(P: Alassio, 10.05.1937), Sonntag (Karte): KAH in München (W: 8)

Alassio, den 9. Mai 37.
Meiner [sic] lieber Karl!
Heute dachte ich besonders viel an Dich. Du wirst doch nicht sehr aufgeregt gewesen sein. Nur nie niedergeschlagen sein. Heute machten wir einen Autobusausflug nach San Remo zu besonders günstigen Preisen. Es war sehr schön. Die Gegend ist hier ja so herrlich immer wieder bietet sie neue Reize. Bubi unterhielt im Auto alle Mitreisenden. Morgen schreibe ich einen Brief. Tausend innige Küsse in Liebe Deine treue Elisabeth.

(P: Alassio, 10.05.1937), Sonntag (Karte): KAH in München (W: 8)

Alassio, den 9. Mai 37.
Meiner [sic] lieber Karl!
Heute dachte ich besonders viel an Dich. Du wirst doch nicht sehr aufgeregt gewesen sein. Nur nie niedergeschlagen sein. Heute machten wir einen Autobusausflug nach San Remo zu besonders günstigen Preisen. Es war sehr schön. Die Gegend ist hier ja so herrlich immer wieder bietet sie neue Reize. Bubi unterhielt im Auto alle Mitreisenden. Morgen schreibe ich einen Brief. Tausend innige Küsse in Liebe Deine treue Elisabeth.

  • Date
  • 9 May 1937

Alassio, Mittwoch (Brief): KAH in Junkersdorf

7. 6. 39.

Mein liebster Karl!
Aus Deinem letzten Brief fühle ich heraus, daß Du sehr deprimiert bist. Lasse Dich doch nicht immer so schnell werfen. Du weißt ja noch gar nicht, ob Sacher es nicht doch noch im Winter aufführt. Selbstverständlich ist es eine Gemeinheit, etwas zu versprechen und dann nicht zu halten. Du mußt ihn unbedingt diesmal besuchen und fragen was eigentlich los ist. Das darfst du nicht versäumen! Übrigens finde ich, daß Dein Brief an ihn etwas zu scharf gehalten war. Du darfst es trotzdem nicht mit ihm verderben. Nun ja, vielleicht wird es damit etwas in Winterthur.
Hier ist es jetzt so heller Sonnenschein, daß mir etwas bewölkt fast lieber wäre. Papa ist die Hitze nicht sehr gut bekommen, er fühlte sich 3 Tage lang gar nicht sehr wohl. Tagsüber kann man jetzt nicht mehr spazieren gehen, es ist zu heiß dazu. Gestern waren wir in Monte Carlo, aber nur Resi u. ich, da Papa sich eben dort nicht wohl fühlte. Es war ein prächtiger Ausflug. Auch habe ich dort gespielt, aber weder gewonnen noch verloren. Richardi sagt immer, er will nicht mehr nach München, hier sei es schöner. Er spielt den ganzen Tag im Sand u. Wasser herum. Lieber Karl, es wäre für Dich hier schon sehr schön. Man sollte es nicht versäumen, die schöne Gegend u. alles zu sehen. Später bereut man es.
Übrigens habe ich Mama noch am Bahnhof gesagt, daß das Bild von Adolf 300 M kostet u. Papa habe ich es auch beigebracht. Nur daß Du das weißt.
Mein lieber, lieber Karl, Du versprachst mir doch, mir zu schreiben wo u. wielange [sic] Du am Tage meiner Abfahrt warst u. daß Du mir alles genau mitteilen würdest was Du treibst, und jetzt bekomme ich immer einen Brief mit fünf Schreibmaschinenzeilen. Du hast jetzt doch Zeit.
Alassio ist ziemlich leer gegenüber anderen Jahren. Nun bleib u. werde gesund, ich denke viel an meinen Karl u. bin [und] bleibe stets in treuer Liebe Deine nur Dir gehörende Elisabeth.
Laß meine Briefe nicht herumliegen.

Alassio, Mittwoch (Brief): KAH in Junkersdorf

7. 6. 39.

Mein liebster Karl!
Aus Deinem letzten Brief fühle ich heraus, daß Du sehr deprimiert bist. Lasse Dich doch nicht immer so schnell werfen. Du weißt ja noch gar nicht, ob Sacher es nicht doch noch im Winter aufführt. Selbstverständlich ist es eine Gemeinheit, etwas zu versprechen und dann nicht zu halten. Du mußt ihn unbedingt diesmal besuchen und fragen was eigentlich los ist. Das darfst du nicht versäumen! Übrigens finde ich, daß Dein Brief an ihn etwas zu scharf gehalten war. Du darfst es trotzdem nicht mit ihm verderben. Nun ja, vielleicht wird es damit etwas in Winterthur.
Hier ist es jetzt so heller Sonnenschein, daß mir etwas bewölkt fast lieber wäre. Papa ist die Hitze nicht sehr gut bekommen, er fühlte sich 3 Tage lang gar nicht sehr wohl. Tagsüber kann man jetzt nicht mehr spazieren gehen, es ist zu heiß dazu. Gestern waren wir in Monte Carlo, aber nur Resi u. ich, da Papa sich eben dort nicht wohl fühlte. Es war ein prächtiger Ausflug. Auch habe ich dort gespielt, aber weder gewonnen noch verloren. Richardi sagt immer, er will nicht mehr nach München, hier sei es schöner. Er spielt den ganzen Tag im Sand u. Wasser herum. Lieber Karl, es wäre für Dich hier schon sehr schön. Man sollte es nicht versäumen, die schöne Gegend u. alles zu sehen. Später bereut man es.
Übrigens habe ich Mama noch am Bahnhof gesagt, daß das Bild von Adolf 300 M kostet u. Papa habe ich es auch beigebracht. Nur daß Du das weißt.
Mein lieber, lieber Karl, Du versprachst mir doch, mir zu schreiben wo u. wielange [sic] Du am Tage meiner Abfahrt warst u. daß Du mir alles genau mitteilen würdest was Du treibst, und jetzt bekomme ich immer einen Brief mit fünf Schreibmaschinenzeilen. Du hast jetzt doch Zeit.
Alassio ist ziemlich leer gegenüber anderen Jahren. Nun bleib u. werde gesund, ich denke viel an meinen Karl u. bin [und] bleibe stets in treuer Liebe Deine nur Dir gehörende Elisabeth.
Laß meine Briefe nicht herumliegen.

  • Date
  • 7 Jun 1939

München, Samstag (Brief): E.H. in Alassio

München, 8. Mai nachts 1937.
Mein Lieb, den heutigen Brief widme ich nur einer Sache. Es ist traurig, dass man Erwachsenen Menschen so etwas schreiben muß.
Erstens: „Mein lieber Karl, es kommt gar nicht in Frage, daß ich länger bleibe. Ich will zu Dir…
Zweitens: Dein Vater erzählt mir am Telefon Du willst nach hause wegen mir…
Elisabeth – ich glaube Du spinnst!! Wie alt bist Du?!
Mir fehlen die Worte. Ich wollte erst einen groben Brief schreiben und Dir die Meinung schreiben – aber es ist besser ich versuch es mal erst mit Güte!!!
Elisabeth bedenk was hat die Reise bis jetzt Geld gekostet?! bedenk doch, wie krank warst Du?! bedenk doch wie mager schaust Du aus?!
Um Gotteswillen bleib doch bis Ende Mai!! Nicht wegen mir – nein nein und wieder nein. Du mußt erst beginnen mit der Erholung. Du bist ja ein l e b e n d e r L e i c h n a m!
Bitte rege doch einen Menschen nicht durch Eigensinn auf – ich bin ja aus dem Gleise vollständig geworfen – ich kann ja nicht arbeiten! Ich verlange! Du mußt bleiben ich schwör’s Dir, bei[m] Leben Deines Kindes (Du weißt ich bin etwas Abergläubisch) ich mache ein[e] Dummheit! Elisabeth scherze nicht! Sei vorsichtig!
Also mein Lieb – Fräulein Resi mit Richard kommt am 15. Mai und Du genau 14 Tage später, auch an einem Samstag am 29. Mai – das frühestens! (((es sollten unbedingt 6 Wochen sein))) aber ich lass mich auf den 29. Mai ein! Du mußt bedenken: der Körper stellt sich jetzt erst auf den Aufbau um, doch das weißt Du selbst alles genau.
Adolf sagte das sei heller Wahnsinn, wenn du jetzt schon kämest! Mein Lieb, Du schreibst mir einen Brief den auch Deine Eltern lesen können: du fühlst [Dich] noch etwas schwach! Doch die Luft tut Dir so gut. (((das ist ja auch alles wahr!))) Du kannst ja noch gar nicht erholt sein. Ausgeschlossen! Essen Essen, Trinken, Trinken! Ruhe. Ich schreibe Dir jeden Tag! Alles was neues gibt!!!
Das Wetter hier bei uns ist schrecklich: 2 Stunden Sonnenschein dafür 4 Tage Regen! In Junkersdorf ist es etwas besser, viel auch nicht: die See, mein Alles, die See-luft – ach, so was ist unbezahlbar. Wenn Du wieder da bist – beginnt wieder die Hetzjagd! Nein – nein das ist unmöglich und wenn du mich lieb hast, so bleibst Du und sieh zu, daß du etwas runder wirst. Elisabeth glaube mir, und das weißt Du genau, ich liebe Dich immer, so – oder so – Dein fester Charakter macht mich fest in unserer Liebe. Du weißt genau, wie wir zwei zusammengewachsen sind. Ach meine Beste aber bleibe und werde gesund dann gibt es wieder bei uns Feste! Was für Feste! Aber Gesundheit ist das Wichtigste.
Kümmere Dich bitte nicht um mich. Ich gehe nicht unter. Oh Gott – kümmere Dich bitte um Dich selbst. Essen – trinken – ruhen und genießen bis 29. Mai.
Sei doch froh in dieser herrlichen Gegend! Es sind doch herrliche Menschen! Wann kommst Du wieder dort hinunter! Genieße!
Ich hoffe, daß ich nicht umsonst schrieb! Elisabeth, mein Lieb, ich bitte Dich bleib!! Und glaube mir, daß ich diesen Brief um reiflicher Überlegung geschrieben habe.
Komm – ich reiche Dir die Hände – ich küsse Dich fest
ich bleibe stets Dein dankbarer aufrichtiger und treuer Krl.

München, Samstag (Brief): E.H. in Alassio

München, 8. Mai nachts 1937.
Mein Lieb, den heutigen Brief widme ich nur einer Sache. Es ist traurig, dass man Erwachsenen Menschen so etwas schreiben muß.
Erstens: „Mein lieber Karl, es kommt gar nicht in Frage, daß ich länger bleibe. Ich will zu Dir…
Zweitens: Dein Vater erzählt mir am Telefon Du willst nach hause wegen mir…
Elisabeth – ich glaube Du spinnst!! Wie alt bist Du?!
Mir fehlen die Worte. Ich wollte erst einen groben Brief schreiben und Dir die Meinung schreiben – aber es ist besser ich versuch es mal erst mit Güte!!!
Elisabeth bedenk was hat die Reise bis jetzt Geld gekostet?! bedenk doch, wie krank warst Du?! bedenk doch wie mager schaust Du aus?!
Um Gotteswillen bleib doch bis Ende Mai!! Nicht wegen mir – nein nein und wieder nein. Du mußt erst beginnen mit der Erholung. Du bist ja ein l e b e n d e r L e i c h n a m!
Bitte rege doch einen Menschen nicht durch Eigensinn auf – ich bin ja aus dem Gleise vollständig geworfen – ich kann ja nicht arbeiten! Ich verlange! Du mußt bleiben ich schwör’s Dir, bei[m] Leben Deines Kindes (Du weißt ich bin etwas Abergläubisch) ich mache ein[e] Dummheit! Elisabeth scherze nicht! Sei vorsichtig!
Also mein Lieb – Fräulein Resi mit Richard kommt am 15. Mai und Du genau 14 Tage später, auch an einem Samstag am 29. Mai – das frühestens! (((es sollten unbedingt 6 Wochen sein))) aber ich lass mich auf den 29. Mai ein! Du mußt bedenken: der Körper stellt sich jetzt erst auf den Aufbau um, doch das weißt Du selbst alles genau.
Adolf sagte das sei heller Wahnsinn, wenn du jetzt schon kämest! Mein Lieb, Du schreibst mir einen Brief den auch Deine Eltern lesen können: du fühlst [Dich] noch etwas schwach! Doch die Luft tut Dir so gut. (((das ist ja auch alles wahr!))) Du kannst ja noch gar nicht erholt sein. Ausgeschlossen! Essen Essen, Trinken, Trinken! Ruhe. Ich schreibe Dir jeden Tag! Alles was neues gibt!!!
Das Wetter hier bei uns ist schrecklich: 2 Stunden Sonnenschein dafür 4 Tage Regen! In Junkersdorf ist es etwas besser, viel auch nicht: die See, mein Alles, die See-luft – ach, so was ist unbezahlbar. Wenn Du wieder da bist – beginnt wieder die Hetzjagd! Nein – nein das ist unmöglich und wenn du mich lieb hast, so bleibst Du und sieh zu, daß du etwas runder wirst. Elisabeth glaube mir, und das weißt Du genau, ich liebe Dich immer, so – oder so – Dein fester Charakter macht mich fest in unserer Liebe. Du weißt genau, wie wir zwei zusammengewachsen sind. Ach meine Beste aber bleibe und werde gesund dann gibt es wieder bei uns Feste! Was für Feste! Aber Gesundheit ist das Wichtigste.
Kümmere Dich bitte nicht um mich. Ich gehe nicht unter. Oh Gott – kümmere Dich bitte um Dich selbst. Essen – trinken – ruhen und genießen bis 29. Mai.
Sei doch froh in dieser herrlichen Gegend! Es sind doch herrliche Menschen! Wann kommst Du wieder dort hinunter! Genieße!
Ich hoffe, daß ich nicht umsonst schrieb! Elisabeth, mein Lieb, ich bitte Dich bleib!! Und glaube mir, daß ich diesen Brief um reiflicher Überlegung geschrieben habe.
Komm – ich reiche Dir die Hände – ich küsse Dich fest
ich bleibe stets Dein dankbarer aufrichtiger und treuer Krl.

  • Date
  • 8 May 1937

(P: München), Samstag (Karte) E.H. in Alassio

Meine liebe Elisabeth,
Du hast die Wette verloren, mit unserem (also Adolf und meinen) Besuch von Arnolds Klavierabend. Gestern war ich bis 7 Uhr zu hause, dann ging Adolf und ich bis ½ 10 Uhr zum grossen Wirt, ich ging dann wieder heim, Adolf ebenfalls. Probst war bei mir und verabschiedete sich, er hat die Einreiseerlaubnis bekommen. Der Mensch war froh. Sonst gibt es nichts neues. Adolf war sehr erfreut über Deine Karte – besonders darüber, dass Du alle Orte aufsuchst wo er gemalt hat. Ich möchte nochmals darauf zurückkommen dass ich Dich erst Ende Mai hier erwarte. Das ist eigentlich zu wenig. Wann kommst Du wieder dort hin.
Also meine Elisabeth ich wünsche Dir alles Schöne. Vor allem Gesundheit. Lebe wohl, alles Liebe Dein Karl.
Grüsse bitte Fräulein Resi und unsern lieben Dididi.

(P: München), Samstag (Karte) E.H. in Alassio

Meine liebe Elisabeth,
Du hast die Wette verloren, mit unserem (also Adolf und meinen) Besuch von Arnolds Klavierabend. Gestern war ich bis 7 Uhr zu hause, dann ging Adolf und ich bis ½ 10 Uhr zum grossen Wirt, ich ging dann wieder heim, Adolf ebenfalls. Probst war bei mir und verabschiedete sich, er hat die Einreiseerlaubnis bekommen. Der Mensch war froh. Sonst gibt es nichts neues. Adolf war sehr erfreut über Deine Karte – besonders darüber, dass Du alle Orte aufsuchst wo er gemalt hat. Ich möchte nochmals darauf zurückkommen dass ich Dich erst Ende Mai hier erwarte. Das ist eigentlich zu wenig. Wann kommst Du wieder dort hin.
Also meine Elisabeth ich wünsche Dir alles Schöne. Vor allem Gesundheit. Lebe wohl, alles Liebe Dein Karl.
Grüsse bitte Fräulein Resi und unsern lieben Dididi.

  • Date
  • 8 May 1937

Junkersdorf, Montag (Brief): E.H. in Alassio

den 4. Juni 1939.

Liebe Elisabeth!
Vielen Dank für Deine Karte und für Deinen Brief. Leider ist das Wetter nicht so wie bei uns. Seit ich hier bin [ist] immer schönster Sonnenschein. Heute wolkenlos!! Die Bauern jammern nach Regen. Heute bekam ich einen Brief von Sacher, ich schicke Dir denselben mit der Antwort. – – – Ausserdem hat Jean mir zwei Partituren (Streichquartett von Ravel und Debussy) geschickt. Sonst gibt es bei mir nichts neues. Ich lese zur Zeit sehr viel. Ganz entzückt bin ich über das Buch von „Tristan und Isolde“. Nun lese ich den Gogol. Sonst gibt es nichts neues. Ich habe gar keine Lust Briefe zu schreiben. Ich bin sehr müde.
Die allerliebsten Grüsse immer Dein treuer und Dir immer guter Kl.

Junkersdorf, Montag (Brief): E.H. in Alassio

den 4. Juni 1939.

Liebe Elisabeth!
Vielen Dank für Deine Karte und für Deinen Brief. Leider ist das Wetter nicht so wie bei uns. Seit ich hier bin [ist] immer schönster Sonnenschein. Heute wolkenlos!! Die Bauern jammern nach Regen. Heute bekam ich einen Brief von Sacher, ich schicke Dir denselben mit der Antwort. – – – Ausserdem hat Jean mir zwei Partituren (Streichquartett von Ravel und Debussy) geschickt. Sonst gibt es bei mir nichts neues. Ich lese zur Zeit sehr viel. Ganz entzückt bin ich über das Buch von „Tristan und Isolde“. Nun lese ich den Gogol. Sonst gibt es nichts neues. Ich habe gar keine Lust Briefe zu schreiben. Ich bin sehr müde.
Die allerliebsten Grüsse immer Dein treuer und Dir immer guter Kl.

  • Date
  • 4 Jun 1939

München, Freitag (Brief): E.H. in Alassio

München, 7. Mai 1937.
Meine beste, meine allerliebste Elisabeth.
Ich danke Dir herzlichst für Deinen Brief; und ich freue mich sehr, daß es Dir so gut gefällt. Glaube mir ich habe keinen Neid, daß du da unten bist. Natürlich wäre ich gerne da unten, aber ich freue mich aufrichtig daß es Dir gefällt und daß Du sehr lange unten bleibst; auf alle Fälle bis Ende Mai. Sonst hat es keinen Zweck. Nütze die Zeit aus! (Wann kommst Du wieder darunter?) Mein heißes Lieb, du mußt bedenken, die richtige Erholung beginnt erst, nachdem Du mindestens 8 – 10 Tage unten bist; und dann gleich rauf wieder – nein – bis Ende Mai! –
Den Brief von Fiorillo wirst Du erhalten haben, heute schrieb Ancerl ich lege Dir den Brief bei! Bringe alle Briefe mit! Auch von Brüssel kam eine neue Prospektkarte von Scherchen’s V. Tagung; nun hat er alle modernen Werke gestrichen – nur Beethoven – Mozart und Haydn. Die Erste Tagung in Straßburg nur moderne – dann Paris: halb – halb –; dann Brüssel, wenig aber ein paar – dann Genf: 3 – 4 und jetzt Budapest nichts mehr – das ich [sic] eine Stagnation, die mir mein Freund Sepp schon lange prophezeite! Ancerl schreibt: „denn es ist jetzt von Tag zu Tag schwieriger neue Musik aufzuführen“. Ja ja es wird immer weniger. Doch es ist eine logische Weiterentwicklung. Doch davon, wenn Du mein Lieb wieder bei mir bist. Fritz schrieb auch eine Karte aus der Kaserne! Ja ja aus der Kaserne. Er hat sich in Bamberg stellen müßen. Allerdings weiß er noch nicht wann er einrücken muß. Ihm wurde nichts gesagt. Das wird er früh genug erfahren!
Mein gestriges Tagesprogramm war: (gestern war Feiertag –) ich war bis abends 8 h zuhause (ich arbeitete den ganzen Tag;) dann ging ich auf die Bahn(=hof) und trug Deinen Brief hin, damit er 1155 h nachts noch weg geht, um 9 h traf ich Adolf und gingen zu einem Glas Bier (ehrlich gesagt es waren 2 Glas Bier) um 11 h ging ich nach hause.
Meine allerliebste Elisabeth, sei außer Sorge wegen Klavierspiel und Radio-laufen lassen – zwischen 1h und 3h ist Pause. Nun, liebe Elisabeth, lebe wohl, bis morgen (morgen kommt eine Karte.) werde gesund – rund – und dick – ja ja nur gesund werden, dann bin ich sehr froh! Ich freue mich sehr, wenn Du wieder bei mir bist, aber gut erholt mußt Du Ende Mai zurückkommen, dann werde ich Dich wieder…
Dein treuer Krl.
Küsschen für Dididi
Die Visitenkarten kannst Du Resi geben oder auch nicht. wie Du meinst?
Brief von Ancerl liegt bei!
werde mir gesund, das bringst Du mir mit!! Küsschen –!

München, Freitag (Brief): E.H. in Alassio

München, 7. Mai 1937.
Meine beste, meine allerliebste Elisabeth.
Ich danke Dir herzlichst für Deinen Brief; und ich freue mich sehr, daß es Dir so gut gefällt. Glaube mir ich habe keinen Neid, daß du da unten bist. Natürlich wäre ich gerne da unten, aber ich freue mich aufrichtig daß es Dir gefällt und daß Du sehr lange unten bleibst; auf alle Fälle bis Ende Mai. Sonst hat es keinen Zweck. Nütze die Zeit aus! (Wann kommst Du wieder darunter?) Mein heißes Lieb, du mußt bedenken, die richtige Erholung beginnt erst, nachdem Du mindestens 8 – 10 Tage unten bist; und dann gleich rauf wieder – nein – bis Ende Mai! –
Den Brief von Fiorillo wirst Du erhalten haben, heute schrieb Ancerl ich lege Dir den Brief bei! Bringe alle Briefe mit! Auch von Brüssel kam eine neue Prospektkarte von Scherchen’s V. Tagung; nun hat er alle modernen Werke gestrichen – nur Beethoven – Mozart und Haydn. Die Erste Tagung in Straßburg nur moderne – dann Paris: halb – halb –; dann Brüssel, wenig aber ein paar – dann Genf: 3 – 4 und jetzt Budapest nichts mehr – das ich [sic] eine Stagnation, die mir mein Freund Sepp schon lange prophezeite! Ancerl schreibt: „denn es ist jetzt von Tag zu Tag schwieriger neue Musik aufzuführen“. Ja ja es wird immer weniger. Doch es ist eine logische Weiterentwicklung. Doch davon, wenn Du mein Lieb wieder bei mir bist. Fritz schrieb auch eine Karte aus der Kaserne! Ja ja aus der Kaserne. Er hat sich in Bamberg stellen müßen. Allerdings weiß er noch nicht wann er einrücken muß. Ihm wurde nichts gesagt. Das wird er früh genug erfahren!
Mein gestriges Tagesprogramm war: (gestern war Feiertag –) ich war bis abends 8 h zuhause (ich arbeitete den ganzen Tag;) dann ging ich auf die Bahn(=hof) und trug Deinen Brief hin, damit er 1155 h nachts noch weg geht, um 9 h traf ich Adolf und gingen zu einem Glas Bier (ehrlich gesagt es waren 2 Glas Bier) um 11 h ging ich nach hause.
Meine allerliebste Elisabeth, sei außer Sorge wegen Klavierspiel und Radio-laufen lassen – zwischen 1h und 3h ist Pause. Nun, liebe Elisabeth, lebe wohl, bis morgen (morgen kommt eine Karte.) werde gesund – rund – und dick – ja ja nur gesund werden, dann bin ich sehr froh! Ich freue mich sehr, wenn Du wieder bei mir bist, aber gut erholt mußt Du Ende Mai zurückkommen, dann werde ich Dich wieder…
Dein treuer Krl.
Küsschen für Dididi
Die Visitenkarten kannst Du Resi geben oder auch nicht. wie Du meinst?
Brief von Ancerl liegt bei!
werde mir gesund, das bringst Du mir mit!! Küsschen –!

  • Date
  • 7 May 1937

München, Donnerstag (Brief): E.H. in Alassio

Karl Amadeus Hartmann
Komponist, Wilhelmstr.
München, Deutschland.

München, den 6. Mai 1937.
Meine liebe liebe Elisabeth!
Ich schreibe doch lieber mit der Feder, das ist intimer!
Gestern kam die Antwort von Dante Fiorillo. Da ich Redlich traf, hat er mir den Brief übersetzt. Er sagte: den Brief müßen Sie unbedingt Ihren Schwiegervater lesen lassen. Das tat ich auch. Erstens Redlich las den Brief fließend ab – Vater aber gakste und stotterte umher – seine Antwort war: Du hättest halt eine größere Summe vorher verlangen sollen – und nun wenn er „abkratzt“ was dann –??? Pfui Teufel! Wenn Du zurück bist schreibe ich den Brief bzw. die Antwort.
Redlich fährt am Sonntag (den 9. Mai) nach Wien. Ich habe Redlich das Chorwerk: „Gryphius“ das preisgekrönte Werk von Sutermeister [gezeigt?]. Auch er erschrak. Ich habe ihm dann natürlich gleich genügend gesagt über Dubs. Du kannst Dich sicher erinnern, daß Dubs einen so ordinären Brief an Wellesz (Wien) geschrieben [hat]! Nun hab’ ich gleich zu Redlich gesagt: Ich verstünde nicht, wenn ein Mann wie Dubs einen Sutermeister, einen Dilletanten [sic] vorzieht vor Wellesz, das spreche ich Dubs jede geistige Musikalität ab, u.s.w. – u.s.w.
Meine liebe Elisabeth, wie geht es Dir denn? bleib und werde mir nur gesund! Esse! und trinke! Du mußt unbedingt zunehmen. Du kannst unmöglich am Samstag vor Pfingsten nachhause kommen! Ich erwarte Dich frühestens Ende Mai!! Du mußt bleiben – denn jetzt ist es wichtig, daß Du mal richtige Ruhe hast. Ich lasse es nicht zu! Du mußt bis Ende Mai bleiben. Gewiss habe ich Sehnsucht nach Dir, wie gerne hätte ich Dich wieder bei mir. Gar zu gerne hätte ich Dich bei mir – so allein schlafen! niemand in der Wohnung! Ich hab Dich zu lieb und zu gern bei mir. aber: der Verstand muß schon vorherrschen: und Du mußt Dich so ziemlich auskurieren. Also überlege es Dir nicht – sondern bleibe mir! Du mußt schon mir zuliebe, meine Allerliebste gesund werden – wann kommst Du wieder da hinunter! Alle Bekannte schütteln den Kopf, wenn ich sage Du kämst vor Pfingsten – jeder sagt – 4 – 5 Wochen = und das ist für Dich wenig. (((Ach wenn ich nur einen Preis bekäme für Dich – dann kämst Du mir vor Ende Juli nicht rauf.))) Am Dienstag schrieb ich Dir schon daß ich tagsüber gearbeitet hab und abends war Adolf und See bei mir, dann spielten wir 4händig dann um 9½ h gingen wir zum allein Wirt bis 11 h. am Mittwoch war ich zu hause bis 5 h. Dann ging ich zu deinem Papa – vorher traf ich Redlich. Nach Deinem Papa traf ich Mayer – unseren Drucker und Adolf. Meyer lud uns bei sich zum Essen ein um ½ 11 gingen wir nach hause.
Was macht unser Bub!? Mein Lieb – lebe wohl ich küsse Dich innig und umarme Dich fest. Dein aufrichtiger und treuer Krl.

München, Donnerstag (Brief): E.H. in Alassio

Karl Amadeus Hartmann
Komponist, Wilhelmstr.
München, Deutschland.

München, den 6. Mai 1937.
Meine liebe liebe Elisabeth!
Ich schreibe doch lieber mit der Feder, das ist intimer!
Gestern kam die Antwort von Dante Fiorillo. Da ich Redlich traf, hat er mir den Brief übersetzt. Er sagte: den Brief müßen Sie unbedingt Ihren Schwiegervater lesen lassen. Das tat ich auch. Erstens Redlich las den Brief fließend ab – Vater aber gakste und stotterte umher – seine Antwort war: Du hättest halt eine größere Summe vorher verlangen sollen – und nun wenn er „abkratzt“ was dann –??? Pfui Teufel! Wenn Du zurück bist schreibe ich den Brief bzw. die Antwort.
Redlich fährt am Sonntag (den 9. Mai) nach Wien. Ich habe Redlich das Chorwerk: „Gryphius“ das preisgekrönte Werk von Sutermeister [gezeigt?]. Auch er erschrak. Ich habe ihm dann natürlich gleich genügend gesagt über Dubs. Du kannst Dich sicher erinnern, daß Dubs einen so ordinären Brief an Wellesz (Wien) geschrieben [hat]! Nun hab’ ich gleich zu Redlich gesagt: Ich verstünde nicht, wenn ein Mann wie Dubs einen Sutermeister, einen Dilletanten [sic] vorzieht vor Wellesz, das spreche ich Dubs jede geistige Musikalität ab, u.s.w. – u.s.w.
Meine liebe Elisabeth, wie geht es Dir denn? bleib und werde mir nur gesund! Esse! und trinke! Du mußt unbedingt zunehmen. Du kannst unmöglich am Samstag vor Pfingsten nachhause kommen! Ich erwarte Dich frühestens Ende Mai!! Du mußt bleiben – denn jetzt ist es wichtig, daß Du mal richtige Ruhe hast. Ich lasse es nicht zu! Du mußt bis Ende Mai bleiben. Gewiss habe ich Sehnsucht nach Dir, wie gerne hätte ich Dich wieder bei mir. Gar zu gerne hätte ich Dich bei mir – so allein schlafen! niemand in der Wohnung! Ich hab Dich zu lieb und zu gern bei mir. aber: der Verstand muß schon vorherrschen: und Du mußt Dich so ziemlich auskurieren. Also überlege es Dir nicht – sondern bleibe mir! Du mußt schon mir zuliebe, meine Allerliebste gesund werden – wann kommst Du wieder da hinunter! Alle Bekannte schütteln den Kopf, wenn ich sage Du kämst vor Pfingsten – jeder sagt – 4 – 5 Wochen = und das ist für Dich wenig. (((Ach wenn ich nur einen Preis bekäme für Dich – dann kämst Du mir vor Ende Juli nicht rauf.))) Am Dienstag schrieb ich Dir schon daß ich tagsüber gearbeitet hab und abends war Adolf und See bei mir, dann spielten wir 4händig dann um 9½ h gingen wir zum allein Wirt bis 11 h. am Mittwoch war ich zu hause bis 5 h. Dann ging ich zu deinem Papa – vorher traf ich Redlich. Nach Deinem Papa traf ich Mayer – unseren Drucker und Adolf. Meyer lud uns bei sich zum Essen ein um ½ 11 gingen wir nach hause.
Was macht unser Bub!? Mein Lieb – lebe wohl ich küsse Dich innig und umarme Dich fest. Dein aufrichtiger und treuer Krl.

  • Date
  • 6 May 1937

München, Donnerstag (Brief): E.H. in Alassio

1. Juni 1939.

Liebe Elisabeth,
ich hoffte von Dir eine Nachricht zu bekommen, aber bis jetzt ist nichts gekommen.
Mir geht es jetzt gut. Ich habe jetzt begonnen mit den Stimmen der „Simpl“-Ouvertüre.
Sonst gibt es nichts neues. Deiner Mama habe ich ein Aquarell, (das Aquarell das in der Wahl war für das Weihnachtsgeschenk, das Rosen-Aquarell) und ein Bild (mit Märzbecher und Annemonen) von meinem Vater, ein ganz frühes, ein sehr duftig gemaltes Bild, gebracht für das Haus. Allerdings, nun möchte Deine Mama das Bild von meinem Vater ins Schlafzimmer (hinauf) hängen. Leider, dass ich das nicht vorher gewusst habe. Das Rosen-Aquarell möchte Deine Mama in der Königinstrasse lassen, und in den Wintergarten hängen. Nun ja –
Ich lese zur zeit das Buch von Tristan und Isolde. Wunderschön. Das musst Du lesen, es wird Dir sicherlich dann der Wagnersche „Tristan“ klarer. Ich bekomme so viel Sehnsucht nach dem Wagnerschen Werk. Wir sehen uns ja bald.
Grüsse bitte Deine Lieben, was macht denn der Bubi, mit dem vielen Wasser? Herrlich.
Liebe Elisabeth, nun bleibe mal sehr ruhig.
Auf Wiedersehn viele Grüsse und Küsse immer Dein Kl.

München, Donnerstag (Brief): E.H. in Alassio

1. Juni 1939.

Liebe Elisabeth,
ich hoffte von Dir eine Nachricht zu bekommen, aber bis jetzt ist nichts gekommen.
Mir geht es jetzt gut. Ich habe jetzt begonnen mit den Stimmen der „Simpl“-Ouvertüre.
Sonst gibt es nichts neues. Deiner Mama habe ich ein Aquarell, (das Aquarell das in der Wahl war für das Weihnachtsgeschenk, das Rosen-Aquarell) und ein Bild (mit Märzbecher und Annemonen) von meinem Vater, ein ganz frühes, ein sehr duftig gemaltes Bild, gebracht für das Haus. Allerdings, nun möchte Deine Mama das Bild von meinem Vater ins Schlafzimmer (hinauf) hängen. Leider, dass ich das nicht vorher gewusst habe. Das Rosen-Aquarell möchte Deine Mama in der Königinstrasse lassen, und in den Wintergarten hängen. Nun ja –
Ich lese zur zeit das Buch von Tristan und Isolde. Wunderschön. Das musst Du lesen, es wird Dir sicherlich dann der Wagnersche „Tristan“ klarer. Ich bekomme so viel Sehnsucht nach dem Wagnerschen Werk. Wir sehen uns ja bald.
Grüsse bitte Deine Lieben, was macht denn der Bubi, mit dem vielen Wasser? Herrlich.
Liebe Elisabeth, nun bleibe mal sehr ruhig.
Auf Wiedersehn viele Grüsse und Küsse immer Dein Kl.

  • Date
  • 1 Jun 1939

Alassio, Donnerstag (Brief): KAH in München

Alassio, den 6. Mai 1937.
Mein lieber, lieber Karl! Mein Alles!
Deinen lieben Brief habe ich erhalten. Rege Dich nur ja über Papa u. die Fr. Kleine nicht auf. Hoffentlich hast Du Papa richtig geantwortet und außerdem werde ich ihm den Kopf schon zurechtsetzen über diesen und andere Punkte, wenn ich wieder zurück bin. Eine kleine Rache für den Brief mußten wir ja schließlich erwarten. Alles andere überlasse nur mir. Ich will nur brieflich nichts mit Papa verhandeln. Und das Gesicht –
nun ja das kennen wir ja doch schon – anderen macht er es auch nicht besser. Von einem Geschäftsmann, der keine geistigen Interessen hat kannst Du doch auch nie Verständnis finden. Die Hauptsache ist, daß wir zwei zusammenhalten. Und Du zweifelst doch nicht an mir, daß ich nur mit ganzem Herzen auf Deiner Seite stehe und nur mit u. für Dich kämpfe. Wir zwei bleiben zusammengewachsen, da kann niemand etwas machen. Bitte, bitte mache dir für den 9. Mai keine Hoffnung, wenn dein Werk auch tausendmal das beste ist, so werden genügend dafür sorgen, daß es nicht durchkommt. Es ist zu wenig Aussicht vorhanden. Laß Dich deshalb nicht beirren und bleibe mir. Ich flehe Dich an, Dich für mich zu erhalten. Ich liebe und verehre Dich doch so sehr. Mein lieber Karl, es kommt gar nicht in Frage, daß ich länger bleibe. Ich will wieder zu Dir. Ich habe mich bis jetzt schon ganz gut erholt und bis in zehn Tagen fühle ich mich noch viel besser. In Junkersdorf kommt dann die Nacherholung. Hier gibt es nichts neues. Am Montag möchte ich nach Monte Carlo einen Ausflug machen, erzähle aber hiervon meinen Leuten nichts. Heute habe ich das erstemal gebadet, weil es so heiß war, daß es sonst nicht auszuhalten gewesen wäre. Richard geht seit neuestem ins Wasser, aber nur bis zu den Steinen. Er ist sehr lieb und brav. Ich bin froh, daß Du mit Stefi u. Freunden fort warst, sonst meinst Du wie schrecklich viel Du ohne sie verloren hättest u. wie eingesperrt Du immer bei mir bist. Gehe nur recht viel aus, nütze es aus. Das Essen ist hier schon sehr italienisch, die ganze Zubereitungsart kennt man bei uns nicht. Ich trinke mittags u. abends Rotwein. Ich kann nicht ins Eden zum essen gehen, da ich hier Vollpension habe.
Nun mein inniggeliebter Karl, oftmals im Tag betrachte ich Dein liebes Bild. Bleibe mir gesund. Du mußt. Ich sende Dir tausend innige Küsse umarme Dich heiß und bleibe immer Deine treue Elisabeth.
Schreibe mir bald und viel.

Alassio, Donnerstag (Brief): KAH in München

Alassio, den 6. Mai 1937.
Mein lieber, lieber Karl! Mein Alles!
Deinen lieben Brief habe ich erhalten. Rege Dich nur ja über Papa u. die Fr. Kleine nicht auf. Hoffentlich hast Du Papa richtig geantwortet und außerdem werde ich ihm den Kopf schon zurechtsetzen über diesen und andere Punkte, wenn ich wieder zurück bin. Eine kleine Rache für den Brief mußten wir ja schließlich erwarten. Alles andere überlasse nur mir. Ich will nur brieflich nichts mit Papa verhandeln. Und das Gesicht –
nun ja das kennen wir ja doch schon – anderen macht er es auch nicht besser. Von einem Geschäftsmann, der keine geistigen Interessen hat kannst Du doch auch nie Verständnis finden. Die Hauptsache ist, daß wir zwei zusammenhalten. Und Du zweifelst doch nicht an mir, daß ich nur mit ganzem Herzen auf Deiner Seite stehe und nur mit u. für Dich kämpfe. Wir zwei bleiben zusammengewachsen, da kann niemand etwas machen. Bitte, bitte mache dir für den 9. Mai keine Hoffnung, wenn dein Werk auch tausendmal das beste ist, so werden genügend dafür sorgen, daß es nicht durchkommt. Es ist zu wenig Aussicht vorhanden. Laß Dich deshalb nicht beirren und bleibe mir. Ich flehe Dich an, Dich für mich zu erhalten. Ich liebe und verehre Dich doch so sehr. Mein lieber Karl, es kommt gar nicht in Frage, daß ich länger bleibe. Ich will wieder zu Dir. Ich habe mich bis jetzt schon ganz gut erholt und bis in zehn Tagen fühle ich mich noch viel besser. In Junkersdorf kommt dann die Nacherholung. Hier gibt es nichts neues. Am Montag möchte ich nach Monte Carlo einen Ausflug machen, erzähle aber hiervon meinen Leuten nichts. Heute habe ich das erstemal gebadet, weil es so heiß war, daß es sonst nicht auszuhalten gewesen wäre. Richard geht seit neuestem ins Wasser, aber nur bis zu den Steinen. Er ist sehr lieb und brav. Ich bin froh, daß Du mit Stefi u. Freunden fort warst, sonst meinst Du wie schrecklich viel Du ohne sie verloren hättest u. wie eingesperrt Du immer bei mir bist. Gehe nur recht viel aus, nütze es aus. Das Essen ist hier schon sehr italienisch, die ganze Zubereitungsart kennt man bei uns nicht. Ich trinke mittags u. abends Rotwein. Ich kann nicht ins Eden zum essen gehen, da ich hier Vollpension habe.
Nun mein inniggeliebter Karl, oftmals im Tag betrachte ich Dein liebes Bild. Bleibe mir gesund. Du mußt. Ich sende Dir tausend innige Küsse umarme Dich heiß und bleibe immer Deine treue Elisabeth.
Schreibe mir bald und viel.

  • Date
  • 6 May 1937

(falsche Datierung) München, Dienstag (Brief): E.H. in Alassio

München, 4. April. 37.
Heute kam Dein Brief. Vielen Dank meine liebe liebe Elisabeth!
Ich habe gleich nach Berlin telegrafiert, daß ich gute Nachricht von Dir habe. (die Adresse lautet: A. Reussmann Berlin – Hessler-Hotel am Bahnhof Zoo.) Ich schreibe den Brief ab, lass natürlich bestimmte Sätze aus und zeige denselben Deinen Vater und schicke denselben Deiner Mama.
Ich bin so froh, daß es Dir wieder gut geht. Elisabeth ruhe Dich aus, Du darfst nicht vor Ende Mai zurück. Das ist ganz ausgeschlossen. Sollte Resi mit Bubi raufkommen – so bleibst Du allein noch unten. Du mußt Dich richtig erholen. Ich bin so froh, daß es Dir so gut gefällt. Essen! Essen! Ich finde das Essen, wie Du es schriebst nicht sehr italienisch! Gehe mal in „Eden-Hotel“ und iss mal dort. mich würde es sehr interes[s]ieren. Esse mehr Spaghetti und Huhn – und alles andere spezielle italienische. Wein!!
Ich war am Samstag und Sonntag mit Stefi und Genossen fort (mit dem Auto ((Adolf und ich würden mit dem Auto mitgenommen))). Ich hab’ aber wieder genug mit der Gesellschaft. Es war wohl lustig, doch ein zweitesmal hab’ ich keine Lust mehr. Es war wohl billig, aber das ist nichts für uns. Nun ja, Du weißt ja mein Lieb, ich muß alles zuerst erleben – richtig erleben – dann ist es wieder aus. Gestern Montag war ich in der Früh bei Deinem Vater dann war ich zu hause – abends traf ich Satzinger und Adolf bis 9 h (von 7 h – 9 h) um ½10 war ich wieder zu hause. Wie ich bei Deinem Vater war, erzählte er mir, daß Frau Dr. Kleine da war und erzählte ihm was für große Erfolge ihr Mann in Berlin hat und wie viel Geld er verdiente und wie fleißig und arbeitsam ihr Mann ist. Immer wieder fing Vater an zu erzählen wieviel Geld – wie fleißig – wie große Erfolge ihr Mann hat – ja sie ziehen jetzt für ständig nach Berlin – Frau Kleine erzählte auch wie andere Komponisten in Berlin (z. B. Kreuder) Geld verdienen – der langen Rede – kurzer Sinn ist, sie wollte hetzen als Antwort des Briefes von uns, bei Vater, und siehe da sie fand ein gutes Opfer – ich gehe die Woche nicht mehr zu Vater, erst wenn Deine Mama wieder da ist. Mit Deiner Mama kann man sich viel besser unterhalten.
Dein Vater hat jetzt die Nase voll – Geld verdienen. Weißt Du mein Lieb die Kleine ist schon eine Matz, ein richtiges Dreckmensch! Schreibe Du nicht an Vater ich übergehe die Angelegenheit vollständig. Schau nur zu, daß Du mir gesund wirst, ich brauche Dich notwendig. Post ist nicht gekommen. An Tautenhahn kannst Du jetzt schreiben. Redlich fährt am Sonntag den 9. Mai nach Wien. (((((ich bin auf den 9. Mai neugierig))))) kommt wieder am 15. Juni zurück und fährt mit Familie nach Italien (Gardasee). Sonst passiert nichts, heute Dienstag bin ich den ganzen Tag zu hause. Ich habe an Deine Mama telegraphiert – Dein Vater ist bis Mittwoch nachmittag verreist (seit Montag mittag). Schreibe Deiner Mama! Dein Vater macht ein Gesicht – nun ja wie immer! Grässlich! Adolf sagt, daß das Freilichtkino: Moulin Rouge (rote Mühle) heißt.
Meine liebe Elisabeth, werde mir nur gesund. Ich freue mich von ganzem Herzen und wirklich aufrichtig, daß es Dir so gut gefällt. Komm mein Lieb ich küsse Dich fest und ich bleibe stets Dein aufrichtiger und treuer Krl.
Gib Bubi ein Küsschen von mir.

(falsche Datierung) München, Dienstag (Brief): E.H. in Alassio

München, 4. April. 37.
Heute kam Dein Brief. Vielen Dank meine liebe liebe Elisabeth!
Ich habe gleich nach Berlin telegrafiert, daß ich gute Nachricht von Dir habe. (die Adresse lautet: A. Reussmann Berlin – Hessler-Hotel am Bahnhof Zoo.) Ich schreibe den Brief ab, lass natürlich bestimmte Sätze aus und zeige denselben Deinen Vater und schicke denselben Deiner Mama.
Ich bin so froh, daß es Dir wieder gut geht. Elisabeth ruhe Dich aus, Du darfst nicht vor Ende Mai zurück. Das ist ganz ausgeschlossen. Sollte Resi mit Bubi raufkommen – so bleibst Du allein noch unten. Du mußt Dich richtig erholen. Ich bin so froh, daß es Dir so gut gefällt. Essen! Essen! Ich finde das Essen, wie Du es schriebst nicht sehr italienisch! Gehe mal in „Eden-Hotel“ und iss mal dort. mich würde es sehr interes[s]ieren. Esse mehr Spaghetti und Huhn – und alles andere spezielle italienische. Wein!!
Ich war am Samstag und Sonntag mit Stefi und Genossen fort (mit dem Auto ((Adolf und ich würden mit dem Auto mitgenommen))). Ich hab’ aber wieder genug mit der Gesellschaft. Es war wohl lustig, doch ein zweitesmal hab’ ich keine Lust mehr. Es war wohl billig, aber das ist nichts für uns. Nun ja, Du weißt ja mein Lieb, ich muß alles zuerst erleben – richtig erleben – dann ist es wieder aus. Gestern Montag war ich in der Früh bei Deinem Vater dann war ich zu hause – abends traf ich Satzinger und Adolf bis 9 h (von 7 h – 9 h) um ½10 war ich wieder zu hause. Wie ich bei Deinem Vater war, erzählte er mir, daß Frau Dr. Kleine da war und erzählte ihm was für große Erfolge ihr Mann in Berlin hat und wie viel Geld er verdiente und wie fleißig und arbeitsam ihr Mann ist. Immer wieder fing Vater an zu erzählen wieviel Geld – wie fleißig – wie große Erfolge ihr Mann hat – ja sie ziehen jetzt für ständig nach Berlin – Frau Kleine erzählte auch wie andere Komponisten in Berlin (z. B. Kreuder) Geld verdienen – der langen Rede – kurzer Sinn ist, sie wollte hetzen als Antwort des Briefes von uns, bei Vater, und siehe da sie fand ein gutes Opfer – ich gehe die Woche nicht mehr zu Vater, erst wenn Deine Mama wieder da ist. Mit Deiner Mama kann man sich viel besser unterhalten.
Dein Vater hat jetzt die Nase voll – Geld verdienen. Weißt Du mein Lieb die Kleine ist schon eine Matz, ein richtiges Dreckmensch! Schreibe Du nicht an Vater ich übergehe die Angelegenheit vollständig. Schau nur zu, daß Du mir gesund wirst, ich brauche Dich notwendig. Post ist nicht gekommen. An Tautenhahn kannst Du jetzt schreiben. Redlich fährt am Sonntag den 9. Mai nach Wien. (((((ich bin auf den 9. Mai neugierig))))) kommt wieder am 15. Juni zurück und fährt mit Familie nach Italien (Gardasee). Sonst passiert nichts, heute Dienstag bin ich den ganzen Tag zu hause. Ich habe an Deine Mama telegraphiert – Dein Vater ist bis Mittwoch nachmittag verreist (seit Montag mittag). Schreibe Deiner Mama! Dein Vater macht ein Gesicht – nun ja wie immer! Grässlich! Adolf sagt, daß das Freilichtkino: Moulin Rouge (rote Mühle) heißt.
Meine liebe Elisabeth, werde mir nur gesund. Ich freue mich von ganzem Herzen und wirklich aufrichtig, daß es Dir so gut gefällt. Komm mein Lieb ich küsse Dich fest und ich bleibe stets Dein aufrichtiger und treuer Krl.
Gib Bubi ein Küsschen von mir.

  • Date
  • 4 May 1937