GEDANKEN HARTMANNS ÜBER SEIN VERHÄLTNIS ZUR ZWÖLFTONTECHNIK Handschriftliche Notizen zur Dodekaphonie

3 Styroportafeln

Konzeptblätter. Bleistift um 1959

Hartmann hat diese Gedanken um 1959 im Zusammenhang mit Bemerkungen zu seiner Siebten Symphonie niedergeschrieben.

Ich habe mich sehr intensiv bei Webern mit der Zwölftontechnik auseinandergesetzt, obwohl ich sie in meinen Werken nie angewendet habe.

Bis heute habe ich den Balast[!] der Tradition nie abzuschütteln versucht. Im Gegenteil: ich habe mich mit der vor-Bachschen Musik eingehend beschäftigt.

Meine formale Gestaltung bringt traditionelle Formtypen, die der Zwölftontechnik nicht im Wege stehen würden, letztere aber wirkt sich in meinem Denkprozess sehr hemmend aus. Ich habe keine besondere Beziehung zu dieser Technik, da ich beobachtet habe, daß viele kompositorische Eigenschaften in mir unterdrückt würden.

Ähnlich äusserte sich Hartmann auch in einem Gespräch mit Joachim Herrmann: Ich bin kein Gefolgsmann der Zwölftonmethode geworden, nicht etwa deshalb, weil sie damals in den Jahren der politisch gelenkten Musikanschauung keine Aussicht hatte, sich durchzusetzen. Ich fand dieses strenge Gesetz einfach nicht der Phantasie meines Ausdruckswillens gemäß (Sendung des Bayerischen Rundfunks, 9.3.1961).

  • Dokumenten Nummer
  • V 40
  • Jahr
  • 1959

KARL AMADEUS HARTMANN

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KARL AMADEUS HARTMANN

»Als ich 1935 für längere Zeit nach München zurückkehrte, fand ich Hartmann völlig gewandelt. Aus dem einstigen musikalischen enfant terrible, das sich in Burlesken und Persiflagen austobte, war ein Pathetiker geworden. Der Tod seiner Mutter traf ihn unter den trostlosen Verhältnissen der Hitlerdiktatur mit doppelter Schwere. Was uns Gleichgesinnte lediglich verbitterte, das zwang ihn, seinen Zorn und seine abgrundtiefe Trauer in Tönen mitzuteilen. Er hatte keine Wahl; der Weg eines Bekenntnismusikers war vorgezeichnet« (Max See, Erinnerungen, S.101 f.).

  • Dokumenten Nummer
  • V 31
  • Jahr
  • 1935

MISERAE Symphonische Dichtung für großes Orchester

Autographes Partitur-Fragment der ersten Niederschrift (9 Blätter), um 1933/ 34. Mus. Mss. 12944

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MISERAE Symphonische Dichtung für großes Orchester

Autographes Partitur-Fragment der ersten Niederschrift (9 Blätter), um 1933/ 34. Mus. Mss. 12944

Auf Blatt [3] in den Violinen das aggressive Hauptthema des Hauptteils, unten Skizzen zur Fortsetzung.

Im Jahr 1935 [richtig 1933/34] schrieb ich ein symphonisches Werk mit dem Titel »Miserae«. Es wurde zum Gedenken damaliger politischer und jüdischer Verfolgter, die in Dachau ermordet wurden, geschrieben. Im Herbst führte Hermann Scherchen dieses Werk anlässlich des Internationalen Musikfestes in Prag auf (An Hans Moldenhauer, 24.12.1958). Die Partitur trägt die Widmung: Meinen Freunden, die hundertfach sterben mußten, die für die Ewigkeit schlafen, wir vergessen euch nicht (Dachau 1933/34)

Die Uraufführungen des Streichquartetts und des >Miserae< trugen mir meine erste internationale Anerkennung ein (Autobiographische Skizze, S. 14).

  • Dokumenten Nummer
  • V 32
  • Jahr
  • 1933
  • Dokumentenkategorie
  • Werke