(P: Genève), Dienstag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Meine liebe liebe Elisabeth – ich war heute mittag bei Ans. zum Mittagessen eingeladen. Dann waren wir zusammen über meine[n] Partituren. Die Musik von „L’Œuvre“. ist ihm vollständig – neuartig – direkt fremdartig! Er ist natürlich viel besser als H. Albers. Der ist überall (mit Recht verhaßt!) Was wird weiß ich nicht. Ans. liebt Schönberg nicht doch aber Berg – das ist meineserachtens eine kleine Verwirrung! Das ist bei Kapellmeister[n] immer. A[u]ch Hindemith ist ihm alles. Immerhin liebt er mehr, als Albers. Was jetzt wird weiß ich nicht. Warten! Warten! Warten! Das ist zum Verrücktwerden. Er (Ans.) wird mir schreiben. Heute abend fahre ich nach Bern. Morgen nach Zürich. Ich komme am Donnerstag – 14. April abends ½ 10 h nach hause! Dies ist bestimmt! In das Mittwoch Konzert in Winterthur (von Albers) gehe ich nicht. Kommt nicht in Frage. Ich besuche am Mittwoch ein Konzert Frey in Zürich (die führen mein „Lamento“ auf.) Zu hause werde ich Dir alles erzählen. Wie geht es zu hause. Ist Post gekommen. Wie geht es Redlich – kommt er? Es sind ja alle Arschlöcher. Sie hängen alle an Ihrer alten Kunst. Tradition – Gesellschaft – Kultur – kurz und gut: „es gehört sich nicht“! ein schöner Satz!!!
Mit viel Liebe und treuer (absoluter treuer) Anhänglichkeit bleibe ich stets Dein aufrichtiger Karl!
Grüße unsern Bubi Hartm. Karl! Grüße bitte Adolf.

(P: Genève), Dienstag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Meine liebe liebe Elisabeth – ich war heute mittag bei Ans. zum Mittagessen eingeladen. Dann waren wir zusammen über meine[n] Partituren. Die Musik von „L’Œuvre“. ist ihm vollständig – neuartig – direkt fremdartig! Er ist natürlich viel besser als H. Albers. Der ist überall (mit Recht verhaßt!) Was wird weiß ich nicht. Ans. liebt Schönberg nicht doch aber Berg – das ist meineserachtens eine kleine Verwirrung! Das ist bei Kapellmeister[n] immer. A[u]ch Hindemith ist ihm alles. Immerhin liebt er mehr, als Albers. Was jetzt wird weiß ich nicht. Warten! Warten! Warten! Das ist zum Verrücktwerden. Er (Ans.) wird mir schreiben. Heute abend fahre ich nach Bern. Morgen nach Zürich. Ich komme am Donnerstag – 14. April abends ½ 10 h nach hause! Dies ist bestimmt! In das Mittwoch Konzert in Winterthur (von Albers) gehe ich nicht. Kommt nicht in Frage. Ich besuche am Mittwoch ein Konzert Frey in Zürich (die führen mein „Lamento“ auf.) Zu hause werde ich Dir alles erzählen. Wie geht es zu hause. Ist Post gekommen. Wie geht es Redlich – kommt er? Es sind ja alle Arschlöcher. Sie hängen alle an Ihrer alten Kunst. Tradition – Gesellschaft – Kultur – kurz und gut: „es gehört sich nicht“! ein schöner Satz!!!
Mit viel Liebe und treuer (absoluter treuer) Anhänglichkeit bleibe ich stets Dein aufrichtiger Karl!
Grüße unsern Bubi Hartm. Karl! Grüße bitte Adolf.

Junkersdorf (Brief): E.R. in Arnshausen

Meine Elisabeth! Mein Lieb!
Wie freute ich mich von dir heute einen lieben Brief bekommen zu haben. Vielen Dank! Elisabeth! Du schreibst von Befürchtungen Deinerseits, daß Du mir nicht so viel geben könntest. Ja – auf eine überaus geistreiche Frau, oder besser gesagt ein[e] Frau mit nur Geist und alles andere wird verneint – auf ein solches seperates [sic] Glück kann ich verzichten. Du wirst mich verstehen? Ja – ? Scherz beiseite – meine Geliebte, ich will Dich wie Du bist – hab keine Angst, alle glücklichen Ehen sind auf ganz einfache Prinzipien aufgebaut. Nichts überspanntes. Wie in der Kunst – so im Leben – einfach und grenzenlos ehrlich alles zu gestalten versuchen.
Meine liebe Elisabeth, ich habe Dich „undankbar“ genannt? Nein, Liebe, ich kann es doch nicht getan haben. Im Gegenteil, Du bist so gut zu mir, Du bist so lieb zu mir, so verständig. Wie du auf mich bestimmt eingehst; nein, da ist sicherlich unklar von mir geschrieben gewesen. Verzeihe mir. Bitte!
Meiner Mutter geht es besser. Ich bin froh, ich hatte viel Sorgen damit. Ich soll Dich herzlichst grüßen, auch von Bruder Fritz.
Am Donnerstag werde ich zu Dir kommen mit dem Zug, der in Kissingen 1347 einläuft. Mit viel Liebe komme ich zu Dir und ich freue mich, Dich gesund und fröhlich zu sehen. Dann können wir uns mit Ruhe, ohne Angst zu haben, erzählen. Wie freue ich mich auf Dich, wie will ich Dich küssen, oh meine liebe Elisabeth! – Also am Donnerstag (7. Juli), Ankunft 1347
in Kissingen und bis dahin lebe wohl!
Sei herzlichst gegrüßt von den meinen und ich umarme Dich, küsse Dich als Dein Geliebter und bleibe Dein Karl Amadeus Hartmann.
Hoffentlich habe ich gute Zug-Verbindung. So käme ich mit dem nächsten. Auf alle Fälle komme ich. Dein Karl.

Junkersdorf (Brief): E.R. in Arnshausen

Meine Elisabeth! Mein Lieb!
Wie freute ich mich von dir heute einen lieben Brief bekommen zu haben. Vielen Dank! Elisabeth! Du schreibst von Befürchtungen Deinerseits, daß Du mir nicht so viel geben könntest. Ja – auf eine überaus geistreiche Frau, oder besser gesagt ein[e] Frau mit nur Geist und alles andere wird verneint – auf ein solches seperates [sic] Glück kann ich verzichten. Du wirst mich verstehen? Ja – ? Scherz beiseite – meine Geliebte, ich will Dich wie Du bist – hab keine Angst, alle glücklichen Ehen sind auf ganz einfache Prinzipien aufgebaut. Nichts überspanntes. Wie in der Kunst – so im Leben – einfach und grenzenlos ehrlich alles zu gestalten versuchen.
Meine liebe Elisabeth, ich habe Dich „undankbar“ genannt? Nein, Liebe, ich kann es doch nicht getan haben. Im Gegenteil, Du bist so gut zu mir, Du bist so lieb zu mir, so verständig. Wie du auf mich bestimmt eingehst; nein, da ist sicherlich unklar von mir geschrieben gewesen. Verzeihe mir. Bitte!
Meiner Mutter geht es besser. Ich bin froh, ich hatte viel Sorgen damit. Ich soll Dich herzlichst grüßen, auch von Bruder Fritz.
Am Donnerstag werde ich zu Dir kommen mit dem Zug, der in Kissingen 1347 einläuft. Mit viel Liebe komme ich zu Dir und ich freue mich, Dich gesund und fröhlich zu sehen. Dann können wir uns mit Ruhe, ohne Angst zu haben, erzählen. Wie freue ich mich auf Dich, wie will ich Dich küssen, oh meine liebe Elisabeth! – Also am Donnerstag (7. Juli), Ankunft 1347
in Kissingen und bis dahin lebe wohl!
Sei herzlichst gegrüßt von den meinen und ich umarme Dich, küsse Dich als Dein Geliebter und bleibe Dein Karl Amadeus Hartmann.
Hoffentlich habe ich gute Zug-Verbindung. So käme ich mit dem nächsten. Auf alle Fälle komme ich. Dein Karl.

  • Year
  • Anfang Juli 1932

Junkersdorf (Brief): E.R. in Arnshausen

Meine liebe Elisabeth.
Hoffentlich bist Du gesund und froh in Arnshausen angekommen. Kann mir leicht vorstellen, daß du sehr müde warst. Ruhe Dich aus. Bleibe mir nur gesund. Ja – Du weißt, daß ich mich ängstige um Deine Gesundheit, daß mein Leben abhängig ist davon. Ich brauche Dich zum arbeiten, durch Dich bekomme ich Mut. Dein Mütterliches Sorgen – Dein frauliches Tun um mich beruhigt mich; um all dies muß ich Dir danken.
Hast Du meinen Brief bekommen; derselbe ist doch nicht in fremde Hände gegangen oder gar geblieben. Ich habe immer so Angst um Dich. Mit meinem Brief werde ich doch nichts unklares geschrieben haben, ich werde Dir doch nicht weh getan haben, ich werde doch nichts schmerzliches Dir geschrieben haben. Meine Elisabeth, nein – jedes Wort ist mit Liebe, mit viel Liebe geschrieben. Mein Alles will ich Dir geben. O Gott – Elisabeth bangen Herzens erwarte ich das Wiedersehn. Wir müssen uns sehen. Sollte mein Kommen Deiner Tante unangenehm sein, so komme ich, wohne in Kissingen, und bleibe zwei Tage dort, so können wir uns heimlich dort treffen. Ich muß Dich sehen – ich muß Dich treffen – ich muß dich sprechen – und küssen – Elisabeth! Mein Freund bleibt bis Sonntag abends (3. Juli). Schreibe mir wann ich kommen soll?
Die Tage waren sehr ruhig für mich, bin sehr froh, daß ich mal von Nichts höre. Nichts.
Mit Ruhe arbeite ich jetzt etwas, doch nicht viel. Jetzt habe ich nur eine Freude, unser Wiedersehn.
Meine Umarbeitung (meiner „Witwe“ habe ich begonnen. Textlich bringe ich Änderungen, musikalisch werde ich vieles noch aggressiver bringen (hauptsächlich in der Instrumentation). Sobald ich fertig bin (lange arbeite ich nicht mehr damit), werde ich Dir alles zeigen, damit Dich nicht’s beunruhigt, damit Du Dich nicht im geringsten ängstigen braucht [sic].
Werde Dir bald wieder schreiben. Ich bin glücklich, daß ich weiß, wo Du bist, wohin ich dir Grüße senden darf. Elisabeth! nimm meinen Dank für all Deine Liebe entgegen, ich umarme Dich, überschütte Dich mit Küssen und bleibe wie ich war
Dein Karl A. Hartmann
Den letzten Brief habe ich nicht eher weggeschickt (aus Berechnung) damit er gleich in Deine Hände kommt und nicht in fremde – man weiß nie?
Dein Karl.

Junkersdorf (Brief): E.R. in Arnshausen

Meine liebe Elisabeth.
Hoffentlich bist Du gesund und froh in Arnshausen angekommen. Kann mir leicht vorstellen, daß du sehr müde warst. Ruhe Dich aus. Bleibe mir nur gesund. Ja – Du weißt, daß ich mich ängstige um Deine Gesundheit, daß mein Leben abhängig ist davon. Ich brauche Dich zum arbeiten, durch Dich bekomme ich Mut. Dein Mütterliches Sorgen – Dein frauliches Tun um mich beruhigt mich; um all dies muß ich Dir danken.
Hast Du meinen Brief bekommen; derselbe ist doch nicht in fremde Hände gegangen oder gar geblieben. Ich habe immer so Angst um Dich. Mit meinem Brief werde ich doch nichts unklares geschrieben haben, ich werde Dir doch nicht weh getan haben, ich werde doch nichts schmerzliches Dir geschrieben haben. Meine Elisabeth, nein – jedes Wort ist mit Liebe, mit viel Liebe geschrieben. Mein Alles will ich Dir geben. O Gott – Elisabeth bangen Herzens erwarte ich das Wiedersehn. Wir müssen uns sehen. Sollte mein Kommen Deiner Tante unangenehm sein, so komme ich, wohne in Kissingen, und bleibe zwei Tage dort, so können wir uns heimlich dort treffen. Ich muß Dich sehen – ich muß Dich treffen – ich muß dich sprechen – und küssen – Elisabeth! Mein Freund bleibt bis Sonntag abends (3. Juli). Schreibe mir wann ich kommen soll?
Die Tage waren sehr ruhig für mich, bin sehr froh, daß ich mal von Nichts höre. Nichts.
Mit Ruhe arbeite ich jetzt etwas, doch nicht viel. Jetzt habe ich nur eine Freude, unser Wiedersehn.
Meine Umarbeitung (meiner „Witwe“ habe ich begonnen. Textlich bringe ich Änderungen, musikalisch werde ich vieles noch aggressiver bringen (hauptsächlich in der Instrumentation). Sobald ich fertig bin (lange arbeite ich nicht mehr damit), werde ich Dir alles zeigen, damit Dich nicht’s beunruhigt, damit Du Dich nicht im geringsten ängstigen braucht [sic].
Werde Dir bald wieder schreiben. Ich bin glücklich, daß ich weiß, wo Du bist, wohin ich dir Grüße senden darf. Elisabeth! nimm meinen Dank für all Deine Liebe entgegen, ich umarme Dich, überschütte Dich mit Küssen und bleibe wie ich war
Dein Karl A. Hartmann
Den letzten Brief habe ich nicht eher weggeschickt (aus Berechnung) damit er gleich in Deine Hände kommt und nicht in fremde – man weiß nie?
Dein Karl.

  • Year
  • Ende Juni – Anfang Juli 1932

München, Sonntag (Brief): KAH in der Schweiz München, den 3. 4. 38

Wie geht es Dir?
Ich habe so wenig von Dir gehört, daß ich gar nicht weiß was los ist. Hoffentlich hast Du mit Ansermet Glück gehabt. Du bist doch bestimmt hingefahren!! Gestern kamen 2 Briefe aus London. Einer der die Ankunft am 10. April von Mrs. Osbornes Tochter anmeldet. Der andere war vom Kutcher Quartett. Der Brief war reizend geschrieben und das Quartett freut sich Dein Werk spielen zu können. Herr Kutcher schrieb, daß Deine Aufführung am 18. Juni sei. Die Partitur sowie Stimmen hat er alle richtig erhalten. Habe nur Geduld mit Hermann, Du mußt ihn halt nehmen wie er ist. Er wird schon wieder erträglicher werden. Gehe eventuell zu Sacher und Sterk.
Am Freitag hatte Papa Jubiläum und bekam unter anderem einen herrlichen Telefunken 7 Röhren Apparat. Richardi hatte etwas Eichelentzündung es ist aber schon wieder besser. Prof. Hecker sagt es sei nicht gefährlich nur unangenehm und schmerzhaft. Richardi ist aber dabei sehr lieb u. vernünftig. Das hätten Buben ziemlich häufig. Heute gehe ich zu Meisels und abends werde ich wieder in Deinem Bett schlafen. Da freue ich mich darauf!! Und wie. Ich rate Dir am 11. od. 12. April heimzukommen. Wenn das Wetter so schön bleibt, dann kannst Du Dich etwas erholen, besonders Deinen Hals auskurieren. Adolf geht es gut ich spreche ihn so jeden zweiten Tag. Heute, Sonntag ist er in Großkarolinenfeld bei Satzinger. Wegen der Miserae-Stimmen hast Du mir noch immer keine Antwort gegeben.
Mein einziger Karl, bleibe mir gesund und froh. Du gehst mir sehr ab, aber ich freue mich für Dich, daß Du etwas Abwechslung hast. Tausend innige Küsse und in großer Liebe bleibe ich immer und stets Deine treue Elisabeth

München, Sonntag (Brief): KAH in der Schweiz München, den 3. 4. 38

Wie geht es Dir?
Ich habe so wenig von Dir gehört, daß ich gar nicht weiß was los ist. Hoffentlich hast Du mit Ansermet Glück gehabt. Du bist doch bestimmt hingefahren!! Gestern kamen 2 Briefe aus London. Einer der die Ankunft am 10. April von Mrs. Osbornes Tochter anmeldet. Der andere war vom Kutcher Quartett. Der Brief war reizend geschrieben und das Quartett freut sich Dein Werk spielen zu können. Herr Kutcher schrieb, daß Deine Aufführung am 18. Juni sei. Die Partitur sowie Stimmen hat er alle richtig erhalten. Habe nur Geduld mit Hermann, Du mußt ihn halt nehmen wie er ist. Er wird schon wieder erträglicher werden. Gehe eventuell zu Sacher und Sterk.
Am Freitag hatte Papa Jubiläum und bekam unter anderem einen herrlichen Telefunken 7 Röhren Apparat. Richardi hatte etwas Eichelentzündung es ist aber schon wieder besser. Prof. Hecker sagt es sei nicht gefährlich nur unangenehm und schmerzhaft. Richardi ist aber dabei sehr lieb u. vernünftig. Das hätten Buben ziemlich häufig. Heute gehe ich zu Meisels und abends werde ich wieder in Deinem Bett schlafen. Da freue ich mich darauf!! Und wie. Ich rate Dir am 11. od. 12. April heimzukommen. Wenn das Wetter so schön bleibt, dann kannst Du Dich etwas erholen, besonders Deinen Hals auskurieren. Adolf geht es gut ich spreche ihn so jeden zweiten Tag. Heute, Sonntag ist er in Großkarolinenfeld bei Satzinger. Wegen der Miserae-Stimmen hast Du mir noch immer keine Antwort gegeben.
Mein einziger Karl, bleibe mir gesund und froh. Du gehst mir sehr ab, aber ich freue mich für Dich, daß Du etwas Abwechslung hast. Tausend innige Küsse und in großer Liebe bleibe ich immer und stets Deine treue Elisabeth

Frankreich, Donnerstag (Brief; Datierung „30. Juni 1931“ ist falsch): KAH in Junkersdorf

d. 30. 6. 31.
Mein lieber, lieber Karl!
Endlich kann ich dir ungestört schreiben, ich sitze gerade im Zug nach Würzburg, bin aber noch in Frankreich. Herr Seidl fuhr bis hierher mit mir, soeben werden wir auseinanderrangiert. Ich brenne geradezu vor Freude auf unser baldiges Wiedersehen u. von Dir heute noch etwas zu erfahren, (denn ich hoffe bestimmt in Arnshausen etwas von Dir zu erfahren). Hoffentlich bist Du wohl auf u. hast Deine Nerven einigermaßen erholt. Das ist dringend nötig für Dich. Über die Reise viel zu schreiben ist unnötig, weil mündlich erzählen viel leichter geht ich kann nur das eine sagen, daß mich die Sehnsucht nach Dir halb umgebracht hat, während der ganzen Zeit. Auch war es sehr anstrengend. Jeden Tag an einem anderen Ort, die Städte ansehen und noch dazu fast täglich 300 km fahren. Immerhin waren Land und Leute sehr interessant und ich bin einesteils froh, daß ich alles das gesehen habe. Nur Du hättest dabei sein sollen!! Für Paris hatte ich allerdings etwas wenig Zeit, nur 3 Tage, so konnte ich nur das allerwichtigste sehen. Gestern waren wir noch in einem Varieté. Moralisch sehr tief stehend, aber einmal ganz interessant. Natürlich bin heute furchtbar müde, weil wir erst um 2 h heimkommen u. um 6 h ging der Zug schon wieder. Aber ich wollte es mir nicht entgehen in Paris wenigstens etwas angesehen zu haben. Ärger hat es natürlich auch genügend gegeben. Du mußt meine herrliche Schrift entschuldigen, der Zug wackelt nämlich entsetzlich. Wenn Du nicht abgeschrieben hast, bestelle ich für Montag ein Zimmer. Politisch ist es wie mir Papa schrieb z. Z. unruhig. Verhalte Dich nur schön ruhig u. brav, Du mußt noch diplomatischer werden u. sage keinem Menschen mehr, wie sehr Du gegen die Nazis bist. Passe auch ja gut auf, daß nichts passiert, wenn Du zu mir fährst. Morgen schreibe ich Dir schon wieder. Auf Wiedersehen, in steter Treue u. Liebe bin u. bleibe ich immer
Deine Elisabeth.
Grüße auch bitte Deine Mutter u. Brüder.

Frankreich, Donnerstag (Brief; Datierung „30. Juni 1931“ ist falsch): KAH in Junkersdorf

d. 30. 6. 31.
Mein lieber, lieber Karl!
Endlich kann ich dir ungestört schreiben, ich sitze gerade im Zug nach Würzburg, bin aber noch in Frankreich. Herr Seidl fuhr bis hierher mit mir, soeben werden wir auseinanderrangiert. Ich brenne geradezu vor Freude auf unser baldiges Wiedersehen u. von Dir heute noch etwas zu erfahren, (denn ich hoffe bestimmt in Arnshausen etwas von Dir zu erfahren). Hoffentlich bist Du wohl auf u. hast Deine Nerven einigermaßen erholt. Das ist dringend nötig für Dich. Über die Reise viel zu schreiben ist unnötig, weil mündlich erzählen viel leichter geht ich kann nur das eine sagen, daß mich die Sehnsucht nach Dir halb umgebracht hat, während der ganzen Zeit. Auch war es sehr anstrengend. Jeden Tag an einem anderen Ort, die Städte ansehen und noch dazu fast täglich 300 km fahren. Immerhin waren Land und Leute sehr interessant und ich bin einesteils froh, daß ich alles das gesehen habe. Nur Du hättest dabei sein sollen!! Für Paris hatte ich allerdings etwas wenig Zeit, nur 3 Tage, so konnte ich nur das allerwichtigste sehen. Gestern waren wir noch in einem Varieté. Moralisch sehr tief stehend, aber einmal ganz interessant. Natürlich bin heute furchtbar müde, weil wir erst um 2 h heimkommen u. um 6 h ging der Zug schon wieder. Aber ich wollte es mir nicht entgehen in Paris wenigstens etwas angesehen zu haben. Ärger hat es natürlich auch genügend gegeben. Du mußt meine herrliche Schrift entschuldigen, der Zug wackelt nämlich entsetzlich. Wenn Du nicht abgeschrieben hast, bestelle ich für Montag ein Zimmer. Politisch ist es wie mir Papa schrieb z. Z. unruhig. Verhalte Dich nur schön ruhig u. brav, Du mußt noch diplomatischer werden u. sage keinem Menschen mehr, wie sehr Du gegen die Nazis bist. Passe auch ja gut auf, daß nichts passiert, wenn Du zu mir fährst. Morgen schreibe ich Dir schon wieder. Auf Wiedersehen, in steter Treue u. Liebe bin u. bleibe ich immer
Deine Elisabeth.
Grüße auch bitte Deine Mutter u. Brüder.

(P: Tours, Indre et Loire), Sonntag (Karte): KAH in Junkersdorf

Lieber Karl!
Jetzt geht die zeit schon immer mehr dem Ende zu am 5. Tag fahre ich schon fort.
Heute Abend kommen wir nach Paris. Ich habe schon eine schöne Reise hinter mir. Bitte schreibe mir auch gleich, ob Du am Montag [4. Juli] kommst u. mit welchem Zug u. ob ich ein Zimmer bestellen kann, das muß ich nämlich sofort wissen. Ich schreibe schon noch ein paarmal. Die herzlichsten Grüße von Deiner Elisabeth.

(P: Tours, Indre et Loire), Sonntag (Karte): KAH in Junkersdorf

Lieber Karl!
Jetzt geht die zeit schon immer mehr dem Ende zu am 5. Tag fahre ich schon fort.
Heute Abend kommen wir nach Paris. Ich habe schon eine schöne Reise hinter mir. Bitte schreibe mir auch gleich, ob Du am Montag [4. Juli] kommst u. mit welchem Zug u. ob ich ein Zimmer bestellen kann, das muß ich nämlich sofort wissen. Ich schreibe schon noch ein paarmal. Die herzlichsten Grüße von Deiner Elisabeth.

(P: Zürich), Freitag (Karte): E.H. in München (W: 8)

Liebste beste Elisabeth!
Mir geht es besser. Ich war bei Frey, er war begeistert von meinem „Lamento“. Er will es mit seiner Frau in Zürich machen, und in Genf.
Einstweilen immer Dein treuester Kl.
Lieber Richard alles Liebe Dein Krl. Grüße an Adolf

(P unleserlich) wohl Carcassonne, Freitag (Karte): KAH in Junkersdorf

Herzliche Grüße Elisabeth
Antoinette Reußmann

(P: Marseille), Freitag (Karte): KAH in Junkersdorf

Lieber Karl!
Leider verspätete ich mich diesmal mit dem Schreiben, aber ohne Schuld. Wir waren jetzt in Monte Carlo, Nizza, Cannes und sind heute in Marseilles, wo wir noch nach Nimes, Arles u. Carcassonne weiterfahren wollen. Ich freue mich so sehr auf Kissingen. Manchmal ist es entsetzlich heiß; heute regnet es. Unser Auto gleicht mehr einem Kraftwagen als einem Personenwagen. Ich würde mich sehr freuen von Dir eine Nachricht dort zu finden, wenn ich am 30. Juni ankomme. Tausend herzl. Grüße Deine Elis.

(P: Marseille), Freitag (Karte): KAH in Junkersdorf

Lieber Karl!
Leider verspätete ich mich diesmal mit dem Schreiben, aber ohne Schuld. Wir waren jetzt in Monte Carlo, Nizza, Cannes und sind heute in Marseilles, wo wir noch nach Nimes, Arles u. Carcassonne weiterfahren wollen. Ich freue mich so sehr auf Kissingen. Manchmal ist es entsetzlich heiß; heute regnet es. Unser Auto gleicht mehr einem Kraftwagen als einem Personenwagen. Ich würde mich sehr freuen von Dir eine Nachricht dort zu finden, wenn ich am 30. Juni ankomme. Tausend herzl. Grüße Deine Elis.

(P: Avignon), Mittwoch (Karte): KAH in Junkersdorf

Viele, herzliche Grüße Elisabeth