Autographes Partitur-Fragment der ersten Niederschrift (9 Blätter), um 1933/ 34. Mus. Mss. 12944
Auf Blatt [3] in den Violinen das aggressive Hauptthema des Hauptteils, unten Skizzen zur Fortsetzung.
Im Jahr 1935 [richtig 1933/34] schrieb ich ein symphonisches Werk mit dem Titel »Miserae«. Es wurde zum Gedenken damaliger politischer und jüdischer Verfolgter, die in Dachau ermordet wurden, geschrieben. Im Herbst führte Hermann Scherchen dieses Werk anlässlich des Internationalen Musikfestes in Prag auf (An Hans Moldenhauer, 24.12.1958). Die Partitur trägt die Widmung: Meinen Freunden, die hundertfach sterben mußten, die für die Ewigkeit schlafen, wir vergessen euch nicht (Dachau 1933/34)
Die Uraufführungen des Streichquartetts und des >Miserae< trugen mir meine erste internationale Anerkennung ein (Autobiographische Skizze, S. 14).
»… die erschütternde symphonische Dichtung >Miserae< (Elend) des Münchener Komponisten Karl Amadeus Hartmann. Hier hört man tiefe Klage, an die grauenhaften Visionen Grünewalds wird man erinnert, an unergründliches Dunkel gothischer Dome, - und dann, in scharfem Kontrast das Thema, das mit seiner agacierend wiederholten Anfangsnote wie Trotz, Protest, turbulente Anklage und Angriff klingt. Die Totenfeier wiederholt sich dann, es ist ein unendlicher Gesang der Blechbläser darin, der von fern an Mahlersche Nachtmusiken mahnt. Die Uraufführung dieses gefühlsstarken, eigenwilligen Werkes allein würde schon genügen, unserem Musikfest historische Bedeutung zu geben.«
»Mit großer Freude hatte ich bereits gelesen, daß Ihr Orchesterwerk (…) zur Aufführung gelangt. Dies freute mich umso mehr, weil ich nach der schlechten Gemütsstimmung, auf die ich aus Ihrem Brief leider schließen muß, eine rechtzeitige Aufmunterung und Anregung für Sie erwarte.«
Die Aufführung meines Orchesterwerkes durch Ihren lieben Herrn Gemahl, schreibt Hartmann am 1.1.1936 an Auguste Maria Scherchen, war für mich ein so großer Erfolg, wie ich ihn noch nie erlebt habe. (…) Das Ende des alten Jahres allerdings hat mir keine allzu großen Freuden gebracht. Die Nachwehen des Musikfestes haben sich nicht sehr günstig für mich hier ausgewirkt, sodass es mir nicht so bald möglich sein wird, andere Musikfeste oder Konzerte zu besuchen, die ausserhalb unseres Landes stattfinden.
Telegrammzeitung, München (Keine Kopiererlaubnis! Abschrift – gestylter Ausdruck)
Im Rahmen der Musikabende der »Juryfreien« fanden die ersten öffentlichen Aufführungen von Hartmanns Kompositionen statt. Hier eine Kritik der Aufführung der ersten Klaviersonate.
Münchner Telegramm Zeitung und Sporttelegraf, Nr. 3, 5. Januar 1932
Aus den Konzertsälen. Bei den Juryfreien in der Prinzregentenstraße, die ihren Abendgästen außer ernster Kunst auch Tee und Brötchen bieten, gab es gestern wieder neue Musik. Das Konzert wurde mit einer sehr fein geformten aus ausdrucksstarken Sonate von Arthur Honegger eröffnet in der der Komponist – wie in vielen anderer seiner Schöpfungen – stark dem Impressionismus zuneigt, ohne sich aber irgendwie in Aeusserlichkeiten zu verlieren. Dann hörte man eine dreisätzige Klaviersonate des jungen Münchners Karl Amadeus Hartmann, ein Stück, an dem vor allem die sehr freie Linienführung und rhythmischen Bildungen interessieren. Nicht ohne Reiz ist der Mittelsatz, während man sich mit den wilden Ecksätzen nicht befreunden kann, wenn man im Klavier ein Schlaginstrument sehen will. (…)
Kollektivausstellung Adolf Hartmann im November1932, Deutscher Künstlerverband »Die Juryfreien« München. Katalog
In der Ausstellung wurden mehrere Porträts von Musikern, die in den Konzerten der »Juryfreien« mitwirkten, gezeigt, außerdem auch das Porträt des Vaters von 1924 (Kat. Nr. 19).
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