München, Sonntag (Brief): E.R. in München

Mein liebster Karl!
Heute traf ich Adolf, der mir nun über Dein dortiges Leben und Treiben mehr erzählte. Ich bin froh, daß Du Dich dort endlich etwas mehr eingewöhnt hast. Jetzt kommen ja so viel Persönlichkeiten dorthin, da wirst Du dann auch mehr haben. Ich bin so froh, daß es nun interessanter dort wird, sonst wäre es für Dich ja entsetzlich geworden. Sei nur etwas aufdringlicher, Du bist immer zu bescheiden. Die „Stimmen von Casella“ gingen Donnerstag ab u. die „Motette für Chor“ u. „Antigone“ gingen Samstag ab. Das hat sich etwas verzögert, weil man noch Deckel für die Rolle machen mußte. Papa meinte anders eingepackt würden sie zu leicht zerrissen werden. Hoffentlich machen sie gewellt nichts aus. Der Antigone legte ich auch noch eine Kritik über Egk im Völk. Beobachter bei. Sie ist sehr interessant. Hoffentlich kommt alles gut an. Schreibe lieber selbst noch einmal Donderer, daß er ja nichts versäumt. An Deiner Stelle würde ich immerhin sorgen, daß notfalls ein anderes Stück aufgeführt werden könnte. Spreche hierüber einmal mit Scherchen. Er ist ein großer Schlawiner. An Balanverlag schrieb ich auch. Adolf sagte de Witt sei gestern dagewesen, man bräuchte also Deinen Brief nicht fortschicken. Ich hoffe ich habe jetzt alles bestens erledigt. Diese Woche war ein arger Trubel. Ein Vetter von Mama war da, dessen Tochter z. Z. hier ist, es war Stiftungsfest von seiner Verbindung. Der kam nun öfters. Ich sollte auch mitgehen zu den Tanzveranstaltungen, habe aber natürlich entschieden abgelehnt. Am Donnerstag Abend waren wir dann zusammen noch bei Lisl Karstadt u. Karl Valentin u. hernach im Luitpold. Karl Valentin habe ich das erste mal gesehen. Ich kann aber überhaupt mit dieser Art nichts anfangen. Ich mag einfach diese Komiker nicht. Freitag waren wir dann in Freising. Mama holte Eier ab in Landshut! Samstag kam ein Jugendfreund von Mama mit seiner Frau aus Stuttgart. – „Keine Angst, sein Bub ist erst 12 Jahre.“ Ich bin so froh, wenn jetzt wieder einmal Ruhe ist. Nur Dich möchte ich bei mir haben, sonst gar nichts. Mein Karl, ich habe so furchtbar Sehnsucht nach Dir. Es ist mir den ganzen Tag als müßte ich etwas suchen, was ich verloren habe. Doch sei Du froh, glücklicherweise gibt es ein Wiedersehen, dann ist alles auszuhalten. Ich hab Dich so lieb. Ach Gott – man kann ja in Briefen nichts sagen – so leicht entstehen Mißverständnisse, oder es wirkt kalt, oder es ist irgendetwas anderes. Doch wir kennen uns ja so gut, daß Worte unnötig sind. Ich küsse Dich heiß und bleibe Deine Elisabeth.
Ich weiß nicht, ob Dich etwas aus den Rundfunknachrichten interessiert. Auf jeden Fall lege ich sie einmal bei: Es erscheint jetzt in d. M. N. N. gar keine Musik-Rundschau mehr. Hast [Du] meine ganze Post bekommen? Nochmals alles liebe von Elisabeth.

München, Sonntag (Brief): E.R. in München

Mein liebster Karl!
Heute traf ich Adolf, der mir nun über Dein dortiges Leben und Treiben mehr erzählte. Ich bin froh, daß Du Dich dort endlich etwas mehr eingewöhnt hast. Jetzt kommen ja so viel Persönlichkeiten dorthin, da wirst Du dann auch mehr haben. Ich bin so froh, daß es nun interessanter dort wird, sonst wäre es für Dich ja entsetzlich geworden. Sei nur etwas aufdringlicher, Du bist immer zu bescheiden. Die „Stimmen von Casella“ gingen Donnerstag ab u. die „Motette für Chor“ u. „Antigone“ gingen Samstag ab. Das hat sich etwas verzögert, weil man noch Deckel für die Rolle machen mußte. Papa meinte anders eingepackt würden sie zu leicht zerrissen werden. Hoffentlich machen sie gewellt nichts aus. Der Antigone legte ich auch noch eine Kritik über Egk im Völk. Beobachter bei. Sie ist sehr interessant. Hoffentlich kommt alles gut an. Schreibe lieber selbst noch einmal Donderer, daß er ja nichts versäumt. An Deiner Stelle würde ich immerhin sorgen, daß notfalls ein anderes Stück aufgeführt werden könnte. Spreche hierüber einmal mit Scherchen. Er ist ein großer Schlawiner. An Balanverlag schrieb ich auch. Adolf sagte de Witt sei gestern dagewesen, man bräuchte also Deinen Brief nicht fortschicken. Ich hoffe ich habe jetzt alles bestens erledigt. Diese Woche war ein arger Trubel. Ein Vetter von Mama war da, dessen Tochter z. Z. hier ist, es war Stiftungsfest von seiner Verbindung. Der kam nun öfters. Ich sollte auch mitgehen zu den Tanzveranstaltungen, habe aber natürlich entschieden abgelehnt. Am Donnerstag Abend waren wir dann zusammen noch bei Lisl Karstadt u. Karl Valentin u. hernach im Luitpold. Karl Valentin habe ich das erste mal gesehen. Ich kann aber überhaupt mit dieser Art nichts anfangen. Ich mag einfach diese Komiker nicht. Freitag waren wir dann in Freising. Mama holte Eier ab in Landshut! Samstag kam ein Jugendfreund von Mama mit seiner Frau aus Stuttgart. – „Keine Angst, sein Bub ist erst 12 Jahre.“ Ich bin so froh, wenn jetzt wieder einmal Ruhe ist. Nur Dich möchte ich bei mir haben, sonst gar nichts. Mein Karl, ich habe so furchtbar Sehnsucht nach Dir. Es ist mir den ganzen Tag als müßte ich etwas suchen, was ich verloren habe. Doch sei Du froh, glücklicherweise gibt es ein Wiedersehen, dann ist alles auszuhalten. Ich hab Dich so lieb. Ach Gott – man kann ja in Briefen nichts sagen – so leicht entstehen Mißverständnisse, oder es wirkt kalt, oder es ist irgendetwas anderes. Doch wir kennen uns ja so gut, daß Worte unnötig sind. Ich küsse Dich heiß und bleibe Deine Elisabeth.
Ich weiß nicht, ob Dich etwas aus den Rundfunknachrichten interessiert. Auf jeden Fall lege ich sie einmal bei: Es erscheint jetzt in d. M. N. N. gar keine Musik-Rundschau mehr. Hast [Du] meine ganze Post bekommen? Nochmals alles liebe von Elisabeth.

(P: Strasbourg), Samstag (Karte): E.R. in München (K: 23)

Meine Liebe.
Sei mir nicht böse, wenn ich wenig schreibe, doch die Arbeit wird jetzt immer mehr – jetzt muß ich noch einen Bühnen-Inspitienten [sic] machen. Eine ganz heiße Arbeit. Eine Arbeit die nur von Regisseuren gemacht wird. Morgen werde ich Dir einen Brief schreiben. Allmählich wird es immer interessanter.
Bleib gesund und grüße Vater herzlichst. Ich bleibe Dein Karl.

(P: Strasbourg), Samstag (Karte): E.R. in München (K: 23)

Meine Liebe.
Sei mir nicht böse, wenn ich wenig schreibe, doch die Arbeit wird jetzt immer mehr – jetzt muß ich noch einen Bühnen-Inspitienten [sic] machen. Eine ganz heiße Arbeit. Eine Arbeit die nur von Regisseuren gemacht wird. Morgen werde ich Dir einen Brief schreiben. Allmählich wird es immer interessanter.
Bleib gesund und grüße Vater herzlichst. Ich bleibe Dein Karl.

(P: Freising), Freitag (Karte): KAH in Straßburg (Hummel)

Mein lieber Karl!
Kam soeben hierher u. schreibe vom Schwimmbad aus, ich fuhr gar nicht erst zur Wohnung. Gestern gingen Deine Stimmen von Casella ab, die Antigone folgt morgen, weil d. Paket zu schwer geworden wäre. Richard sieht gut aus, er erzählte mir, daß Adolf schon bei Dir sei. Bis jetzt schrieb ich Dir 3 Briefe u. 4 Karten, hast Du alles bekommen.
Für heute sei herzlichst gegrüßt von Deiner Elisabeth.
Auch Grüße an Adolf.

(P: Freising), Freitag (Karte): KAH in Straßburg (Hummel)

Mein lieber Karl!
Kam soeben hierher u. schreibe vom Schwimmbad aus, ich fuhr gar nicht erst zur Wohnung. Gestern gingen Deine Stimmen von Casella ab, die Antigone folgt morgen, weil d. Paket zu schwer geworden wäre. Richard sieht gut aus, er erzählte mir, daß Adolf schon bei Dir sei. Bis jetzt schrieb ich Dir 3 Briefe u. 4 Karten, hast Du alles bekommen.
Für heute sei herzlichst gegrüßt von Deiner Elisabeth.
Auch Grüße an Adolf.

München, Donnerstag (Briefkarte): KAH in Straßburg

Mein geliebter Karl!
Gefällt es Dir dort denn so wenig? Das tut mir wirklich leid. Wie ist Scherchen? Ist er so nett wie früher? Das würde mich sehr interessieren. Heute noch werde ich an den Balanverlag schreiben und Deine Sachen gehen auch noch heute ab. Hoffentlich kommt alles gut an. Wenn es sich um Dich und Deine Angelegenheiten handelt bin ich immer sehr ängstlich. Gut, daß Adolf bald kommt, dann bist Du nicht so alleine. Vielleicht interessieren Dich die neuen Verordnungen, die ich Dir beilege. Kommst Du jetzt dazu ein Ballet zu schreiben oder hast Du es für München vor? Hast Du schon viel mit Sch. privat gesprochen? All das würde ich gerne wissen. Morgen fahre ich für einen Tag nach Freising, weil Mama nach Landshut fährt. Kann sein, daß ich nach Bayreuth zu einem Festspiel fahre, man bekommt einige Karten um 10 M u. freie Fahrt. Ich weiß nur nicht, ob sie nicht schon vergeben sind, weil es nicht viele davon gibt. Scheinbar ist d. Theater so wenig gefüllt, daß man [Karten] beinahe umsonst bekommen kann.
Mein Karl, ich habe so Sehnsucht nach Dir. Alles ist leer u. einsam um mich hier. Wie freue ich mich auf unser Wiedersehen!!! Sei tausendmal umarmt u. geküßt von Deiner Dich heißliebenden Elisabeth.

München, Donnerstag (Briefkarte): KAH in Straßburg

Mein geliebter Karl!
Gefällt es Dir dort denn so wenig? Das tut mir wirklich leid. Wie ist Scherchen? Ist er so nett wie früher? Das würde mich sehr interessieren. Heute noch werde ich an den Balanverlag schreiben und Deine Sachen gehen auch noch heute ab. Hoffentlich kommt alles gut an. Wenn es sich um Dich und Deine Angelegenheiten handelt bin ich immer sehr ängstlich. Gut, daß Adolf bald kommt, dann bist Du nicht so alleine. Vielleicht interessieren Dich die neuen Verordnungen, die ich Dir beilege. Kommst Du jetzt dazu ein Ballet zu schreiben oder hast Du es für München vor? Hast Du schon viel mit Sch. privat gesprochen? All das würde ich gerne wissen. Morgen fahre ich für einen Tag nach Freising, weil Mama nach Landshut fährt. Kann sein, daß ich nach Bayreuth zu einem Festspiel fahre, man bekommt einige Karten um 10 M u. freie Fahrt. Ich weiß nur nicht, ob sie nicht schon vergeben sind, weil es nicht viele davon gibt. Scheinbar ist d. Theater so wenig gefüllt, daß man [Karten] beinahe umsonst bekommen kann.
Mein Karl, ich habe so Sehnsucht nach Dir. Alles ist leer u. einsam um mich hier. Wie freue ich mich auf unser Wiedersehen!!! Sei tausendmal umarmt u. geküßt von Deiner Dich heißliebenden Elisabeth.

(P: Strasbourg), Sonntag (Brief mit Umschlag): E.R. in München (K: 23)

Meine liebe Elisabeth. Mein Liebste.
Nun es gäbe allerhand zu erzählen. Der große Eindruck: Ich bin sehr enttäuscht.
Doch ich möchte vorsichtig sein – vielleicht bin ich schuld daran? Kann leicht sein – ich lebe zur Zeit in einer großen Depression. – Ich muß arbeiten – ja ich muß arbeiten. Scherchen will das Fest groß aufziehen. Gestern kam Wladimir Vogel – Bartok kommt ebenfalls. Ich glaube bestimmt – das eigentliche Fest wird grandios – also 7 − 16 August. Aber dann gleich nach München – rasch – – – –
Die Arbeitszeit ist von 8 h – 1 h von 2 h – 6 h von 8 h – 11 h – also 12 Stunden pro Tag. Jeder bekommt ein Referat: ich habe 1.) Neue Möglichkeiten – und Spielmöglichkeiten der Blechblasinstrumente – 2.) Tempoanalyse bei der klassischen Musik! Es kommt jetzt aber darauf an – wie das gemacht werden soll. Scherchen arbeitet wie toll. Die Menschen – bzw. die Schüler 99 prozent unangenehm. Mehr will ich bis jetzt nicht schreiben über diese Angelegenheit.
Straßburg selbst Teuer! Teuer! Teuer! Zum Beispiel – ich such ein Zimmer – 300 Fr. 400 Fr. Nein – ich gehe – ich gehe in das Studentenheim – nein Deutsche nehmen sie nicht. – Erst gestern abend bekam ich ein Zimmer – 300 Fr. Aussicht in alten Hof nichts bedeutendes – aber sehr reinlich. Heute Sonntag ziehe ich ein – zwei Nächte mußte ich im Hotel übernachten – das Essen – durchschnittlich 9 – 10 – 12 Fr. – also 1.50 M – 1.70 – 2 M irrsinnig!!!
Meine Noten sind gefunden worden. Ich freue mich riesig auf die Konzerte. Sind nicht viel deutsche Komponisten zur Aufführung. Schicke mir meine Partitur „Antigone“ und „Motette für Chor“ – allerdings liegt die bei uns zu haus auf dem Flügel – oder Grammophon – oder auf dem kleinen Regal. Ist keine Reinschrift – also die ganzen Blätter nimm. Gell viel Arbeit – Mein Lieb!!
Ich wohne Fischerstaden – No 8 bei Frau Hummel
Oh Elisabeth wie schön ist’s bei Dir
Meine Arme lege ich um Dich und küsse Dich inniglich Dein Karl.
Bald schreibe ich Dir – schau mal nach wie es Richard geht. Mutter soll mir schreiben!!!!!!!! Grüße Vater herzlichst von mir. Ich lege Dir 2 Zeitungsausschnitte bei, schicke einen an Erika Schraube, Agnes Bernauerstraße 103 (steht im Telefon-buch)
Fischerstaden − No 8 bei Frau Hummel

(P: Strasbourg), Sonntag (Brief mit Umschlag): E.R. in München (K: 23)

Meine liebe Elisabeth. Mein Liebste.
Nun es gäbe allerhand zu erzählen. Der große Eindruck: Ich bin sehr enttäuscht.
Doch ich möchte vorsichtig sein – vielleicht bin ich schuld daran? Kann leicht sein – ich lebe zur Zeit in einer großen Depression. – Ich muß arbeiten – ja ich muß arbeiten. Scherchen will das Fest groß aufziehen. Gestern kam Wladimir Vogel – Bartok kommt ebenfalls. Ich glaube bestimmt – das eigentliche Fest wird grandios – also 7 − 16 August. Aber dann gleich nach München – rasch – – – –
Die Arbeitszeit ist von 8 h – 1 h von 2 h – 6 h von 8 h – 11 h – also 12 Stunden pro Tag. Jeder bekommt ein Referat: ich habe 1.) Neue Möglichkeiten – und Spielmöglichkeiten der Blechblasinstrumente – 2.) Tempoanalyse bei der klassischen Musik! Es kommt jetzt aber darauf an – wie das gemacht werden soll. Scherchen arbeitet wie toll. Die Menschen – bzw. die Schüler 99 prozent unangenehm. Mehr will ich bis jetzt nicht schreiben über diese Angelegenheit.
Straßburg selbst Teuer! Teuer! Teuer! Zum Beispiel – ich such ein Zimmer – 300 Fr. 400 Fr. Nein – ich gehe – ich gehe in das Studentenheim – nein Deutsche nehmen sie nicht. – Erst gestern abend bekam ich ein Zimmer – 300 Fr. Aussicht in alten Hof nichts bedeutendes – aber sehr reinlich. Heute Sonntag ziehe ich ein – zwei Nächte mußte ich im Hotel übernachten – das Essen – durchschnittlich 9 – 10 – 12 Fr. – also 1.50 M – 1.70 – 2 M irrsinnig!!!
Meine Noten sind gefunden worden. Ich freue mich riesig auf die Konzerte. Sind nicht viel deutsche Komponisten zur Aufführung. Schicke mir meine Partitur „Antigone“ und „Motette für Chor“ – allerdings liegt die bei uns zu haus auf dem Flügel – oder Grammophon – oder auf dem kleinen Regal. Ist keine Reinschrift – also die ganzen Blätter nimm. Gell viel Arbeit – Mein Lieb!!
Ich wohne Fischerstaden – No 8 bei Frau Hummel
Oh Elisabeth wie schön ist’s bei Dir
Meine Arme lege ich um Dich und küsse Dich inniglich Dein Karl.
Bald schreibe ich Dir – schau mal nach wie es Richard geht. Mutter soll mir schreiben!!!!!!!! Grüße Vater herzlichst von mir. Ich lege Dir 2 Zeitungsausschnitte bei, schicke einen an Erika Schraube, Agnes Bernauerstraße 103 (steht im Telefon-buch)
Fischerstaden − No 8 bei Frau Hummel

(P: Winterthur), Dienstag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Winterthur, den 25. X. 1938.
Liebe Elisabeth!
Gestern war ich in der Probe. Er dirigierte. Ich hörte zu. Plötzlich drehte er sich unterm dirigieren um und sah mich schon. Er arbeitete weiter. Am Schluss drehte er sich nochmals um. Dann blieb er noch eine Zeitlang oben, ich ging langsam vor. Wie so ziemlich alles fort war, begrüsste er mich, frug ob das Stück im Saal klingen würde (Reger „Sinfoniet[t]a“) unterhielten uns nur über Reger, begleitete ihn zum Hotel. Er kam dann, er lud mich ein zum Bier und Wein. Sprachen über die letzten Tage. Dann gingen wir bis 2 Uhr nachts spazieren – genau so wie früher. Genau so – so – ich kam mir vor als Liebespaar, das im Zwist lag und nun wieder sich liebte –
Dein treuer und aufrichtiger Karl.
Von bzw. für Adolf liegt schon ein Brief von der Bank da, das Geld ist schon überwiesen. Was machen meine Drucke. Was macht „Nijinsky“.

(P: Winterthur), Dienstag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Winterthur, den 25. X. 1938.
Liebe Elisabeth!
Gestern war ich in der Probe. Er dirigierte. Ich hörte zu. Plötzlich drehte er sich unterm dirigieren um und sah mich schon. Er arbeitete weiter. Am Schluss drehte er sich nochmals um. Dann blieb er noch eine Zeitlang oben, ich ging langsam vor. Wie so ziemlich alles fort war, begrüsste er mich, frug ob das Stück im Saal klingen würde (Reger „Sinfoniet[t]a“) unterhielten uns nur über Reger, begleitete ihn zum Hotel. Er kam dann, er lud mich ein zum Bier und Wein. Sprachen über die letzten Tage. Dann gingen wir bis 2 Uhr nachts spazieren – genau so wie früher. Genau so – so – ich kam mir vor als Liebespaar, das im Zwist lag und nun wieder sich liebte –
Dein treuer und aufrichtiger Karl.
Von bzw. für Adolf liegt schon ein Brief von der Bank da, das Geld ist schon überwiesen. Was machen meine Drucke. Was macht „Nijinsky“.

(P: München), Mittwoch (Karte): KAH in Straßburg (Hummel)

Mein lieber Karl!
Heute kam noch keine Nachricht von Dir. Hoffentlich bist Du gesund wohl auf! Heute früh rief Richard an, es geht ihm gut, er beschwerte sich, weil Du weder ihm noch Mutter geschrieben hättest. Abends hole ich Deine Sachen bei ihm ab. Heute Nachmittag fahren wir nach Starnberg zum baden, mit einer ungarischen Studentin, die Mama wieder einmal in der Universität aufgegabelt hat. Es ist hier wieder sehr heiß, hoffentlich ist es bei euch besser, sonst tust Du Dir im arbeiten so schwer. Deine Uhr habe ich heute abgeholt, jetzt ist es aber zu spät. Sonst gibt es nichts neues. Laß es Dir gut gehen, komme vor Überanstrengung nicht krank heim.
Sei herzlichst gegrüßt u. geküßt von Deiner Elisabeth.

(P: München), Mittwoch (Karte): KAH in Straßburg (Hummel)

Mein lieber Karl!
Heute kam noch keine Nachricht von Dir. Hoffentlich bist Du gesund wohl auf! Heute früh rief Richard an, es geht ihm gut, er beschwerte sich, weil Du weder ihm noch Mutter geschrieben hättest. Abends hole ich Deine Sachen bei ihm ab. Heute Nachmittag fahren wir nach Starnberg zum baden, mit einer ungarischen Studentin, die Mama wieder einmal in der Universität aufgegabelt hat. Es ist hier wieder sehr heiß, hoffentlich ist es bei euch besser, sonst tust Du Dir im arbeiten so schwer. Deine Uhr habe ich heute abgeholt, jetzt ist es aber zu spät. Sonst gibt es nichts neues. Laß es Dir gut gehen, komme vor Überanstrengung nicht krank heim.
Sei herzlichst gegrüßt u. geküßt von Deiner Elisabeth.

München, Dienstag (Brief): KAH in Straßburg

München, d. 18. Juli 33.
Mein lieber, guter Karl!
Von ganzem Herzen wünsche ich Dir, daß Du Dich besser eingewöhnt hast!! Gut, daß Ihr 12 Stunden arbeiten müßt, dann hast Du nicht viel Zeit zum nachdenken. O, sei fröhlich, alles andere hat ja keinen Sinn. Auch ich weiß nur allzu gut, wie schwer einem oft ist, da hilft dann auch kein Trost und keine Aufheiterung. Und doch muß man sich zusammennehmen sonst wird es immer schlimmer. Mein Karl, immer mehr fühle ich, wie ich Dich liebe, wie ich mit Deinen Gedanken und Deinem Ich verbunden bin, ohne Dich könnte ich nicht leben. Trotz allem bin ich jetzt so glücklich wie nie zuvor. Hoffentlich hast Du meine Post bekommen. Papa behauptete gestern meine „Kl“ könnte man in Frankreich nicht lesen. Gestern schrieb ich Richard sofort, er solle mich heute anrufen, hörte aber bis jetzt noch nichts von ihm. Hoffentlich finden sich alle Deine Sachen, ich schicke sie ab sobald ich alles habe. Papa meint, ich müsse sie in einer Rolle schicken, da sie sonst leicht verbogen od. zerrissen werden könnten. Heute schickte ich die Tanzsuite von Riisager ab. Soll ich Donderer nichts mehr ausrichten? Daß er ja nicht zu spät dorthin kommt!! Wenn Du noch Geld brauchst, schreibe es rechtzeitig, damit [Du] nichts entbehren mußt. Ich verstehe nicht, wie Sch. schreiben konnte, Du könntest ein Zimmer um so u. soviel haben, wenn er gar keines bereit hatte. Bitte spare dort nicht zu viel, Du sollst es schön haben. Auf Dein Konzert freue ich mich auch sehr. Heute war ich in den Juryfreien, die Ausstellung ist, nach meinem Ermessen, sehr schön, schöner als die letzte. Auch Adolfs Bilder machen sich außerordentlich gut. Ich lese z. Z. viel Bernard Shaw in englisch. Ich schätze ihn sehr. Ich muß viel lesen, um d. Zeit totzuschlagen, tue es allerdings auch sehr gern. Wenn ich Dich nur endlich einmal stärker unterstützen könnte! Nichts ist doch schöner als füreinander arbeiten. Ich hoffe nun, daß ich Dir Deine Sachen bald zuschicken kann, das geht nämlich nicht so einfach, weil Richard so selten zuhause ist. Nun mein lieber Karl, leb recht wohl für heute. Meine Gedanken sind fast den ganzen Tag bei Dir, was ich auch treibe. Ich küsse Dich u. bleibe Deine treue Elisabeth.

München, Dienstag (Brief): KAH in Straßburg

München, d. 18. Juli 33.
Mein lieber, guter Karl!
Von ganzem Herzen wünsche ich Dir, daß Du Dich besser eingewöhnt hast!! Gut, daß Ihr 12 Stunden arbeiten müßt, dann hast Du nicht viel Zeit zum nachdenken. O, sei fröhlich, alles andere hat ja keinen Sinn. Auch ich weiß nur allzu gut, wie schwer einem oft ist, da hilft dann auch kein Trost und keine Aufheiterung. Und doch muß man sich zusammennehmen sonst wird es immer schlimmer. Mein Karl, immer mehr fühle ich, wie ich Dich liebe, wie ich mit Deinen Gedanken und Deinem Ich verbunden bin, ohne Dich könnte ich nicht leben. Trotz allem bin ich jetzt so glücklich wie nie zuvor. Hoffentlich hast Du meine Post bekommen. Papa behauptete gestern meine „Kl“ könnte man in Frankreich nicht lesen. Gestern schrieb ich Richard sofort, er solle mich heute anrufen, hörte aber bis jetzt noch nichts von ihm. Hoffentlich finden sich alle Deine Sachen, ich schicke sie ab sobald ich alles habe. Papa meint, ich müsse sie in einer Rolle schicken, da sie sonst leicht verbogen od. zerrissen werden könnten. Heute schickte ich die Tanzsuite von Riisager ab. Soll ich Donderer nichts mehr ausrichten? Daß er ja nicht zu spät dorthin kommt!! Wenn Du noch Geld brauchst, schreibe es rechtzeitig, damit [Du] nichts entbehren mußt. Ich verstehe nicht, wie Sch. schreiben konnte, Du könntest ein Zimmer um so u. soviel haben, wenn er gar keines bereit hatte. Bitte spare dort nicht zu viel, Du sollst es schön haben. Auf Dein Konzert freue ich mich auch sehr. Heute war ich in den Juryfreien, die Ausstellung ist, nach meinem Ermessen, sehr schön, schöner als die letzte. Auch Adolfs Bilder machen sich außerordentlich gut. Ich lese z. Z. viel Bernard Shaw in englisch. Ich schätze ihn sehr. Ich muß viel lesen, um d. Zeit totzuschlagen, tue es allerdings auch sehr gern. Wenn ich Dich nur endlich einmal stärker unterstützen könnte! Nichts ist doch schöner als füreinander arbeiten. Ich hoffe nun, daß ich Dir Deine Sachen bald zuschicken kann, das geht nämlich nicht so einfach, weil Richard so selten zuhause ist. Nun mein lieber Karl, leb recht wohl für heute. Meine Gedanken sind fast den ganzen Tag bei Dir, was ich auch treibe. Ich küsse Dich u. bleibe Deine treue Elisabeth.

(P: München), Dienstag (Karte): KAH in Straßburg (bei Hummel)

Lieber Karl!
Herzlichen Dank für Deinen lb. Brief. Du weißt wie ich mich immer freue von Dir zu hören. Mit der Zeit wird es Dir dort immer besser gefallen. Hoffentlich hast Du meine Karte und d. Brief postlagernd bekommen. Morgen schreibe ich mehr. Lebe wohl, herzlichst grüßt dich Deine Elisabeth.

(P: München), Dienstag (Karte): KAH in Straßburg (bei Hummel)

Lieber Karl!
Herzlichen Dank für Deinen lb. Brief. Du weißt wie ich mich immer freue von Dir zu hören. Mit der Zeit wird es Dir dort immer besser gefallen. Hoffentlich hast Du meine Karte und d. Brief postlagernd bekommen. Morgen schreibe ich mehr. Lebe wohl, herzlichst grüßt dich Deine Elisabeth.

(P: Berchtesgaden, 23.10.1938), Samstag (Karte): KAH in Winterthur (Klemm)

d. 22. 10. 38.
Mein lieber Karl!
Wir sind Freitag hierher gefahren u. hatten bisher herrliches Wetter. Am Montag geht es wieder nach hause. Hoffentlich bist Du gut angekommen. Grüße bitte die liebe Familie Klemm herzlichst u. sei Du ganz besonders gegrüßt von Deiner Elisabeth.
Herzl. Gruß Papa [Hs. Alfred Reußmann]

(P: Berchtesgaden, 23.10.1938), Samstag (Karte): KAH in Winterthur (Klemm)

d. 22. 10. 38.
Mein lieber Karl!
Wir sind Freitag hierher gefahren u. hatten bisher herrliches Wetter. Am Montag geht es wieder nach hause. Hoffentlich bist Du gut angekommen. Grüße bitte die liebe Familie Klemm herzlichst u. sei Du ganz besonders gegrüßt von Deiner Elisabeth.
Herzl. Gruß Papa [Hs. Alfred Reußmann]