Alassio, Donnerstag (Briefpapier: Hotel Vittoria): KAH in München?

d. 1. 6. 39.

Mein lieber Karl!
Wie geht es Dir wohl. Hoffentlich erholst Dich jetzt recht, recht gut. Gehe viel an die Luft und schlafe. Vergiß nicht die Pillen zu nehmen. Du hast wirklich Erholung recht nötig.
Also, wir sind gut hier angekommen, allerdings mit fast 4 Std. Verspätung. Schlafen konnten wir nicht gut, da das ganze Coupée voll war, aber das machte nichts aus. Ich glaube, wir waren im ganzen Wagen die einzigen Nichtjuden.
Jetzt sind wir wieder vollständig eingewöhnt. Ich habe schon alle, mir so lieben Plätze wieder aufgesucht. Alassio ist schon unvergleichlich schön. Am Tage unserer Ankunft regnete es sehr stark, ebenso am anderen Tag in der früh, dann hellte es sich aber auf und die Sonne kam heraus. Heute ist es trüb, aber kein Regen. Ich habe heute zum erstenmal gebadet. Die Luft ist sehr, sehr mild, sogar wann keine Sonne scheint und es ist immer warm. Dem Richardle gefällt es außerordentlich gut, er spielt feste Sand. Auch Papa ist ruhiger als sonst, gestern Abend waren wir noch bei einem Delikateßschmaus. Langusten mit Sekt. Spottbillig! Das Essen hier ist auch ganz hervorragend. Es wäre schon schön für Dich, wenn Du auch hier sein könntest. Papa will heute (Donnerstag) in 14 Tagen abfahren. Nun, wir schreiben uns ja noch öfters. Mein lieber, lieber Karl, erhole Dich gut und werde gesund. Grüße Fritz mit Familie herzlichst von mir. Immer u. stets bleibe ich in liebem Gedenken an Dich, mein lieber Mann, Deine sehr treue Elisabeth.

Alassio, Donnerstag (Briefpapier: Hotel Vittoria): KAH in München?

d. 1. 6. 39.

Mein lieber Karl!
Wie geht es Dir wohl. Hoffentlich erholst Dich jetzt recht, recht gut. Gehe viel an die Luft und schlafe. Vergiß nicht die Pillen zu nehmen. Du hast wirklich Erholung recht nötig.
Also, wir sind gut hier angekommen, allerdings mit fast 4 Std. Verspätung. Schlafen konnten wir nicht gut, da das ganze Coupée voll war, aber das machte nichts aus. Ich glaube, wir waren im ganzen Wagen die einzigen Nichtjuden.
Jetzt sind wir wieder vollständig eingewöhnt. Ich habe schon alle, mir so lieben Plätze wieder aufgesucht. Alassio ist schon unvergleichlich schön. Am Tage unserer Ankunft regnete es sehr stark, ebenso am anderen Tag in der früh, dann hellte es sich aber auf und die Sonne kam heraus. Heute ist es trüb, aber kein Regen. Ich habe heute zum erstenmal gebadet. Die Luft ist sehr, sehr mild, sogar wann keine Sonne scheint und es ist immer warm. Dem Richardle gefällt es außerordentlich gut, er spielt feste Sand. Auch Papa ist ruhiger als sonst, gestern Abend waren wir noch bei einem Delikateßschmaus. Langusten mit Sekt. Spottbillig! Das Essen hier ist auch ganz hervorragend. Es wäre schon schön für Dich, wenn Du auch hier sein könntest. Papa will heute (Donnerstag) in 14 Tagen abfahren. Nun, wir schreiben uns ja noch öfters. Mein lieber, lieber Karl, erhole Dich gut und werde gesund. Grüße Fritz mit Familie herzlichst von mir. Immer u. stets bleibe ich in liebem Gedenken an Dich, mein lieber Mann, Deine sehr treue Elisabeth.

  • Date
  • 1 Jun 1939

Alassio, Montag (Brief): KAH in München

Alassio, den 3. Mai 37.
Mein lieber Karl!
Ich kann es kaum glauben, daß es schon wieder acht Tage her sind, seitdem ich München verließ. Die Zeit vergeht so furchtbar schnell. Uns geht es allen dreien gut. Mein Darm ist wieder ganz in Ordnung. Das macht das gute Essen hier mit der Ölkost. Auch sonst fühle ich mich schon bedeutend wohler. Ich liege den ganzen Vormittag von 9 h ab am Strand. Nach dem Essen lege ich mich wieder hin bis 4 h, dann gehen wir etwas spazieren. Es gibt hier schöne Spaziergänge, die Gegend ist ja so prachtvoll. Abends gehe ich um 9 h zu Bett. Mit dem Hotel bin ich sehr zufrieden. Die Gäste sind hier fast lauter Engländer, auch verschiedene Deutsche sind da. Allerdings weiß ich nicht, ob sie Österreicher sind. Der kl. Richard sieht von Tag zu Tag blühender aus. Er brauchte allerdings 3 Tage um sich zu akklimatisieren, doch jetzt ißt und schläft er sehr gut. Vom Sand ist er kaum mehr wegzubringen, doch bleibt er in 2 m Entfernung vom Wasser, scheinbar fürchtet er es. Nun mußt du mir aber einmal schreiben, wie es Dir geht. Ich schreibe Dir von nun an nur mehr Karten, weil das Porto zu viel kostet. Man braucht auf einer Reise doch immer mehr Geld als man meint. Besonders der Kleine braucht da etwas und da. Warst Du beim Zahnarzt? Esse immer genügend und lasse es Dir ja gut gehen. Bleibe mir nur gesund. Arbeite auch abends nicht zu lang, Du weißt das schadet den Nerven.
Für heute grüße und küsse ich Dich aufs herzlichste und bleibe immer Deine Elisabeth.

[Beiblatt]
Dieser Brief ist nur für meinen Karl! Meine Telefonnummer: 4147
Mein heißgeliebter Karl!
Wie geht es Dir wohl?! Ich denke so viel an Dich und wünschte Du wärest hier bei mir. Wie herrlich wäre es, zusammen alles schöne zu genießen. Was macht Deine Arbeit? Gerne würde ich das von Dir hören. Du weißt, mein ganzes Leben gehört nur Dir allein und so will ich auch an allem teilhaben, das Dich berührt. Bitte erhalte Dich für mich gesund. Ich brauche Dich ja so notwendig. Mir geht es bestimmt schon besser, ich will ja schon für Dich allein gesund werden und tue deshalb alles für meine gesundheitliche Besserung.
Hast Du Redlich und Rascher einmal angerufen? Vergiß das nicht. Hast Du schon Deinen neuen Mantel? Heize auch noch Dein Zimmer, damit Du Dich nicht erkältest. Fr. Hecht soll Dir eventuell kochen. Von Sepp habe ich noch keine Nachricht bekommen. Von Resi soll ich Dir Grüße ausrichten und Sie läßt Dir für Deine Zeilen danken.
Nun mein inniggeliebter Karl, lebe wohl, gute Nacht, meine Gedanken weilen immer bei meinem liebsten Mann, ich umarme u. küsse Dich tausendmal und bleibe immer nur Deine Elisabeth.

Alassio, Montag (Brief): KAH in München

Alassio, den 3. Mai 37.
Mein lieber Karl!
Ich kann es kaum glauben, daß es schon wieder acht Tage her sind, seitdem ich München verließ. Die Zeit vergeht so furchtbar schnell. Uns geht es allen dreien gut. Mein Darm ist wieder ganz in Ordnung. Das macht das gute Essen hier mit der Ölkost. Auch sonst fühle ich mich schon bedeutend wohler. Ich liege den ganzen Vormittag von 9 h ab am Strand. Nach dem Essen lege ich mich wieder hin bis 4 h, dann gehen wir etwas spazieren. Es gibt hier schöne Spaziergänge, die Gegend ist ja so prachtvoll. Abends gehe ich um 9 h zu Bett. Mit dem Hotel bin ich sehr zufrieden. Die Gäste sind hier fast lauter Engländer, auch verschiedene Deutsche sind da. Allerdings weiß ich nicht, ob sie Österreicher sind. Der kl. Richard sieht von Tag zu Tag blühender aus. Er brauchte allerdings 3 Tage um sich zu akklimatisieren, doch jetzt ißt und schläft er sehr gut. Vom Sand ist er kaum mehr wegzubringen, doch bleibt er in 2 m Entfernung vom Wasser, scheinbar fürchtet er es. Nun mußt du mir aber einmal schreiben, wie es Dir geht. Ich schreibe Dir von nun an nur mehr Karten, weil das Porto zu viel kostet. Man braucht auf einer Reise doch immer mehr Geld als man meint. Besonders der Kleine braucht da etwas und da. Warst Du beim Zahnarzt? Esse immer genügend und lasse es Dir ja gut gehen. Bleibe mir nur gesund. Arbeite auch abends nicht zu lang, Du weißt das schadet den Nerven.
Für heute grüße und küsse ich Dich aufs herzlichste und bleibe immer Deine Elisabeth.

[Beiblatt]
Dieser Brief ist nur für meinen Karl! Meine Telefonnummer: 4147
Mein heißgeliebter Karl!
Wie geht es Dir wohl?! Ich denke so viel an Dich und wünschte Du wärest hier bei mir. Wie herrlich wäre es, zusammen alles schöne zu genießen. Was macht Deine Arbeit? Gerne würde ich das von Dir hören. Du weißt, mein ganzes Leben gehört nur Dir allein und so will ich auch an allem teilhaben, das Dich berührt. Bitte erhalte Dich für mich gesund. Ich brauche Dich ja so notwendig. Mir geht es bestimmt schon besser, ich will ja schon für Dich allein gesund werden und tue deshalb alles für meine gesundheitliche Besserung.
Hast Du Redlich und Rascher einmal angerufen? Vergiß das nicht. Hast Du schon Deinen neuen Mantel? Heize auch noch Dein Zimmer, damit Du Dich nicht erkältest. Fr. Hecht soll Dir eventuell kochen. Von Sepp habe ich noch keine Nachricht bekommen. Von Resi soll ich Dir Grüße ausrichten und Sie läßt Dir für Deine Zeilen danken.
Nun mein inniggeliebter Karl, lebe wohl, gute Nacht, meine Gedanken weilen immer bei meinem liebsten Mann, ich umarme u. küsse Dich tausendmal und bleibe immer nur Deine Elisabeth.

  • Date
  • 3 May 1937

(P: Winterthur), (Klemm), Mittwoch (Karte): E.H. in München (W: 8)

Winterthur, 29. III. 39.

Liebe Elisabeth
Heute abend erhielt ich Deinen Brief. Ich danke Dir herzlichst dafür. Auch möchte ich Dir mitteilen, daß Klemm das Paket erhalten hat. Leider sind die Sachen = (Kleider) nicht mehr zu gebrauchen. Morgen mittag fahre ich nach Basel = zu Sacher.
Hoffentlich geht es Dir gesundheitlich gut. Mit den besten Grüßen Karl.

(P: Winterthur), (Klemm), Mittwoch (Karte): E.H. in München (W: 8)

Winterthur, 29. III. 39.

Liebe Elisabeth
Heute abend erhielt ich Deinen Brief. Ich danke Dir herzlichst dafür. Auch möchte ich Dir mitteilen, daß Klemm das Paket erhalten hat. Leider sind die Sachen = (Kleider) nicht mehr zu gebrauchen. Morgen mittag fahre ich nach Basel = zu Sacher.
Hoffentlich geht es Dir gesundheitlich gut. Mit den besten Grüßen Karl.

  • Date
  • 29 Mar 1938

(P: Alassio, 2.05.1937), Samstag (Karte): KAH in München (W: 8)

Lieber Karl!
Heute ist Samstag und noch keine Post ist da!! Was ist los? Wie lange muß ich noch umsonst zum Postamt laufen? Du weißt doch daß ich mich ängstige, wenn ich nichts von dir höre. Teile mir bitte bald mit, ob ich Willi T. schreiben soll. Gestern habe ich Heini Grüße geschickt. Uns geht es gut. Das Wetter ist gleich schön. Doch erwarte ich jetzt von Dir Post. Passe ja gut auf, wenn Du Montag etwas fort fährst.
Für heute alles Liebe von Deiner Dich liebenden treuen Elisabeth.

(P: Alassio, 2.05.1937), Samstag (Karte): KAH in München (W: 8)

Lieber Karl!
Heute ist Samstag und noch keine Post ist da!! Was ist los? Wie lange muß ich noch umsonst zum Postamt laufen? Du weißt doch daß ich mich ängstige, wenn ich nichts von dir höre. Teile mir bitte bald mit, ob ich Willi T. schreiben soll. Gestern habe ich Heini Grüße geschickt. Uns geht es gut. Das Wetter ist gleich schön. Doch erwarte ich jetzt von Dir Post. Passe ja gut auf, wenn Du Montag etwas fort fährst.
Für heute alles Liebe von Deiner Dich liebenden treuen Elisabeth.

  • Date
  • 1 May 1937

( P: Winterthur), Dienstag (Karte): E.H. in München (Königinstr. 31)

Winterthur 28. III. 39. Dienstag

Liebe Elisabeth!
Ich möchte Dir mitteilen, daß ich am Freitag den 7. April abends ½ 10 h ankomme in München. Hoffentlich gibt es ein gesundes Wiedersehn. Heute schreibe ich Dir noch einen Brief (kann auch morgen früh sein). Nun lebe wohl, sei Du und Richard wie auch Deine lieben Eltern aufs herzlichste gegrüßt, stets bin ich Dein Karl.

( P: Winterthur), Dienstag (Karte): E.H. in München (Königinstr. 31)

Winterthur 28. III. 39. Dienstag

Liebe Elisabeth!
Ich möchte Dir mitteilen, daß ich am Freitag den 7. April abends ½ 10 h ankomme in München. Hoffentlich gibt es ein gesundes Wiedersehn. Heute schreibe ich Dir noch einen Brief (kann auch morgen früh sein). Nun lebe wohl, sei Du und Richard wie auch Deine lieben Eltern aufs herzlichste gegrüßt, stets bin ich Dein Karl.

  • Date
  • 28 Mar 1938

(P: Zürich), Freitag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Liebe Elisabeth!

Ich habe viel zu tun, am Sonntag schreibe ich einen langen Brief. Morgen früh 9 h beim Verleger (Orell-Füssli) bestellt. Heute gehe ich noch zu einem (Rascher & Co.) Bleibt mir beide gesund. Ich bleibe stets Euer treuer Kl.
Grüßt alle! Pillen

(P: 23.03.1939, Bahnpost), Mittwoch (Brief mit Umschlag und Konzertkarte: Basler Kammerorchester, Hans Huber-Saal; Adresse: Straub, Zürich, Mainaustr. 18): E.H. in München (W: 8)

Basel, 22. III. 39.

Liebe Elisabeth, mein lieber kleiner Richard!
Heute war ich in Basel. Ich habe Sacher nach der Pause getroffen – eigentlich – richtig gesprochen habe ich ihn am Schluß nach dem Concert. (Nebenbei: das Orchester ist gut – er ist auch gut.)
Ich erzählte ihm daß ich mit dem Züricher Opernhaus verhandle wegen dem „Simpl“ – nun zeigt auch er interesse. (Natürlich nur konzertmäßig.) Das ist mir aber gleich. Nun soll ich ihn am Mittwoch anrufen (am 29. März) dann fahre ich mit Partitur und Klavierauszug am Donnerstag (30.) oder Freitag (31.) nochmals nach Basel und spiele ihm die Oper vor. Nun werden mehr möglichkeiten wahr. Natürlich werde ich Zürich nicht fallen lassen. Nur mit Scherchen muß ich vorsichtig sein, wird aber auch gehen.
Auf alle Fälle wäre mir Sacher lieber. 1. bestimmter und 2. ungefährlicher. Scherchen möchte gern in Zürich am Schauspielhaus probieren – also 3 Feuer – eines sollte eigentlich aushalten. Werden wir ja sehen. Ich habe sehr viel zu tun noch – sollte ich bis Ostern nicht fertig werden – dann bleibe ich bis Mai – aber dann mußt Du mich mal besuchen entweder – vor – oder Ostern oder nach Ostern. Meine Arbeit wird immer größer und immer schwieriger. Ich glaube, daß ich dieses Jahr alles fertig bekomme. Probleme – Symphonie und Konzerte. Hoffen wir daß ich dieses Jahr fertig werde.
Noch was neues: Scherchen – – dichtet – und Scherchen – – komponiert wieder. (Er hat mir 3 Gedichte (eins zum 55. Geburtstag für Werner Reinhardt) zum lesen gegeben. Gott sei Dank nichts zum komponieren. Er komponiert eine Sonate!!! für Klavier – Flöte, chinesische Trommel.) Es weiß aber niemand!
Zum Schluß, lebe wohl! Bleib gesund! (Pillen) Nimm Du, meine Liebe, und Du, mein lieber Bub meine allerliebsten Grüße und Küsse ich bin immer Dein Karl. Komm

(P: 23.03.1939, Bahnpost), Mittwoch (Brief mit Umschlag und Konzertkarte: Basler Kammerorchester, Hans Huber-Saal; Adresse: Straub, Zürich, Mainaustr. 18): E.H. in München (W: 8)

Basel, 22. III. 39.

Liebe Elisabeth, mein lieber kleiner Richard!
Heute war ich in Basel. Ich habe Sacher nach der Pause getroffen – eigentlich – richtig gesprochen habe ich ihn am Schluß nach dem Concert. (Nebenbei: das Orchester ist gut – er ist auch gut.)
Ich erzählte ihm daß ich mit dem Züricher Opernhaus verhandle wegen dem „Simpl“ – nun zeigt auch er interesse. (Natürlich nur konzertmäßig.) Das ist mir aber gleich. Nun soll ich ihn am Mittwoch anrufen (am 29. März) dann fahre ich mit Partitur und Klavierauszug am Donnerstag (30.) oder Freitag (31.) nochmals nach Basel und spiele ihm die Oper vor. Nun werden mehr möglichkeiten wahr. Natürlich werde ich Zürich nicht fallen lassen. Nur mit Scherchen muß ich vorsichtig sein, wird aber auch gehen.
Auf alle Fälle wäre mir Sacher lieber. 1. bestimmter und 2. ungefährlicher. Scherchen möchte gern in Zürich am Schauspielhaus probieren – also 3 Feuer – eines sollte eigentlich aushalten. Werden wir ja sehen. Ich habe sehr viel zu tun noch – sollte ich bis Ostern nicht fertig werden – dann bleibe ich bis Mai – aber dann mußt Du mich mal besuchen entweder – vor – oder Ostern oder nach Ostern. Meine Arbeit wird immer größer und immer schwieriger. Ich glaube, daß ich dieses Jahr alles fertig bekomme. Probleme – Symphonie und Konzerte. Hoffen wir daß ich dieses Jahr fertig werde.
Noch was neues: Scherchen – – dichtet – und Scherchen – – komponiert wieder. (Er hat mir 3 Gedichte (eins zum 55. Geburtstag für Werner Reinhardt) zum lesen gegeben. Gott sei Dank nichts zum komponieren. Er komponiert eine Sonate!!! für Klavier – Flöte, chinesische Trommel.) Es weiß aber niemand!
Zum Schluß, lebe wohl! Bleib gesund! (Pillen) Nimm Du, meine Liebe, und Du, mein lieber Bub meine allerliebsten Grüße und Küsse ich bin immer Dein Karl. Komm

  • Date
  • 22 Mar 1939

(P: München, 1.05.1937), Freitag (Brief mit Umschlag): E.H. in Alassio

München, 30. April (3).
Meine heißgeliebte Elisabeth!
Vor allem danke ich Dir für Deine Karte. Leider schreibe ich Dir keinen genauen Bericht, denn es ist 5/vor 1h nachts. Ich war mit Deinen Eltern im Kino, dann im Spatenhaus – da kam Adolf – und stell Dir vor – obs Dus glaubst oder nicht – Deine Mutter und Adolf haben sich so gut unterhalten, daß sie nicht merkten – daß es ¾1 h war. Was sagst Du nun! Mein Lieb – Dein Vater will auf alle Fälle den nächsten Brief von Dir, den Du mir schreibst, lesen!! Ich sage ihm Du hast mir noch keinen Brief geschrieben, bis Du mir einen schreibst (lege mir einen Zettel bei und schreibe drauf: lasse den Brief Vater lesen!!) Schreibe in diesem Brief wie es Dir geht!!
Mein Lieb, ich möchte folgendes wissen? Was macht der Darm? Deine Telefonnummer vom Hotel? Wie fühlst Du Dich? Wie geht es mit dem Essen? Was macht der Stuhl? Dein Herz? Wie ist Dein Befinden?
Bei mir ist alles beim Alten:
Am Dienstag war ich beim Scharl – am Mittwoch war ich von 7 h – bis 11¼ bei Deinen Leuten – (zuerst war der Herr Rebel – der einen fürchterlichen Unsinn sprach – da, dann unterhielten wir uns bis 11¼, dann ging ich nach hause – am Donnerstag arbeitete ich ebenfalls tagsüber, wie auch Mittwochs tagsüber – abends traf ich um 9¼ im Hotel Eden (am Bahnhof) mit Adolf Familie Pitsch (Berlin) auf der Durchreise nach Italien.
Heute wieder hatte ich gearbeitet – und um 7 h ging [ich] zu Deinen Leuten, gingen ins Kino, dann ins Spatenhaus!! Am Montag bekommst Du wieder Nachricht.
Ich habe nur einen Wunsch: erhole Dich! Werde gesund!! Ich freue mich mit Dir, daß es Dir gut geht und daß es Dir unserm Richard und Fräulein Resi gefällt – aber werde mir gesund und kräftig!
Vor mir steht Dein Bild und ein kleines Bildchen von unserm Buben auf dem Schreibtisch. Werde mir gesund! Stets gedenke ich nur Dein und stets bleibe ich Dein aufrichtiger und treuer Kamerad und Geliebter!
Mein Alles: mein einer Wunsch ist nur: werde gesund!
Am Montag schreibe ich wieder!
Ich küsse Dich innig und bleibe Dein Mann und Geliebter – Dein alles – Dein Karl!
Küsse meinen Buben! Fräulein Resi viel Vergnügen!
Vergiss nicht einen Brief, den Dein Vater lesen darf.

(P: München, 1.05.1937), Freitag (Brief mit Umschlag): E.H. in Alassio

München, 30. April (3).
Meine heißgeliebte Elisabeth!
Vor allem danke ich Dir für Deine Karte. Leider schreibe ich Dir keinen genauen Bericht, denn es ist 5/vor 1h nachts. Ich war mit Deinen Eltern im Kino, dann im Spatenhaus – da kam Adolf – und stell Dir vor – obs Dus glaubst oder nicht – Deine Mutter und Adolf haben sich so gut unterhalten, daß sie nicht merkten – daß es ¾1 h war. Was sagst Du nun! Mein Lieb – Dein Vater will auf alle Fälle den nächsten Brief von Dir, den Du mir schreibst, lesen!! Ich sage ihm Du hast mir noch keinen Brief geschrieben, bis Du mir einen schreibst (lege mir einen Zettel bei und schreibe drauf: lasse den Brief Vater lesen!!) Schreibe in diesem Brief wie es Dir geht!!
Mein Lieb, ich möchte folgendes wissen? Was macht der Darm? Deine Telefonnummer vom Hotel? Wie fühlst Du Dich? Wie geht es mit dem Essen? Was macht der Stuhl? Dein Herz? Wie ist Dein Befinden?
Bei mir ist alles beim Alten:
Am Dienstag war ich beim Scharl – am Mittwoch war ich von 7 h – bis 11¼ bei Deinen Leuten – (zuerst war der Herr Rebel – der einen fürchterlichen Unsinn sprach – da, dann unterhielten wir uns bis 11¼, dann ging ich nach hause – am Donnerstag arbeitete ich ebenfalls tagsüber, wie auch Mittwochs tagsüber – abends traf ich um 9¼ im Hotel Eden (am Bahnhof) mit Adolf Familie Pitsch (Berlin) auf der Durchreise nach Italien.
Heute wieder hatte ich gearbeitet – und um 7 h ging [ich] zu Deinen Leuten, gingen ins Kino, dann ins Spatenhaus!! Am Montag bekommst Du wieder Nachricht.
Ich habe nur einen Wunsch: erhole Dich! Werde gesund!! Ich freue mich mit Dir, daß es Dir gut geht und daß es Dir unserm Richard und Fräulein Resi gefällt – aber werde mir gesund und kräftig!
Vor mir steht Dein Bild und ein kleines Bildchen von unserm Buben auf dem Schreibtisch. Werde mir gesund! Stets gedenke ich nur Dein und stets bleibe ich Dein aufrichtiger und treuer Kamerad und Geliebter!
Mein Alles: mein einer Wunsch ist nur: werde gesund!
Am Montag schreibe ich wieder!
Ich küsse Dich innig und bleibe Dein Mann und Geliebter – Dein alles – Dein Karl!
Küsse meinen Buben! Fräulein Resi viel Vergnügen!
Vergiss nicht einen Brief, den Dein Vater lesen darf.

  • Date
  • 30 Apr 1937

Mittwoch (Brief): KAH in München

Alassio, den 28. April 1937.
Mein über alles geliebter Karl!
Hoffentlich bist du wohl auf und geht es dir gut. Ich denke so oft, mit so viel Liebe an Dich. Bitte erhalte Dich wohl für mich und denke immer, wie notwendig ich Dich brauche.
Nun will ich Dir einiges über mich schreiben. Die Reise verlief ganz gut. Mein Zustand hat sich nachts etwas gebessert und heute ist alles so gut wie in Ordnung. Wir waren bis ½ 8 h früh allein im Abteil, dann kamen für 2 Stunden 2 Damen, dann waren wir wieder allein. Das war natürlich sehr angenehm. Richard hat sich auf der Reise sehr gut aufgeführt, nur ist er bis heute sehr, sehr müde. Ich glaube das macht die Luftveränderung. Vom Sand ist er natürlich begeistert. Gleich das erste Hotel, das ich hier ansah sprach mir in allem so zu, daß ich gleich da blieb. Ich habe 2 nette ineinandergehende Zimmer. Beide haben Balkon mit Blick auf das Meer, fließ. warmes u. kaltes Wasser. Außerdem liegt das Hotel so nah am Strand, daß ich von der Terasse, auf der gefrühstückt wird nur 3 Stufen herunterzugehen brauche und bin am Strand. Das ist in jeder Beziehung sehr angenehm. Das Essen ist hervorragend. Z. B. Gestern Abend: Gemüsesuppe, Artischocken, Zunge mit Kartoffelpüree u. Erbsenpürrée, und Kompott: Heute Abend: Hühnersuppe, Lauchspeise, Huhn mit Kart. u. Salat, Karamelkrem. Mittags bleibt die Zwischenspeise aus, doch ist es auch sehr reichlich. – Hoffentlich knurrt gerade Dein Magen nicht, da hätte ich was schönes angestellt. − Die Pension kostet 35 l. Das Wetter ist herrlich. Strahlende Sonne. Alles blüht hier. Die Gegend ist einfach herrlich. Ich kann mich kaum satt sehen an der Vegetation und an dem Meer. Noch nie habe ich das alles so schön empfunden, wie diesmal. Ich glaube, das habe ich von Dir gelernt, mein bester Karl. Aber Moskitos gibt es auch schon. Die Gäste baden alle schon, doch ich warte noch etwas. Sage Adolf, daß ich heute den Platz, den er zweimal, in Aquarell u. in Öl gemalt hat, entdeckt habe. Ich habe ihn sofort wieder erkannt. Das rote Haus habe ich aber noch nicht gesehen. Freilichtkino soll es hier keines geben, sagte mir der hiesige Portier. Glücklicherweise sprechen hier im Hotel alle deutsch, darum bin ich froh. Jetzt habe ich Dir aber alles erzählt, was es in 2 Tagen neues geben kann. Mein liebster Karl, sei mir nicht böse, daß ich so viel schönes erleben darf, während Du nichts hast, ich wünschte jede Stunde, Dich bei mir zu haben. Bitte, bleibe mir, mein ganzes Leben bist ja du. Ich umarme Dich und bleibe mit tausend Küssen
Deine Dich so innig liebende Elisabeth.
Schreibe mir bald u. ausführlich.

Mittwoch (Brief): KAH in München

Alassio, den 28. April 1937.
Mein über alles geliebter Karl!
Hoffentlich bist du wohl auf und geht es dir gut. Ich denke so oft, mit so viel Liebe an Dich. Bitte erhalte Dich wohl für mich und denke immer, wie notwendig ich Dich brauche.
Nun will ich Dir einiges über mich schreiben. Die Reise verlief ganz gut. Mein Zustand hat sich nachts etwas gebessert und heute ist alles so gut wie in Ordnung. Wir waren bis ½ 8 h früh allein im Abteil, dann kamen für 2 Stunden 2 Damen, dann waren wir wieder allein. Das war natürlich sehr angenehm. Richard hat sich auf der Reise sehr gut aufgeführt, nur ist er bis heute sehr, sehr müde. Ich glaube das macht die Luftveränderung. Vom Sand ist er natürlich begeistert. Gleich das erste Hotel, das ich hier ansah sprach mir in allem so zu, daß ich gleich da blieb. Ich habe 2 nette ineinandergehende Zimmer. Beide haben Balkon mit Blick auf das Meer, fließ. warmes u. kaltes Wasser. Außerdem liegt das Hotel so nah am Strand, daß ich von der Terasse, auf der gefrühstückt wird nur 3 Stufen herunterzugehen brauche und bin am Strand. Das ist in jeder Beziehung sehr angenehm. Das Essen ist hervorragend. Z. B. Gestern Abend: Gemüsesuppe, Artischocken, Zunge mit Kartoffelpüree u. Erbsenpürrée, und Kompott: Heute Abend: Hühnersuppe, Lauchspeise, Huhn mit Kart. u. Salat, Karamelkrem. Mittags bleibt die Zwischenspeise aus, doch ist es auch sehr reichlich. – Hoffentlich knurrt gerade Dein Magen nicht, da hätte ich was schönes angestellt. − Die Pension kostet 35 l. Das Wetter ist herrlich. Strahlende Sonne. Alles blüht hier. Die Gegend ist einfach herrlich. Ich kann mich kaum satt sehen an der Vegetation und an dem Meer. Noch nie habe ich das alles so schön empfunden, wie diesmal. Ich glaube, das habe ich von Dir gelernt, mein bester Karl. Aber Moskitos gibt es auch schon. Die Gäste baden alle schon, doch ich warte noch etwas. Sage Adolf, daß ich heute den Platz, den er zweimal, in Aquarell u. in Öl gemalt hat, entdeckt habe. Ich habe ihn sofort wieder erkannt. Das rote Haus habe ich aber noch nicht gesehen. Freilichtkino soll es hier keines geben, sagte mir der hiesige Portier. Glücklicherweise sprechen hier im Hotel alle deutsch, darum bin ich froh. Jetzt habe ich Dir aber alles erzählt, was es in 2 Tagen neues geben kann. Mein liebster Karl, sei mir nicht böse, daß ich so viel schönes erleben darf, während Du nichts hast, ich wünschte jede Stunde, Dich bei mir zu haben. Bitte, bleibe mir, mein ganzes Leben bist ja du. Ich umarme Dich und bleibe mit tausend Küssen
Deine Dich so innig liebende Elisabeth.
Schreibe mir bald u. ausführlich.

  • Date
  • 28 Apr 1937

(P: Zürich), Mittwoch (Karte): E.H. in München (W: 8)

Zürich, 22. III. 39.

Meine liebe Elisabeth.
Ich war gestern bei Reinhardt – habe einen Anstandsbesuch gemacht.
War eine halbe Stunde in Audienz. Er war sehr höflich, haben uns Unterhalten über alles. Scherchen ist über das symphonische Konzert begeistert. Scherchen schlägt es bei der Prüfungskommission der Winterthurer Konzerte vor. Bei Reinhardt liegt die Partitur. Jetzt bin ich in Zürich und fahre um 1312 h nach Basel. Gehe bitte zu Herrn Horn und frage nach ob er die Partitur vom Scherchen-Quartett noch hat. Wenn nicht so schreibe es mir. Wenn ja, so sende sie mir – kannst aber gleich schreiben, daß er sie nicht hat. Dann brauchst [Du] kein Geld ausgeben. Ist unwichtig – aber schreibe mir darüber.
Nun lebe wohl! Pillen! Sei Du mit Deinem Buben fest geküßt Dein Kl.

(P: Zürich), Mittwoch (Karte): E.H. in München (W: 8)

Zürich, 22. III. 39.

Meine liebe Elisabeth.
Ich war gestern bei Reinhardt – habe einen Anstandsbesuch gemacht.
War eine halbe Stunde in Audienz. Er war sehr höflich, haben uns Unterhalten über alles. Scherchen ist über das symphonische Konzert begeistert. Scherchen schlägt es bei der Prüfungskommission der Winterthurer Konzerte vor. Bei Reinhardt liegt die Partitur. Jetzt bin ich in Zürich und fahre um 1312 h nach Basel. Gehe bitte zu Herrn Horn und frage nach ob er die Partitur vom Scherchen-Quartett noch hat. Wenn nicht so schreibe es mir. Wenn ja, so sende sie mir – kannst aber gleich schreiben, daß er sie nicht hat. Dann brauchst [Du] kein Geld ausgeben. Ist unwichtig – aber schreibe mir darüber.
Nun lebe wohl! Pillen! Sei Du mit Deinem Buben fest geküßt Dein Kl.

  • Date
  • 22 Mar 1939