Angelegenheit durchdrücken. Heute abend war ich im neuen Garbo-Film: „Waleska“! Sie ist eine schöne Frau. Mir der liebste Garbo-Film. Besonders der Darsteller des Napoleon ist ausgezeichnet. Nun gehe ich ins Bett. Gute Nacht, mein Lieb. Ich bin immer in Gedanken bei Dir mein Elisabeth Dein Karl.

(P: Bamberg-Maroldshausen) Junkersdorf (Karte): E.R. in Hampstead

Liebes Fräulein Elisabeth.
Von meiner Sommerfrische will ich Ihnen herzliche Grüße senden. Sie werden wohl mitten im Examen stehen. Hoffentlich haben Sie guten Erfolg – natürlich! Ich freue mich Sie bald in München begrüßen zu dürfen und bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute. Leben Sie wohl auf frohes Wiedersehn
Ihr Karl Amadeus Hartmann
Auch ich erlaube mir, Sie liebes Fräulein Elisabeth herzlichst zu grüßen
Ihre Gertrud Hartmann
Herzliche Grüße Fritz H.

(P: Bamberg-Maroldshausen) Junkersdorf (Karte): E.R. in Hampstead

Liebes Fräulein Elisabeth.
Von meiner Sommerfrische will ich Ihnen herzliche Grüße senden. Sie werden wohl mitten im Examen stehen. Hoffentlich haben Sie guten Erfolg – natürlich! Ich freue mich Sie bald in München begrüßen zu dürfen und bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute. Leben Sie wohl auf frohes Wiedersehn
Ihr Karl Amadeus Hartmann
Auch ich erlaube mir, Sie liebes Fräulein Elisabeth herzlichst zu grüßen
Ihre Gertrud Hartmann
Herzliche Grüße Fritz H.

(P: München) (E: 18), Freitag (Umschlag): E.R. Hampstead

Brief nicht erhalten

München (Brief): KAH an A. H.

Mein lieber Adolf.
Zu Pfingsten alles Gute. Hier regnet es unaufhörlich; immer fort. So ist man leider an die Wohnung gebunden. Was gibt es neues? Ich möchte gern reduzieren daß Dr. Will nicht sehr gute Sachen aber sehr nette Arbeiten macht. Es geht viel raus nach Baierbrunn und Leutstetten zum malen.
Bei Mille war ich auch, sie war sehr nett und gut. Schicke bitte die Briefe an Mille an mich so kann ich dann immer mal vorbeigehen bei Rinder. Schreibe bald an Mille es sind immer – – M. Furtwängler mit seinen Preussen war hier. Gehst Du in die Festspiele –? in was? Die Kritiken würden mich interes[s]ieren. Im Glaspalast ist noch nicht’s los. Hoffentlich kommen alle herein. Bei mir ist noch nichts mit dem Konzert, da Dorfmüller einen Hindemith-abend macht. Immer – und immer Hindemith. Es ist wahnsinn – kein Schönberg – kein Strawinsky – kein Hartmann – Ist Weiler noch in Berlin? Es wäre mir Un[an]genehm wenn er die Jazz-Toccata-Fuge spielen würde. Wann kommt er nach München? Viele Grüße an Karl Weiler. Warum schreibt mir Lenz nicht über die Bedingungen des Mendels[s]ohn-Preises?
Nun lebe Wohl verbringe frohe Pfingsten und grüße alle Pitsche’s und sei gegrüßt von Deinem Karl A Hartmann
Grüße an Seläfne [?] Maxe.
Meine 2. Oper „Rasputin“ ist fertig. See ist begeistert. Kommt die[sen] Herbst, September nach München wegen Dekorationen. Grß Kal.

München (Brief): KAH an A. H.

Mein lieber Adolf.
Zu Pfingsten alles Gute. Hier regnet es unaufhörlich; immer fort. So ist man leider an die Wohnung gebunden. Was gibt es neues? Ich möchte gern reduzieren daß Dr. Will nicht sehr gute Sachen aber sehr nette Arbeiten macht. Es geht viel raus nach Baierbrunn und Leutstetten zum malen.
Bei Mille war ich auch, sie war sehr nett und gut. Schicke bitte die Briefe an Mille an mich so kann ich dann immer mal vorbeigehen bei Rinder. Schreibe bald an Mille es sind immer – – M. Furtwängler mit seinen Preussen war hier. Gehst Du in die Festspiele –? in was? Die Kritiken würden mich interes[s]ieren. Im Glaspalast ist noch nicht’s los. Hoffentlich kommen alle herein. Bei mir ist noch nichts mit dem Konzert, da Dorfmüller einen Hindemith-abend macht. Immer – und immer Hindemith. Es ist wahnsinn – kein Schönberg – kein Strawinsky – kein Hartmann – Ist Weiler noch in Berlin? Es wäre mir Un[an]genehm wenn er die Jazz-Toccata-Fuge spielen würde. Wann kommt er nach München? Viele Grüße an Karl Weiler. Warum schreibt mir Lenz nicht über die Bedingungen des Mendels[s]ohn-Preises?
Nun lebe Wohl verbringe frohe Pfingsten und grüße alle Pitsche’s und sei gegrüßt von Deinem Karl A Hartmann
Grüße an Seläfne [?] Maxe.
Meine 2. Oper „Rasputin“ ist fertig. See ist begeistert. Kommt die[sen] Herbst, September nach München wegen Dekorationen. Grß Kal.

  • Year
  • undatiert, vor Pfingsten: 24./25. Mai 1931

(P: Genève), Sonntag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Liebe Elisabeth.
Ansermet kommt am 4. abends zurück. Gehe bitte auf das Reisebüro Schenker und kaufe mir eine Fahrkarte Winterthur – Genf – Winterthur (3. Klasse). Meine Pass-Nummer A 22824 und die Eisenbahn No 17742 (die Nummer steht auf meiner Fahrkarte. Ich habe mit Frau A. alles besprochen. Sie meint daß ich gleich wieder kommen soll, denn das Konzert in Frankfurt ist unbestimmt. Schicke mir die Fahrkarte an Klemm (Express). Also eine Fahrkarte Winterthur – Genf – Winterthur. Soll es nicht gehen, dann soll Adolf mit seinem Pass hin – die andere Strecke fährt er mit dem Auto. Sei mir nicht über meine Aufträge böse. Aber nun bin hier dann will ich alles erledigen.
Alles Liebe Dein treuer Karl.
Scherchen sagte mir in Neuchâtel, daß er in Genf kein Konzert hat!!!
Mit Scherchen ist nichts mehr zu machen.
Bleibe mir gesund!

(P: Genève), Sonntag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Liebe Elisabeth.
Ansermet kommt am 4. abends zurück. Gehe bitte auf das Reisebüro Schenker und kaufe mir eine Fahrkarte Winterthur – Genf – Winterthur (3. Klasse). Meine Pass-Nummer A 22824 und die Eisenbahn No 17742 (die Nummer steht auf meiner Fahrkarte. Ich habe mit Frau A. alles besprochen. Sie meint daß ich gleich wieder kommen soll, denn das Konzert in Frankfurt ist unbestimmt. Schicke mir die Fahrkarte an Klemm (Express). Also eine Fahrkarte Winterthur – Genf – Winterthur. Soll es nicht gehen, dann soll Adolf mit seinem Pass hin – die andere Strecke fährt er mit dem Auto. Sei mir nicht über meine Aufträge böse. Aber nun bin hier dann will ich alles erledigen.
Alles Liebe Dein treuer Karl.
Scherchen sagte mir in Neuchâtel, daß er in Genf kein Konzert hat!!!
Mit Scherchen ist nichts mehr zu machen.
Bleibe mir gesund!

Ben Rhydding, Montag (Brief): KAH in München

Ben Rhydding, den 6. April 1931.
Lieber Herr Hartmann!
Endlich habe ich wieder einmal Freiheit im Schreiben, das ist auch der Grund, warum ich meine Osterwünsche so weit hinausschob. Sie sind aber deshalb trotzdem so herzlich gemeint, als ich sie nur wünschen kann. Sagen Sie bitte auch Ihrer Frau Mutter und Brüdern meine frohsten Wünsche, doch sende ich Ihnen ganz besonders innige Ostern nach Deutschland hinüber. Für Ihren lieben Brief herzlichen Dank. Es freut mich, daß Sie mit Ihrer Kunst so viel zu tun haben, Arbeit hilft über schwere Stunden und trübe Gedanken am besten weg. Besonders neues schöpfen in Musik! Wie Sie ja schon hörten bin ich während der Osterferien in Mittelengland bei einer reizenden Familie. Ich fühle mich hier restlos glücklich und freue mich besonders über die neugewonnene Freiheit. Seit langer Zeit, seit fast 7 Monaten kann ich wieder einmal tun was ich will. Das soll aber nicht heißen, daß ich nicht gern im Convent bin, ich sehe vollkommen ein, daß in einem Institut, wo so viele Mädels sind, eine bestimmte Tagesordnung eingehalten werden muß. Uns Ausländerinnen ist sowieso viel mehr Freiheit gegeben und ich tue oft etwas ohne zu fragen, was sich kein englisches Mädel erlauben dürfte. Aber doch fühle ich manchmal den Zwang. Ich hätte vor Freude hüpfen können, als ich allein im Zuge hierher war. Hier ist es herrlich. Ich bin auf dem Land, auf London hin ein unschätzbares Vergnügen. Es ist hier herrliche Luft, und Hügelland. Wunderbare Gelegenheit zu Spaziergängen und es macht mir größtes Vergnügen zwischen den Felsblöcken herumzusteigen oder auf den Waldwegen zu gehen. Eben höre ich durch das Radio, Martha an, aus Heidelberg. Das Radio hier ist für mich hier eine andere Freude, ich höre viel Deutschland, heute hörte ich sogar schon München, die Meistersinger. Es ist eine Erholung deutsche Musik zu hören, englische ist nämlich miserabel schlecht. Sogar die große Oper ist nichts wert. Wenn Sie das hörten, würden Sie wohl über die deutsche Musik nicht so scharf kritisieren. Ich habe eine Bitte. Bitte schreiben Sie nicht, „München schläft weiter“ ich weiß wie es gemeint ist, doch die Engländer haben große Achtung vor deutscher Musik und ich möchte nicht, daß uns das auch noch genommen wird. Sie sind doch nicht bös, wenn ich Sie darum bitte? Ich mußte mich hier an recht viel gewöhnen und muß oft und oft etwas gegen Deutschland hören und lesen. Das tut manchmal weh. Je länger ich hier bin, desto lieber mag ich mein Vaterland und desto weniger mag ich die Engländer. Der Deutsche ist in jeglicher Hinsicht edler und feiner und auch jetzt noch ein gesünderes Volk. Erst im Ausland kann man seine guten Seiten richtig erkennen und man fühlt da erst wie sehr man an seinem Vaterland hängt. Das Schlimmste ist, daß man sich in englischer Sprache nicht verteidigen kann und immer ruhig sein muß. Doch jetzt genug von dem. Es sind nur noch 4½ Monate bis zu meiner Heimreise und hoffe und freue mich aufrichtig auf ein fröhliches Wiedersehen. Bitte machen Sie ja keine Bemerkung über alles was ich schrieb, es ist zu ekelhaft, daß uns alles gelesen wird. Doch konnte ich wenigstens einmal ehrlich schreiben was ich meinte. Meine Prüfung rückt immer näher heran, nächstes term muß ich richtig ochsen, halten Sie mir bitte den Daumen, daß ich nicht durchfliege. Die Schwestern sind hier alle eine netter wie die andere und tun alles um den Ausländerinnen ein Heim zu ersetzen. Das Wetter ist z. z. verhältnismäßig kalt und bei meiner Reise hierher regnete es stark so, daß die englische Landschaft ziemlich düster aussah. Jetzt muß ich schließen. Eben höre ich eine schöne Sonate von Schubert. O, Musik! Recht herzlich grüßt Sie, Ihre auf baldige Antwort wartende Elisabeth Reußmann
Bitte, schicken Sie Ihren Brief nach London.

Ben Rhydding, Montag (Brief): KAH in München

Ben Rhydding, den 6. April 1931.
Lieber Herr Hartmann!
Endlich habe ich wieder einmal Freiheit im Schreiben, das ist auch der Grund, warum ich meine Osterwünsche so weit hinausschob. Sie sind aber deshalb trotzdem so herzlich gemeint, als ich sie nur wünschen kann. Sagen Sie bitte auch Ihrer Frau Mutter und Brüdern meine frohsten Wünsche, doch sende ich Ihnen ganz besonders innige Ostern nach Deutschland hinüber. Für Ihren lieben Brief herzlichen Dank. Es freut mich, daß Sie mit Ihrer Kunst so viel zu tun haben, Arbeit hilft über schwere Stunden und trübe Gedanken am besten weg. Besonders neues schöpfen in Musik! Wie Sie ja schon hörten bin ich während der Osterferien in Mittelengland bei einer reizenden Familie. Ich fühle mich hier restlos glücklich und freue mich besonders über die neugewonnene Freiheit. Seit langer Zeit, seit fast 7 Monaten kann ich wieder einmal tun was ich will. Das soll aber nicht heißen, daß ich nicht gern im Convent bin, ich sehe vollkommen ein, daß in einem Institut, wo so viele Mädels sind, eine bestimmte Tagesordnung eingehalten werden muß. Uns Ausländerinnen ist sowieso viel mehr Freiheit gegeben und ich tue oft etwas ohne zu fragen, was sich kein englisches Mädel erlauben dürfte. Aber doch fühle ich manchmal den Zwang. Ich hätte vor Freude hüpfen können, als ich allein im Zuge hierher war. Hier ist es herrlich. Ich bin auf dem Land, auf London hin ein unschätzbares Vergnügen. Es ist hier herrliche Luft, und Hügelland. Wunderbare Gelegenheit zu Spaziergängen und es macht mir größtes Vergnügen zwischen den Felsblöcken herumzusteigen oder auf den Waldwegen zu gehen. Eben höre ich durch das Radio, Martha an, aus Heidelberg. Das Radio hier ist für mich hier eine andere Freude, ich höre viel Deutschland, heute hörte ich sogar schon München, die Meistersinger. Es ist eine Erholung deutsche Musik zu hören, englische ist nämlich miserabel schlecht. Sogar die große Oper ist nichts wert. Wenn Sie das hörten, würden Sie wohl über die deutsche Musik nicht so scharf kritisieren. Ich habe eine Bitte. Bitte schreiben Sie nicht, „München schläft weiter“ ich weiß wie es gemeint ist, doch die Engländer haben große Achtung vor deutscher Musik und ich möchte nicht, daß uns das auch noch genommen wird. Sie sind doch nicht bös, wenn ich Sie darum bitte? Ich mußte mich hier an recht viel gewöhnen und muß oft und oft etwas gegen Deutschland hören und lesen. Das tut manchmal weh. Je länger ich hier bin, desto lieber mag ich mein Vaterland und desto weniger mag ich die Engländer. Der Deutsche ist in jeglicher Hinsicht edler und feiner und auch jetzt noch ein gesünderes Volk. Erst im Ausland kann man seine guten Seiten richtig erkennen und man fühlt da erst wie sehr man an seinem Vaterland hängt. Das Schlimmste ist, daß man sich in englischer Sprache nicht verteidigen kann und immer ruhig sein muß. Doch jetzt genug von dem. Es sind nur noch 4½ Monate bis zu meiner Heimreise und hoffe und freue mich aufrichtig auf ein fröhliches Wiedersehen. Bitte machen Sie ja keine Bemerkung über alles was ich schrieb, es ist zu ekelhaft, daß uns alles gelesen wird. Doch konnte ich wenigstens einmal ehrlich schreiben was ich meinte. Meine Prüfung rückt immer näher heran, nächstes term muß ich richtig ochsen, halten Sie mir bitte den Daumen, daß ich nicht durchfliege. Die Schwestern sind hier alle eine netter wie die andere und tun alles um den Ausländerinnen ein Heim zu ersetzen. Das Wetter ist z. z. verhältnismäßig kalt und bei meiner Reise hierher regnete es stark so, daß die englische Landschaft ziemlich düster aussah. Jetzt muß ich schließen. Eben höre ich eine schöne Sonate von Schubert. O, Musik! Recht herzlich grüßt Sie, Ihre auf baldige Antwort wartende Elisabeth Reußmann
Bitte, schicken Sie Ihren Brief nach London.

(P: Winterthur), Samstag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Mein Lieb!
Wie immer gut angekommen, mit viel Liebe bei Klemm aufgenommen. Morgen fahre ich mit Sch. nach Genf bin bis Dienstag wieder zurück. Bleib mir nur gesund; und schone Dich hier ist’s ruhig und schön. Mache Dir es schön. Ist mein Richard lieb –
Grüße bitte Adolf. Dir alles Liebe Immer Dein Kl.

(P: Winterthur), Samstag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Mein Lieb!
Wie immer gut angekommen, mit viel Liebe bei Klemm aufgenommen. Morgen fahre ich mit Sch. nach Genf bin bis Dienstag wieder zurück. Bleib mir nur gesund; und schone Dich hier ist’s ruhig und schön. Mache Dir es schön. Ist mein Richard lieb –
Grüße bitte Adolf. Dir alles Liebe Immer Dein Kl.

München (Brief): E.R. in Hampstead

Mein liebes Fräulein Elisabeth
Dank, tausend Dank für Ihren lieben Brief. Meine Arbeit hielt mich davon ab, Ihnen näheres über mein Ich zu schreiben. Aber ganz bestimmt, in den nächsten Tagen, werde ich Ihnen, geliebtes Fräulein Elisabeth Stunden dazu widmen. Ich habe so viel zu schreiben, ich komme mir vor wie eine Komponier-Maschine, dann noch die vielen Proben. Wie war es in Mittelengland? Hatten Sie schönes Wetter.
Ich grüße Sie tausendmal. Ein herzliches Lebewohl
von Ihrem sehr ergebenen Karl A. Hartmann

München (Brief): E.R. in Hampstead

Mein liebes Fräulein Elisabeth
Dank, tausend Dank für Ihren lieben Brief. Meine Arbeit hielt mich davon ab, Ihnen näheres über mein Ich zu schreiben. Aber ganz bestimmt, in den nächsten Tagen, werde ich Ihnen, geliebtes Fräulein Elisabeth Stunden dazu widmen. Ich habe so viel zu schreiben, ich komme mir vor wie eine Komponier-Maschine, dann noch die vielen Proben. Wie war es in Mittelengland? Hatten Sie schönes Wetter.
Ich grüße Sie tausendmal. Ein herzliches Lebewohl
von Ihrem sehr ergebenen Karl A. Hartmann