(P: München, Alassio: 22.05.37), Freitag (Expreßbrief mit Umschlag): E.H. in

Alassio
Mein Lieb!
Jetzt ist es morgens (Freitag) – das Wetter sagt gar nichts = kann schön werden = kann schlecht werden! Doch Deine Mutter fährt auf alle Fälle!
Ich grüße Dich mein treues teures Lieb – lebe wohl! Ich bleibe Dein Kl.

München, Freitag (Brief) E.H. in Alassio

Heute Freitag morgen mein letzter Brief!
Meine über alles geliebte Elisabeth!
Es klingt grotesk – aber als ich heute Donnerstag um ½ 10 h mit dem Zug ankam ging ich gleich nach hause – und fand 2 Briefe! 2 Karten!
Mein treues Weib – ich weinte fast die ganze Nacht durch – ich weinte und weinte und konnte kein Ende finden! Elisabeth – die Nerven haben vollständig versagt! Ich mußte immer fort weinen – die ganze Nacht. Jetzt ist es 4 h morgens und [ich] schreibe Dir den Brief!
Ich habe fürchterliche Tage hinter mir! Tage des Grauens – ich dachte Du hättest mich vergessen! Da kam ich mir so klein vor – so winzig klein. Ich machte mir Pläne – die Musik wollte ich aufgeben – denn es ist doch nicht möglich für mich zu komponieren – Probleme wälzen ohne Elisabeth – dann kam Selbstmord! und noch anderes mehr.
Alles würde ich überstehen – ein[e] Mutter verlieren – alle Brüder verlieren – aber mein teuerstes gut (und das schwöre ich Dir bei meinem Augenlicht) mein alles, meine Seelenspenderin verlieren, wäre für mich mein Tod! Glaube mir, daß meine Mutter, die gewiß mein Alles war, ersetzlich ist; aber Du meine Elisabeth bist gewiß nur meine geistige Lebensexistenz. Ich wäre fertig! Ich habe viele Stunden nachgedacht über meine Mutter und Dich – aber aus reinstem Gewissen sage ich Dir: Du allein machst mir mein Leben wert!!! Du allein gibst mir Kraft zu arbeiten! Du allein mit Deiner Größe stellst meine Mutter in den Schatten. Du fragst nicht nach verdienen! nach sonstigen Kleinigkeiten – wie meine Mutter – oh das weiß ich genau; aber Du grübelst nur in meiner Seele! und hältst mich aufrecht. Du hast bei mir die Stellung der totalen Frau eingenommen.
Ich sehne die Stunden herbei bis Du bei mir bist, dann erst werde ich ruhig – dann erst kann ich arbeiten. Jetzt kann ich nichts tun; nichts arbeiten – nicht denken – immer wieder die Sehnsucht die mich peinigt! O komm! O komm! Gib mir die Ruhe! mein geliebtes Weib! Die Stunden sind so lang – die Stunden dauern ewig! noch 5 Tage! 5 volle Tage!! Schreibe mir jeden Tag jetzt noch – bitte!
Ich möchte Dir noch folgendes schreiben: wenn Du mir nochmals Gratulierst! Wenn ich etwas erreiche so bist Du die Mitschöpferin! Denn nur durch Dich bin ich im Stande zu arbeiten, und Dein fester Charakter gibt mir Kraft!!
Bitte nicht so viel w…! Du weißt warum! Dafür wird es schöner wenn Du bei mir bist – mir schwinden die Sinne beim Nachdenken.
Nach Paris fahre ich nur mit Dir! allein nie! Endweder [sic] fährst Du vom ersten Tag an mit bis zum letzten oder wir beide bleiben zuhause! Entweder oder – ich habe es satt immer jeder allein reisen – nein – andere reisen auch zusammen, oder bleiben allein zuhause!
Zu hause liegen 40 M. wenn Du zurück kommst, und auf der Reise zu Neracher habe ich keinen Pfennig von uns mitgenommen. Alles ist zuhause. Ich habe gespart! Die Wohnung ist in Ordnung (nicht Klavierspielen oder Radio zwischen 1 h – 3 h) (Vorhänge zu) (alles sauber): Frage Deine Mama.
Du schreibst wegen ausgehen – mit Dir will ich ausgehen – mit Stefi und der blöden Bande habe ich wenig Lust mehr – mit Arnold ist es aus. Auch mit Dölze und mir – wie ein entgültiges [sic] Auseinandergehen mit Röhrig. Alles ist Unsinn – die sind ja doch alle falsch – neidig und gemein –!
Ich kann nur eines sagen: o komm! o komm! auf Dich wartet einer, der Dich mit seiner Seele wie mit seinem Leib innig jetzt und immer liebt! Dein treuer Krl.
Schreibe mir Deine genaue Ankunft!
Guten Morgen, mein heißes Lieb. Nun hab ich ein paar Stunden fest geschlafen. Ich küsse Dich zum morgendlichen Gruß. Ich kann Dir nur eines versichern, daß ich die Stunden zähle bis Du kommst.
In heißer Liebe Dein Dir ganz gehörender Karl.
Auf Wiedersehn!
Grüße Resi u. Dididi.

München, Freitag (Brief) E.H. in Alassio

Heute Freitag morgen mein letzter Brief!
Meine über alles geliebte Elisabeth!
Es klingt grotesk – aber als ich heute Donnerstag um ½ 10 h mit dem Zug ankam ging ich gleich nach hause – und fand 2 Briefe! 2 Karten!
Mein treues Weib – ich weinte fast die ganze Nacht durch – ich weinte und weinte und konnte kein Ende finden! Elisabeth – die Nerven haben vollständig versagt! Ich mußte immer fort weinen – die ganze Nacht. Jetzt ist es 4 h morgens und [ich] schreibe Dir den Brief!
Ich habe fürchterliche Tage hinter mir! Tage des Grauens – ich dachte Du hättest mich vergessen! Da kam ich mir so klein vor – so winzig klein. Ich machte mir Pläne – die Musik wollte ich aufgeben – denn es ist doch nicht möglich für mich zu komponieren – Probleme wälzen ohne Elisabeth – dann kam Selbstmord! und noch anderes mehr.
Alles würde ich überstehen – ein[e] Mutter verlieren – alle Brüder verlieren – aber mein teuerstes gut (und das schwöre ich Dir bei meinem Augenlicht) mein alles, meine Seelenspenderin verlieren, wäre für mich mein Tod! Glaube mir, daß meine Mutter, die gewiß mein Alles war, ersetzlich ist; aber Du meine Elisabeth bist gewiß nur meine geistige Lebensexistenz. Ich wäre fertig! Ich habe viele Stunden nachgedacht über meine Mutter und Dich – aber aus reinstem Gewissen sage ich Dir: Du allein machst mir mein Leben wert!!! Du allein gibst mir Kraft zu arbeiten! Du allein mit Deiner Größe stellst meine Mutter in den Schatten. Du fragst nicht nach verdienen! nach sonstigen Kleinigkeiten – wie meine Mutter – oh das weiß ich genau; aber Du grübelst nur in meiner Seele! und hältst mich aufrecht. Du hast bei mir die Stellung der totalen Frau eingenommen.
Ich sehne die Stunden herbei bis Du bei mir bist, dann erst werde ich ruhig – dann erst kann ich arbeiten. Jetzt kann ich nichts tun; nichts arbeiten – nicht denken – immer wieder die Sehnsucht die mich peinigt! O komm! O komm! Gib mir die Ruhe! mein geliebtes Weib! Die Stunden sind so lang – die Stunden dauern ewig! noch 5 Tage! 5 volle Tage!! Schreibe mir jeden Tag jetzt noch – bitte!
Ich möchte Dir noch folgendes schreiben: wenn Du mir nochmals Gratulierst! Wenn ich etwas erreiche so bist Du die Mitschöpferin! Denn nur durch Dich bin ich im Stande zu arbeiten, und Dein fester Charakter gibt mir Kraft!!
Bitte nicht so viel w…! Du weißt warum! Dafür wird es schöner wenn Du bei mir bist – mir schwinden die Sinne beim Nachdenken.
Nach Paris fahre ich nur mit Dir! allein nie! Endweder [sic] fährst Du vom ersten Tag an mit bis zum letzten oder wir beide bleiben zuhause! Entweder oder – ich habe es satt immer jeder allein reisen – nein – andere reisen auch zusammen, oder bleiben allein zuhause!
Zu hause liegen 40 M. wenn Du zurück kommst, und auf der Reise zu Neracher habe ich keinen Pfennig von uns mitgenommen. Alles ist zuhause. Ich habe gespart! Die Wohnung ist in Ordnung (nicht Klavierspielen oder Radio zwischen 1 h – 3 h) (Vorhänge zu) (alles sauber): Frage Deine Mama.
Du schreibst wegen ausgehen – mit Dir will ich ausgehen – mit Stefi und der blöden Bande habe ich wenig Lust mehr – mit Arnold ist es aus. Auch mit Dölze und mir – wie ein entgültiges [sic] Auseinandergehen mit Röhrig. Alles ist Unsinn – die sind ja doch alle falsch – neidig und gemein –!
Ich kann nur eines sagen: o komm! o komm! auf Dich wartet einer, der Dich mit seiner Seele wie mit seinem Leib innig jetzt und immer liebt! Dein treuer Krl.
Schreibe mir Deine genaue Ankunft!
Guten Morgen, mein heißes Lieb. Nun hab ich ein paar Stunden fest geschlafen. Ich küsse Dich zum morgendlichen Gruß. Ich kann Dir nur eines versichern, daß ich die Stunden zähle bis Du kommst.
In heißer Liebe Dein Dir ganz gehörender Karl.
Auf Wiedersehn!
Grüße Resi u. Dididi.

  • Date
  • 21 May 1937

(P: Alassio), Donnerstag (Karte): KAH in München (W: 8)

Mein lieber Karl! Heute habe ich Deinen Brief aus d. Schweiz bekommen. Wie kann ich Dir dorthin schreiben, wenn ich Montag erst erfahre, daß Du bestimmt dort bist u. Du schreibst, Du würdest spätestens Mittwoch abfahren? Da wäre doch meine Post gar nicht mehr angekommen, daheim wirst Du genügend Post vorgefunden haben. 2 Briefe u. 3 Karten. Hast Du Mama die Wohnungsschlüssel dagelassen? Ich freue mich sehr auf den Mittwoch.
Sei herzlichst gegrüßt von Deiner treuen Elisabeth.
[Ansichtskarte Moglio (Alassio), Panorama da Costa Lupara] Das ist ein sehr schöner Spaziergang hierherauf.
Wie geht es Fritz?

(P: Alassio), Donnerstag (Karte): KAH in München (W: 8)

Mein lieber Karl! Heute habe ich Deinen Brief aus d. Schweiz bekommen. Wie kann ich Dir dorthin schreiben, wenn ich Montag erst erfahre, daß Du bestimmt dort bist u. Du schreibst, Du würdest spätestens Mittwoch abfahren? Da wäre doch meine Post gar nicht mehr angekommen, daheim wirst Du genügend Post vorgefunden haben. 2 Briefe u. 3 Karten. Hast Du Mama die Wohnungsschlüssel dagelassen? Ich freue mich sehr auf den Mittwoch.
Sei herzlichst gegrüßt von Deiner treuen Elisabeth.
[Ansichtskarte Moglio (Alassio), Panorama da Costa Lupara] Das ist ein sehr schöner Spaziergang hierherauf.
Wie geht es Fritz?

  • Date
  • 20 May 1937

(P: St. Gallen), Samstag (Karte): E.H. in München (K: 31)

Meine liebe Elisabeth!
Ich habe 3 Briefe geschrieben und 3 Karten! Hast Du alles bekommen. Über die Päckchen bin ich sehr sehr überrascht. Mit Kaffee ist nichts zu machen. Nun ja es wird schon recht werden. Letzte Woche war Furtwängler hier, der hatte einen irrsinnigen Erfolg. Das war ein Triumph Deutscher Kunst. Gehe nur Abends aus! Sei nur nicht dumm, sondern genieße das Leben. Nun kommt Scherchen wieder und probt ein klassisches Programm. Wenn ich an unsere Opern und Konzerte denke, wunderbar. Doch das Winterthurer Orchester ist wohl etwas ganz einzigartiges. Leider ist das Wetter nicht sehr schön. Doch die Natur ist sehr schön. Hier in Winterthur ist ja nicht viel los. Nun lebe wohl, bitte grüße Deine sehr verehrten lieben Eltern unsern Bubi und Dir alles Liebe und Gute. Für heute küsse ich Dich innig und bleibe in steter Liebe Dein Karl

(P: St. Gallen), Samstag (Karte): E.H. in München (K: 31)

Meine liebe Elisabeth!
Ich habe 3 Briefe geschrieben und 3 Karten! Hast Du alles bekommen. Über die Päckchen bin ich sehr sehr überrascht. Mit Kaffee ist nichts zu machen. Nun ja es wird schon recht werden. Letzte Woche war Furtwängler hier, der hatte einen irrsinnigen Erfolg. Das war ein Triumph Deutscher Kunst. Gehe nur Abends aus! Sei nur nicht dumm, sondern genieße das Leben. Nun kommt Scherchen wieder und probt ein klassisches Programm. Wenn ich an unsere Opern und Konzerte denke, wunderbar. Doch das Winterthurer Orchester ist wohl etwas ganz einzigartiges. Leider ist das Wetter nicht sehr schön. Doch die Natur ist sehr schön. Hier in Winterthur ist ja nicht viel los. Nun lebe wohl, bitte grüße Deine sehr verehrten lieben Eltern unsern Bubi und Dir alles Liebe und Gute. Für heute küsse ich Dich innig und bleibe in steter Liebe Dein Karl

  • Date
  • 11 Nov 1939

(P: St. Gallen), Donnerstag (Karte, geschrieben am Mittwoch): E.H. in Alassio

Mein Lieb! Heute bekam ich wieder keine Post. Ich kann Dein Verhalten nicht verstehen. Mir ist es unverständlich! Nicht mal einen Kartengruss über Pfingsten. Ich bin ratlos!! Heute um 3h fahre ich heim. Hoffentlich finde ich dort Post vor. Wenn nicht, fahre ich morgen zu Dir!
Ich kann mir beim besten Willen nicht denken was vorgefallen ist. Einem solche Stunden zu bereiten!! Bitte schreibe mir bald und genau wann Du kommst.
Ich freue mich ein gesundes und frohes Wiedersehn! Immer Dein Krl.

(P: St. Gallen), Donnerstag (Karte, geschrieben am Mittwoch): E.H. in Alassio

Mein Lieb! Heute bekam ich wieder keine Post. Ich kann Dein Verhalten nicht verstehen. Mir ist es unverständlich! Nicht mal einen Kartengruss über Pfingsten. Ich bin ratlos!! Heute um 3h fahre ich heim. Hoffentlich finde ich dort Post vor. Wenn nicht, fahre ich morgen zu Dir!
Ich kann mir beim besten Willen nicht denken was vorgefallen ist. Einem solche Stunden zu bereiten!! Bitte schreibe mir bald und genau wann Du kommst.
Ich freue mich ein gesundes und frohes Wiedersehn! Immer Dein Krl.

  • Date
  • 20 May 1937

Schweiz, Donnerstag (Brief): E.H. in Alassio

Meine liebe Elisabeth!
Warum schreibst Du mir nicht? Bist Du beleidigt – oder vielleicht was sonst –! Elisabeth! Ich schrieb Dir doch jeden Tag. Was hab ich getan? oder – ich weiß nicht wie ich mich ausdrücken soll –! Vielleicht bist Du beleidigt, daß ich schon wieder in der Schweiz sitze! Das kostet doch viel viel Geld – nein Elisabeth keinen Pfennig kostet das mir [sic] – keinen Pfennig für die Fahrt – zum Essen – Schlafen nichts – nur zum Tee und Schokolade – und das bezahle ich nicht, sondern andere! Ich habe gespart in München – kein Geld unnütz ausgegeben – sei zufrieden ich fahre nicht nach Paris! Das Fest beginnt schon in 3 Wochen. Nein – nein – aber schreib mir – warum! hast Du alles – Dein Alles – vergessen –! war das mal!? Ich glaube das ist doch unmöglich!
Immer Dein treuer und zu Dir aufrichtiger Klr.

Schweiz, Donnerstag (Brief): E.H. in Alassio

Meine liebe Elisabeth!
Warum schreibst Du mir nicht? Bist Du beleidigt – oder vielleicht was sonst –! Elisabeth! Ich schrieb Dir doch jeden Tag. Was hab ich getan? oder – ich weiß nicht wie ich mich ausdrücken soll –! Vielleicht bist Du beleidigt, daß ich schon wieder in der Schweiz sitze! Das kostet doch viel viel Geld – nein Elisabeth keinen Pfennig kostet das mir [sic] – keinen Pfennig für die Fahrt – zum Essen – Schlafen nichts – nur zum Tee und Schokolade – und das bezahle ich nicht, sondern andere! Ich habe gespart in München – kein Geld unnütz ausgegeben – sei zufrieden ich fahre nicht nach Paris! Das Fest beginnt schon in 3 Wochen. Nein – nein – aber schreib mir – warum! hast Du alles – Dein Alles – vergessen –! war das mal!? Ich glaube das ist doch unmöglich!
Immer Dein treuer und zu Dir aufrichtiger Klr.

  • Date
  • 20 May 1937

Winterthur, Donnerstag (Brief): E.H. in München

Winterthur 9. XI. 39.

Meine liebe Elisabeth!
Vorgestern schrieb ich Dir eine Karte. Allerdings hat sich nichts ereignet bei mir. Aber ich will Dir mal sehr liebe Grüße senden.
Am Freitag ist hier ein Klug-Konzert. Ich habe die Proben besucht. Diesmal spielte ganz anständig das Orchester. Auch der Dirigent war sehr ordentlich.
Bei mir ist alles beim Alten. Ich denke immer mit viel Sehnsucht an Dich und an unsern Buben. Hoffentlich bleibt Ihr mir alle gesund. Ich freue mich, wenn ich am 23. Nov. abends bei Euch bin. Ich denke immer an Euch und ich hoffe auch, daß Ihr alle gut zusammen seit [sic]. Bitte, nimm von mir alles Liebe und ich bin mit inniger Liebe stets Dein treuer Kl.
Mein Lieb, ich umarme Dich und drücke Dich an mein Herz und bin Dein ewiger liebender Mann und Freund Kl.

Winterthur, Donnerstag (Brief): E.H. in München

Winterthur 9. XI. 39.

Meine liebe Elisabeth!
Vorgestern schrieb ich Dir eine Karte. Allerdings hat sich nichts ereignet bei mir. Aber ich will Dir mal sehr liebe Grüße senden.
Am Freitag ist hier ein Klug-Konzert. Ich habe die Proben besucht. Diesmal spielte ganz anständig das Orchester. Auch der Dirigent war sehr ordentlich.
Bei mir ist alles beim Alten. Ich denke immer mit viel Sehnsucht an Dich und an unsern Buben. Hoffentlich bleibt Ihr mir alle gesund. Ich freue mich, wenn ich am 23. Nov. abends bei Euch bin. Ich denke immer an Euch und ich hoffe auch, daß Ihr alle gut zusammen seit [sic]. Bitte, nimm von mir alles Liebe und ich bin mit inniger Liebe stets Dein treuer Kl.
Mein Lieb, ich umarme Dich und drücke Dich an mein Herz und bin Dein ewiger liebender Mann und Freund Kl.

  • Date
  • 9 Nov 1939

Alassio, Donnerstag (Brief): KAH in der Schweiz

Alassio, den 20. 5. 37.
Mein lieber Karl!
Eigentlich sollte ich Dir ernstlich bös sein. Dieses ewige Mißtrauen! Ich dürfte Dir doch oft genug bewiesen haben, daß ich nie, nicht einmal in Gedanken Dir untreu werden könnte. Warum sollte ich auch? Ich liebe Dich doch so sehr und Du bist und bleibst mir doch mein Alles! Karl, dieses Mißtrauen tut einer Frau doch weh, wenn es so unbegründet ist. Und nun denke einmal nach wie das alles gekommen ist. Nur weil Du immer so unklare Briefe schreibst. Du schriebst mir am Donnerstag, daß Du vielleicht zu Neracher fährst.* Erst am Montag erfahre ich bestimmt, daß Du dort bist. Bis dahin konnte ich doch nicht dorthin schreiben, wenn ich es nicht bestimmt wußte. Dann schreibst Du am Montag, daß Du Dienstag, spätestens Mittwoch wieder abfährst. Also wie soll ich da noch schreiben können! Soll ich vielleicht hellsehen und riechen, daß du doch erst später dort wegfährst. Karl, hättest Du etwas gedacht, so wärst Du selbst darauf gekommen, daß ich gar nicht dorthin schreiben konnte. Gestern schrieb ich nun natürlich eine Karte dorthin, weil ich nun vermutete, daß Du vielleicht bis Samstag bleiben würdest. Meinst Du mir war das angenehm nie zu wissen, wo ich Dich bestimmt erreichen kann? Also bitte nächstes mal etwas mehr Deutlichkeit, da u. da bin ich, bis da und dahin.
Heute habe ich eine schöne Autotour hinter mir, das werde ich Dir alles genauer erzählen. Keine Angst, es war kein einziger Herr dabei! Es war herrlich, der Garten von Mortola, der nur 2 mal in der Woche geöffnet nicht [ist]. Prachtvoll! Dann der Blumenmarkt von Ventimiglia. Karl, so viel Blumen haben wir beide in unserem ganzen Leben noch nicht gesehen, wie man da auf einmal sehen konnte. In San Remo war ich im Casino, habe 60 Lire gewonnen. Bitte erzähle das vorerst nicht daheim, ich weiß noch nicht, ob ich es erzählen soll. Sonst bekommt man da drin einen Ekel vor dem Gesellschaftspublikum. Mich hat es abgestoßen. Diese Geldgier. Die meisten zittern u. haben ganz verzerrte Gesichter. Ich würde auch nicht mehr spielen. Nur einmal hat es mich doch gereizt. Nachdem ich aber heute alle Küstenstädte hier an der Riviera sah, habe ich festgestellt, daß es hier schon am schönsten zur Erholung u. zum ausruhen ist. Besonders ist nirgends so ein schöner Sandstrand. Mit der Heimfahrt mache ich es voraussichtlich folgendermaßen: Ich fahre am Dienstag 651 h hier ab, komme 2 h nach Verona u. fahre am anderen Tag 9 h von dort ab. Ich weiß noch nicht, wann dieser Zug in München ankommt. Voraussichtlich mache ich es so. Ich schreibe Dir jetzt nur mehr eine Karte, die meine genaue Ankunft mitteilt. – Am 24. 5. dirigiert Ansermet am Prager Sender, Schönberg, Honegger, Milhaud u. Debussy.
* dann kommen verschiedene Briefe u. Karten, wo Du kein Wort hierüber erwähnst.
Heute bin ich sehr müde. Ich wünsche Dir eine schöne, gute Nacht. Ich freue mich riesig auf unser Wiedersehen am Mittwoch u. bleibe bis dahin
Deine immer treue Elisabeth.

Alassio, Donnerstag (Brief): KAH in der Schweiz

Alassio, den 20. 5. 37.
Mein lieber Karl!
Eigentlich sollte ich Dir ernstlich bös sein. Dieses ewige Mißtrauen! Ich dürfte Dir doch oft genug bewiesen haben, daß ich nie, nicht einmal in Gedanken Dir untreu werden könnte. Warum sollte ich auch? Ich liebe Dich doch so sehr und Du bist und bleibst mir doch mein Alles! Karl, dieses Mißtrauen tut einer Frau doch weh, wenn es so unbegründet ist. Und nun denke einmal nach wie das alles gekommen ist. Nur weil Du immer so unklare Briefe schreibst. Du schriebst mir am Donnerstag, daß Du vielleicht zu Neracher fährst.* Erst am Montag erfahre ich bestimmt, daß Du dort bist. Bis dahin konnte ich doch nicht dorthin schreiben, wenn ich es nicht bestimmt wußte. Dann schreibst Du am Montag, daß Du Dienstag, spätestens Mittwoch wieder abfährst. Also wie soll ich da noch schreiben können! Soll ich vielleicht hellsehen und riechen, daß du doch erst später dort wegfährst. Karl, hättest Du etwas gedacht, so wärst Du selbst darauf gekommen, daß ich gar nicht dorthin schreiben konnte. Gestern schrieb ich nun natürlich eine Karte dorthin, weil ich nun vermutete, daß Du vielleicht bis Samstag bleiben würdest. Meinst Du mir war das angenehm nie zu wissen, wo ich Dich bestimmt erreichen kann? Also bitte nächstes mal etwas mehr Deutlichkeit, da u. da bin ich, bis da und dahin.
Heute habe ich eine schöne Autotour hinter mir, das werde ich Dir alles genauer erzählen. Keine Angst, es war kein einziger Herr dabei! Es war herrlich, der Garten von Mortola, der nur 2 mal in der Woche geöffnet nicht [ist]. Prachtvoll! Dann der Blumenmarkt von Ventimiglia. Karl, so viel Blumen haben wir beide in unserem ganzen Leben noch nicht gesehen, wie man da auf einmal sehen konnte. In San Remo war ich im Casino, habe 60 Lire gewonnen. Bitte erzähle das vorerst nicht daheim, ich weiß noch nicht, ob ich es erzählen soll. Sonst bekommt man da drin einen Ekel vor dem Gesellschaftspublikum. Mich hat es abgestoßen. Diese Geldgier. Die meisten zittern u. haben ganz verzerrte Gesichter. Ich würde auch nicht mehr spielen. Nur einmal hat es mich doch gereizt. Nachdem ich aber heute alle Küstenstädte hier an der Riviera sah, habe ich festgestellt, daß es hier schon am schönsten zur Erholung u. zum ausruhen ist. Besonders ist nirgends so ein schöner Sandstrand. Mit der Heimfahrt mache ich es voraussichtlich folgendermaßen: Ich fahre am Dienstag 651 h hier ab, komme 2 h nach Verona u. fahre am anderen Tag 9 h von dort ab. Ich weiß noch nicht, wann dieser Zug in München ankommt. Voraussichtlich mache ich es so. Ich schreibe Dir jetzt nur mehr eine Karte, die meine genaue Ankunft mitteilt. – Am 24. 5. dirigiert Ansermet am Prager Sender, Schönberg, Honegger, Milhaud u. Debussy.
* dann kommen verschiedene Briefe u. Karten, wo Du kein Wort hierüber erwähnst.
Heute bin ich sehr müde. Ich wünsche Dir eine schöne, gute Nacht. Ich freue mich riesig auf unser Wiedersehen am Mittwoch u. bleibe bis dahin
Deine immer treue Elisabeth.

  • Date
  • 20 May 1937

Winterthur, Montag (Brief): E.H. in München

Winterthur, den 6. XI. 39.

Meine liebe liebe Elisabeth!
Ich habe heute 2 Karten und einen Brief bekommen. Vielen Dank! hast Du mein Paket erhalten? Bzw. 2 Pakete an Papa. Schreibe mir mal was Du bekommen hast! Ich war bei Ansermet. Er führt bestimmt „das Symphonische Konzert“ für Streichorchester auf, am Radio Genf. Sonst habe ich noch Möglichkeiten in Zürich bei Frey. Ich komme am 23. Nov. abends an. Das Violinconcertino bringt mir mehr Glück. Das Stück hat jetzt Scherchen in Neuchâtel, dann muß ich es an Frey senden. Was gibt es bei Dir alles Neues? Hoffentlich geht es Dir gut. Bleibe mir mit Bubi nur gesund. Grüße bitte Deine Lieben.
Warst Du bei Lebsche mit Mama!? Ich sage Dir, daß ich Dich immer noch heiß liebe. Ich umarme Dich feste und küsse Dich innig und bin immer und ewig Dein Kl.

Winterthur, Montag (Brief): E.H. in München

Winterthur, den 6. XI. 39.

Meine liebe liebe Elisabeth!
Ich habe heute 2 Karten und einen Brief bekommen. Vielen Dank! hast Du mein Paket erhalten? Bzw. 2 Pakete an Papa. Schreibe mir mal was Du bekommen hast! Ich war bei Ansermet. Er führt bestimmt „das Symphonische Konzert“ für Streichorchester auf, am Radio Genf. Sonst habe ich noch Möglichkeiten in Zürich bei Frey. Ich komme am 23. Nov. abends an. Das Violinconcertino bringt mir mehr Glück. Das Stück hat jetzt Scherchen in Neuchâtel, dann muß ich es an Frey senden. Was gibt es bei Dir alles Neues? Hoffentlich geht es Dir gut. Bleibe mir mit Bubi nur gesund. Grüße bitte Deine Lieben.
Warst Du bei Lebsche mit Mama!? Ich sage Dir, daß ich Dich immer noch heiß liebe. Ich umarme Dich feste und küsse Dich innig und bin immer und ewig Dein Kl.

  • Date
  • 6 Nov 1939

Alassio, Mittwoch (Brief): KAH in München

Alassio, den 19. Mai 1937
Mein inniggeliebter Karl!
Heute habe ich keine Nachricht von Dir bekommen. Hoffentlich geht es Dir gut? Warum schreibst Du mir eigentlich nicht, wann Du dort abgefahren bist.
Ich freue mich nun wirklich sehr auf unser Wiedersehen. Es ist ja hier ganz prachtvoll und ich genieße die Gegend hier von ganzem Herzen, doch wird mir die Trennung von Dir wirklich etwas zu lang. Ich sehne mich unendlich nach Dir. ich weiß nicht, wer schlimmer dran ist, Du oder ich. Du weißt schon was ich meine!! Das wird eine schöne erste Nacht bei uns werden.
Gestern hat wieder die Baderei bei mir aufgehört, das ist aber ganz gut so, dann ist, bis ich bei Dir bin ist alles vorüber. Übrigens ist es diesmal wieder fast 2 Wochen zu spät gekommen, das machte aber sicher die Luftveränderung. Da geht es mir immer so. Das Wetter ist hier herrlich. Ich habe jetzt so ziemlich die ganze Umgebung hier erforscht. Es ist einfach prachtvoll die Riviera. Wo man geht und steht gibt es etwas neues. Am Freitag mache ich noch einen Ausflug nach Mortola, Ventimiglia, Bordighera, Ospedalletti u. San Remo. Ich fahre allein dorthin, denn mit Richard ist es eine zu große Schlepperei. Der spielt lieber Sand. Es fährt da ein Omnibus zu 25 Lire.
Bringe Mama auch etwas Tee, wenn Du nichts dagegen hast, da kannst Du Dich etwas einschmeicheln. Natürlich nicht viel.
Ich lege Dir einige Photos bei. Das ist ein kleines 9jähriges Ungarnmädel, mit der spielt Richard furchtbar gern. Bei der Aufnahme war er verlegen, deshalb streckt er die Zunge heraus. Schicke mir bitte auf jeden Fall die Adresse vom Freunde Deines Vaters in Verona. Ich weiß nicht, ob ich dazukomme ihn zu besuchen, doch immerhin ist es gut, wenn man eventuell zu einem Bekannten gehen kann. Bitte erkundige Dich doch nochmals in der Bank, ob ich bestimmt diese Woche noch mein Geld bekomme. Das wäre schlimm, denn sonst könnte ich ja gar nicht abreisen u. länger bleiben könnte ich auch nicht, da mir dann die 100 M dazu auch nicht reichen würden. Also bitte frage nochmals nach an der Bank und treibe, daß ich sofort das Geld bekomme.
Mein lieber, lieber Karl ich schwelge schon immer in dem Gedanken an unser Wiedersehen. Ich freue mich so riesig darauf. Ich umarme Dich, küsse Dich und bleibe immer Deine treue, Dich heiß liebende Elisabeth.

Alassio, Mittwoch (Brief): KAH in München

Alassio, den 19. Mai 1937
Mein inniggeliebter Karl!
Heute habe ich keine Nachricht von Dir bekommen. Hoffentlich geht es Dir gut? Warum schreibst Du mir eigentlich nicht, wann Du dort abgefahren bist.
Ich freue mich nun wirklich sehr auf unser Wiedersehen. Es ist ja hier ganz prachtvoll und ich genieße die Gegend hier von ganzem Herzen, doch wird mir die Trennung von Dir wirklich etwas zu lang. Ich sehne mich unendlich nach Dir. ich weiß nicht, wer schlimmer dran ist, Du oder ich. Du weißt schon was ich meine!! Das wird eine schöne erste Nacht bei uns werden.
Gestern hat wieder die Baderei bei mir aufgehört, das ist aber ganz gut so, dann ist, bis ich bei Dir bin ist alles vorüber. Übrigens ist es diesmal wieder fast 2 Wochen zu spät gekommen, das machte aber sicher die Luftveränderung. Da geht es mir immer so. Das Wetter ist hier herrlich. Ich habe jetzt so ziemlich die ganze Umgebung hier erforscht. Es ist einfach prachtvoll die Riviera. Wo man geht und steht gibt es etwas neues. Am Freitag mache ich noch einen Ausflug nach Mortola, Ventimiglia, Bordighera, Ospedalletti u. San Remo. Ich fahre allein dorthin, denn mit Richard ist es eine zu große Schlepperei. Der spielt lieber Sand. Es fährt da ein Omnibus zu 25 Lire.
Bringe Mama auch etwas Tee, wenn Du nichts dagegen hast, da kannst Du Dich etwas einschmeicheln. Natürlich nicht viel.
Ich lege Dir einige Photos bei. Das ist ein kleines 9jähriges Ungarnmädel, mit der spielt Richard furchtbar gern. Bei der Aufnahme war er verlegen, deshalb streckt er die Zunge heraus. Schicke mir bitte auf jeden Fall die Adresse vom Freunde Deines Vaters in Verona. Ich weiß nicht, ob ich dazukomme ihn zu besuchen, doch immerhin ist es gut, wenn man eventuell zu einem Bekannten gehen kann. Bitte erkundige Dich doch nochmals in der Bank, ob ich bestimmt diese Woche noch mein Geld bekomme. Das wäre schlimm, denn sonst könnte ich ja gar nicht abreisen u. länger bleiben könnte ich auch nicht, da mir dann die 100 M dazu auch nicht reichen würden. Also bitte frage nochmals nach an der Bank und treibe, daß ich sofort das Geld bekomme.
Mein lieber, lieber Karl ich schwelge schon immer in dem Gedanken an unser Wiedersehen. Ich freue mich so riesig darauf. Ich umarme Dich, küsse Dich und bleibe immer Deine treue, Dich heiß liebende Elisabeth.

  • Date
  • 19 May 1937